Das Angebot ist ganz prominent platziert: an erster Stelle im Slider auf der Homepage der Stadtwerke Sigmaringen. Es geht um Fragen und Antworten zum Tarifwechsel. Ein ganz zentrales Thema bei den Vertriebsaktivitäten zum Jahresende. Auslaufende Lieferverträge über ein oder zwei Jahre verlängern sich seit einigen Jahren bei Ablauf nur noch um einen Monat und nicht mehr um ein Jahr oder länger. Diese Kundengruppe sollte proaktiv gebunden werden, auch ein Wechsel in einen passenden oder günstigeren Tarif kann dabei ein wichtiges Argument sein.
13.500 Kunden mit Standardlastprofil beliefert der Kommunalversorger aus Baden-Württemberg aktuell noch mit Strom und Gas. Deutlich mehr Haushalte wurden in den letzten Wochen angeschrieben. "Viele Kunden haben uns in den letzten Jahren wegen der Preise verlassen. Alle, die gegangen sind, haben wir angeschrieben", sagt Falk Wilhelm Schulz, Interimsgeschäftsführer der Stadtwerke Sigmaringen.
Viele der Kunden haben uns gesagt, dass sie gerne bei ihrem Stadtwerk bleiben würden, aber, dass ihnen die Preise zu hoch sind im Marktvergleich.
Der Kommunalversorger hatte in der jüngsten Energiekrise erhebliche Energiemengen im Voraus zu exorbitant hohen Preisen eingekauft und musste über einen längeren Zeitraum Preise anbieten, die nicht marktfähig waren. Eine signifikante Zahl an Kunden ist deshalb zu anderen Energieversorgern gewechselt.
"Viele dieser Kunden haben uns gesagt, dass sie eigentlich gerne bei ihrem Stadtwerk bleiben würden, dass ihnen aber die Preise einfach zu hoch sind im Marktvergleich", sagt Schulz. Einen Teil davon hofft er, bald wieder zurückgewinnen zu können.
Im laufenden Jahr sei man noch etwas teurer gewesen als die relevanten Konkurrenten im Markt, ab kommendem Jahr könne man wieder marktfähige Preise anbieten. "Wir haben versucht, im laufenden Jahr in der Preiskommunikation unterm Radar zu fliegen, weil die Preise noch nicht so gut waren. Jetzt kommunizieren wir offensiver", sagt Schulz.
Anderes Stadtwerk versuchte, von schwieriger Lage vor Ort zu profitieren
Die Preise in der Grundversorgung werden im kommenden Jahr bei rund 38 Cent pro Kilowattstunde (kWh) liegen, beim Gas bei 11,9 Cent. In den Laufzeitprodukten, die stärker im Wettbewerb stehen, sind die Preise mit gut 33 Cent im Strom und knapp elf Cent im Erdgas in Bereich benachbarter Versorger.
Die Wettbewerbsintensität vor Ort sei hoch, auch die Vertriebsmitarbeiter eines anderen Stadtwerks hätten versucht, von der schwierigen Situation bei den Stadtwerken Sigmaringen zu profitieren und das Gerücht verbreitet, dass sie die Netze der Sigmaringer übernommen hätten.
Stimmung in der Belegschaft hat sich gedreht
"Das ist natürlich Nonsens. Der Wettbewerb sollte am Ende des Tages nicht primär unter Stadtwerken stattfinden, sondern mit den großen privaten Energiekonzernen in der Branche und neuen Playern wie 1Komma5Grad oder Octopus", versichert Schulz.
Die Stimmung bei den Mitarbeitenden der Stadtwerke Sigmaringen habe sich mittlerweile gedreht, der Blick geht nach vorne. Stimmung und Motivation hätten sich verbessert. "Viele Mitarbeiter sind im vergangenen schwierigen Jahr im Ort angesprochen worden, ob ihr Job noch sicher ist und sie wurden gefragt, warum das so schiefgelaufen sei. Hier gibt es glücklicherweise seit Längerem Klarheit, dass die Arbeitsplätze gesichert sind", so Schulz.
Das Unternehmen beschaffe die Energie mittlerweile in viel kürzeren Zyklen als vorher, in der Regel ein Jahr strukturiert im Voraus. "Das größte Risiko in der Beschaffung sind fallende Preise, steigende Preise kann man im Zweifelsfall im Markt durchsetzen."
Jahresabschluss für 2024 soll Anfang 2026 vorliegen
Auch die Qualität der Verbrauchsprognose werde laufend optimiert. "Wir haben sämtliche Meldeketten deutlich gestrafft. Wenn etwa drei Gewerbebetriebe sich eine PV-Anlage auf's Dach stellen und den Energiebezug reduzieren, müssen wir das zeitnah wissen und berücksichtigen."
Der Jahresabschluss für 2024 soll Anfang kommenden Jahres vorliegen. Das hängt offenbar mit einer Umstellung der Unternehmens-Ressourcenplanung (ERP-System) in der Energiepreiskrise zusammen. Im laufenden Jahr wird laut Wirtschaftsplan noch mit einem negativen Ergebnis zwischen minus einer Million Euro und einer roten Null gerechnet.



