Die falsche Entsorgung von Dingen in der Toilette macht den Abwasserunternehmen große Probleme.

Die falsche Entsorgung von Dingen in der Toilette macht den Abwasserunternehmen große Probleme.

Bild: © gpointstudio/AdobeStock

Von Elwine Happ-Frank

Anlässlich des Tags des Toilettenpapiers zeigt eine aktuelle Befragung: Obwohl die überragende Mehrheit der Bevölkerung weiß, dass Hygieneartikel, Speisereste und Medikamente nicht in die Toilette gehören, landen diese Stoffe dennoch zu häufig im Abfluss. Das ist das Ergebnis einer Civey-Umfrage im Auftrag des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU).

Erfreulicherweise ist 90,8 Prozent der Befragten klar, dass viele Artikel nicht in die Toilette gehören. Dieses Wissen ist über alle Altersgruppen hinweg hoch ausgeprägt – bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Anteil bei 83,0 Prozent, bei den über 65-Jährigen sogar bei 93,5 Prozent.

Verstopfte Pumpe durch Fremdmaterial: Beim Transport des Abwassers verketten sich Fasern von Küchenpapier, feuchtem Toilettenpapier, Feuchttüchern usw. zu langen Strängen und bilden sogenannten Verzopfungen, die die Pumpen lahmlegen.Bild: © Emschergenossenschaft / Lippeverband

Die Folge falsch entsorgter Artikel: Die Fachleute der Abwasserbetriebe müssen die Pumpen aufwendig auseinanderbauen und von Hand reinigen – ein Aufwand, der schnell Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen kann. Diese Aufwendungen tragen letztlich alle Verbraucher:innen über die Abwassergebühren.

Mit Aufklärung versuchen die Entsorger, die Probleme zumindest zu mildern. Mit dem kleinen Löwen "Klärens Klarwasser" führt der Abwasserverband Braunschweig schon die Jüngsten an die Thematik heran. Mit der Kampagne "Deine Toilette ist kein Mülleimer" will der Entsorgungsverband Saar für die richtige Beseitigung von Abfällen und Medikamenten sensibilisieren. Viel Beachtung fand auch ein Musikvideo mit dem Titel "I only want the real shit", mit dem die Berliner Wasserbetriebe auf das Dauerproblem der Entsorger aufmerksam machten.

Unterschiede zwischen Älteren und Jüngeren

Im Detail hat die VKU/Civey-Umfrage ergeben, dass 45 Prozent der Deutschen bereits Speisereste wie Soßen oder Öl über die Toilette entsorgt haben. Auch Feuchttücher (20,9 Prozent), Tampons, Binden oder Kondome (6,8 Prozent) sowie Zigarettenkippen (4,7 Prozent) wurden schon einmal über das stille Örtchen entsorgt.

Der Anteil derjenigen, die Feuchttücher in die Toilette geworfen haben, ist bei jüngeren Menschen ausgeprägter als bei älteren. Während 37,2 Prozent der 18- bis 29-Jährigen dies bereits getan haben, liegt der Anteil in der Altersgruppe 30 bis 49 Jahre bei rund 25 Prozent.

Ab 50 Jahren sinkt der Wert: 17,3 Prozent der 50- bis 64-Jährigen und nur 15,3 Prozent der über 65-Jährigen geben an, Feuchttücher über die Toilette entsorgt zu haben.

Besonders problematisch: Feuchttücher

Feuchttücher bestehen aus reißfesten Kunstfasern und lösen sich im Wasser nicht schnell genug auf. Schlimmstenfalls kommt es deshalb an den Abwasserpumpen zu sogenannten Verzopfungen. Die Tücher verquirlen sich in den Pumpen, verstopfen sie und legen sie damit lahm. Im Zusammenspiel mit anderen Dingen wie Wattestäbchen, Kondomen oder Speiseresten wie Öl verschärft sich die Situation zusätzlich.

Falls die Tücher ins Klärwerk gelangen, werden sie dort mit großem Aufwand mechanisch aus dem Abwasser entfernt und anschließend verbrannt. Das Umweltbundesamt geht von deutschlandweiten Kosten in Millionenhöhe aus – allein für die Wartung verstopfter Pumpen und die separate Entsorgung solcher Abfälle.

Probleme mit feuchtem Toilettenpapier

Auch feuchtes Toilettenpapier, das laut den Herstellern über die Toilette entsorgt werden kann, ist nicht unproblematisch. Zwar wurden die Produkte in den letzten Jahren verbessert, sie sind aber nach wie vor deutlich beständiger als herkömmliches Toilettenpapier. Selbst wenn sie sich wegspülen lassen, lösen sie sich im Kanal nicht schnell genug auf.

Die Hersteller empfehlen zwar, nicht mehr als zwei Tücher gleichzeitig zu entsorgen – doch aus der Praxis wissen die Entsorger, dass auch diese vermeintlich geringen Mengen zu technischen Problemen führen können, wenn sie sich mit anderen Abfällen verbinden. Deshalb: Auch feuchtes Toilettenpapier gehört in den Abfalleimer, nicht in die Toilette.

Infos zur Umfrage:
Civey hat für den Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vom 13.8. bis 15.8.2025 online 5000 Bundesbürger:innen ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,6 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis.

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