Wasser

Drei Stadtwerke heben Wasserpreis zum 1. Juli an

Im nordrhein-westfälischen Witten und Velbert sowie im bayerischen Neuburg an der Donau sind die Kosten stark gestiegen. Das muss jetzt auf die Bürger umgelegt werden.
20.06.2024

Personal, Bauarbeiten, neue Aufbereitungstechnologien, Vorsorge für Hitzeperioden und Starkregenereiginsse: Die Kosten der Stadtwerke für die Bereitstellung des Trinkwassers steigen derzeit stark an.

In Witten, der mit mehr als 95.000 Einwohnern größten Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises, passt der lokale Versorger erstmals seit 2016 ab dem 1. Juli 2024 die Trinkwasserpreise an.

„Wir haben während der vergangenen acht Jahre die Kosten stabil halten können. In dieser Zeit haben wir u. a. die Wasseraufbereitung mit neuster Technologie ausgestattet und können nun ohne chemische Zusatzstoffe das Wasser reinigen“, sagt Andreas Schumski, Geschäftsführer der Stadtwerke Witten.

Velbert: Erstmalige Anhebung seit 2016

Auch die Stadtwerke Velbert konnten den Systempreis seit seiner Einführung vor achteinhalb Jahren unverändert lassen. Angesichts einer seit 2016 kumulierten Inflation von 23 Prozent sei eine Anpassung nun unumgänglich.

„Die zuverlässige und rund um die Uhr qualitätsgerechte Versorgung mit Trinkwasser ist energie- und personalkostenintensiv. Zudem haben sich die Zinsen für Investitionsfinanzierungen nahezu vervierfacht. Die Kostensteigerungen der letzten Jahre müssen wir leider zum Teil an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben, um zukünftig kostendeckend arbeiten zu können“, erläutert Tobias Grau, Geschäftsführer der Stadtwerke Velbert.

Neuburg: Seit 2019 stabile Preise

Die Stadtwerke Neuburg an der Donau hatten zuletzt 2019 den Wasserpreis angehoben. Im Gebiet des Versorgers ist vor allem beim Netzunterhalt viel zu tun, denn das unterirdische Leitungssystem umfasst etwa 200 Kilometer.

Wie Stadtwerke-Leiter Florian Frank und Wassermeister Sebastian Strehle im Stadtrat erklärten, müssten rein rechnerisch pro Jahr sieben Kilometer Netz saniert werden, um alles auf dem neuesten Stand der Technik zu haben. "Das ist allerdings nicht zu schaffen", so Strehle. In jedem Jahr werden zwischen drei und vier Kilometer Leitungsnetz saniert. "Für mehr fehlt das Geld und das Personal", so Strehle.

Die neuen Preise in Witten

In Witten wurde vor zwei Jahren ein Wasserpreismodell eingeführt, das für eine faire Verteilung der Wasserkosten sorgen soll. Die Grundgebühr ist in neun Preisgruppen und Verbräuchen bis 5001 Kubikmeter Wasser/Jahr gestaffelt. Für Personen in Einfamilienhäusern, die einen Verbrauch von weniger als 150 Kubikmeter/Jahr haben, erhöht sich der Grundpreis pro Monat um 4,95 Euro netto. Der Arbeitspreis pro Kubikmeter beträgt unabhängig von der Nutzung ab dem 1. Juli 2024 nun 1,84 Euro netto (vormals 1,70 Euro netto).

Eine durchschnittliche Familie in einem Einfamilienhaus wird insgesamt monatlich etwa 6,70 Euro (netto) mehr für Wasser zahlen müssen. Ein Zwei-Personen-Haushalt in einem Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten muss monatlich mit rund 3,20 Euro (netto) mehr rechnen.

Die neuen Preise in Velbert

Auch in Velbert betrifft die Erhöhung beide Preisbestandteile, sowohl den System- als auch den Arbeitspreis. Der verbrauchsunabhängige Systempreis steigt um durchschnittlich 24,4 Prozent. Der verbrauchsabhängige Arbeitspreis wird von 1,49 Euro auf 1,69 Euro (brutto) pro Kubikmeter um durchschnittlich 13,7 Prozent angehoben.

Bei einem Fünf-Parteien-Haus mit jeweils rund 65 Kubikmetern Jahresverbrauch steigen die monatlichen Kosten ab 1. Juli 2024 um rund 2,90 Euro. Ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 110 Kubikmetern Wasser erwarten monatliche Mehrkosten von 5,60 Euro.

Die neuen Preise in Neuburg an der Donau

Bürgerinnen und Bürger in Neuburg müssen ab 1. Juli statt bisher 1,78 Euro pro Kubikmeter 2,41 Euro bezahlen. Das berichten die „Augsburger Allgemeine“ und der „Donaukurier“ aus einer Stadtratssitzung.

Der deutliche Anstieg um 63 Cent scheint angesichts eines Sanierungsstaus im Leitungsnetz alternativlos. Der bisherige Preis von 1,78 Euro sei „deutlich zu niedrig“, sagte ein Experte des Kommunal-Beratungsbüros Schneider & Zajontz laut „Augsburger Allgemeine“ im Stadtrat.

Da im Schnitt jede Person in Neuburg 3900 Liter Wasser im Monat verbraucht, gehen die Stadtwerke davon aus, dass die Preiserhöhung pro Person 2,36 Euro Mehrkosten pro Monat ausmacht. Für einen Haushalt mit vier Personen bedeutet das pro Jahr eine Wasserrechnung von rund 114 Euro mehr als bisher. (hp)