Bereits seit Wochen wird die Schlei, ein Meeresarm der Ostsee, von einem Spezialschiff und Mitarbeitern der Schleswiger Stadwerke von Plastikpartikeln gereinigt. Der Emittent war schnell gefunden - die Kläranlage des Versorgers filterte nicht alle Mikroteilchen aus Gärsubstraten, die ein Unternehmen zulieferte. Fest steht nun, dass Refood, der Zulieferer von Speiseresten, die Stadtwerke über den Kunststoffanteil im besagten Gärmaterial nicht richtig aufgeklärt hat.
Im Zeitraum von 2015 bis 2017 betrug der Anteil an Kunststoffteilchen, die größer als zwei Millimeter waren, maximal 0,08 Prozent. Dies steht zumindest im Lieferschein von Refood an die Stadtwerke Schleswig. Die Analysen eines unabhängigen Labors (Agrolab Umwelt Kiel) sprechen hingegen eine andere Sprache: Demnach lag der Anteil von Mikropartikeln im gleichen Zeitraum zwischen 0,08 Prozent und 2,51 Prozent.
Stadtwerke-Chef gibt Raum für Betrugsspekulationen
Bei der Sondersitzung des Versorgers mit dem Werkausschuss Abwasserentsorgung/Umweltdienste sprach Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs Klartext über die aktuellen Entwicklungen: „Diese Erkenntnis ist besonders verblüffend, wenn man beachtet, dass sich die Angaben auf unseren Lieferscheinen auf dieselben Proben beziehen wie die Untersuchungen, die dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Flintbek (LLUR) vorliegen.“ Und weiter: „Da Refood die Analysen bei Agrolab unseren Informationen nach selbst in Auftrag gegeben hat, können wir daraus nur eine Schlussfolgerung ziehen: Auf den Lieferscheinen an die Stadtwerke wurden scheinbar abweichende Angaben gemacht.“
Die Fachsbereichsleitung Umwelt (Kreis Schleswig-Flensburg) machte Schoofs Anfang Mai auf die Laboruntersuchungen aufmerksam. Die Umweltbehörde bekam die Ergebnisse wiederum vom LLUR Flintbek zur Verfügung gestellt. Offenbar hat Refood die Analyse zur Eigenkontrolle bei Agrolab in Auftrag gegeben.
Möglicher Mitverursacher der Verunreinigung entdeckt
Doch damit nicht genug: Neben den unkorrekten Angaben von Refood treibt den Versorger nun der Verdacht auf einen möglichen Mitverursacher der Plastik-Verunreinigung um. So legen weitere Nachforschungen nahe, dass die Kunststoffteile an den Schlei-Ufern über den Regenwasserkanal eines Gewerbebetriebes in den Brautseegraben eingeleitet worden sein könnten. Über diese Erkenntnisse haben die Stadtwerke die Umweltbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg am 27. April und zwischenzeitlich auch das Landeskriminalamt informiert. Daraufhin fand auch eine gemeinsame Begehung auf dem Gelände des Gewerbebetriebes statt. Da es sich um einen indirekten Einleiter in den Brautseegraben handelt, werden die Stadtwerke dem Gewerbebetrieb entsprechende Auflagen machen.
Neben den neuen Erkenntnisse und Verstrickungen hat die Reinigung der Schlei nach wie vor oberste Priorität für die Stadtwerke. Mittlerweile fischt der Katamaran mit einer speziellen Säuberungsvorrichtung nur noch eine Handvoll Mikropartikel aus dem Wasser.


