Mit viel politischer Prominenz hat die IFAT 2026 in München ihre Tore geöffnet. Neben Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall und dem bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sowie den NRW-Ministern Mona Neubaur und Oliver Krischer (beide Grüne) waren auch mehrere internationale Minister bei der Eröffnung zugegen. Die IFAT gilt als weltweit führende Fachmesse für Umwelttechnologien.
Angefangen hatte alles vor genau 60 Jahren als nationale Leistungsschau der Wasser-, Abwasser- und Entsorgungsbranche. Doch mittlerweile nimmt die IFAT quasi das gesamte Münchner Messegelände einschließlich des Freigeländes ein, die Ausstellungsfläche entspricht der von mehr als 40 Fußballfeldern. Aus den rund 150 Ausstellern des Jahres 1966 sind mittlerweile mehr als 3000 aus rund 50 Ländern geworden. Damit ist die IFAT nicht nur einer der größten Branchentreffpunkte, sondern auch ein globales Innovationsforum für Entscheider aus Kommunen, Industrie und Wissenschaft.
"Wir kämpfen – mal mit zu viel, mal mit zu wenig Wasser"
Inhaltlich deckt die Messe die gesamte Bandbreite moderner Umwelttechnologien ab. Zentrale Themen sind Wasser- und Abwasserwirtschaft, Abfall- und Recyclingtechnik, Rohstoffeffizienz, kommunale Lösungen sowie immer stärker auch Klimaneutralität, Energieeffizienz und Digitalisierung. Smarte Steuerungssysteme, KI-gestützte Anlagenüberwachung und datenbasierte Lösungen für resiliente Infrastrukturen spielen eine wachsende Rolle. Ein besonderer Fokus liegt 2026 auf Kreislaufwirtschaft und nachhaltigem Ressourcenmanagement – Bereiche, die angesichts globaler Herausforderungen stark an Bedeutung gewinnen.
Die Herausforderungen sind immens, zeigte auch die Rede von EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall. "Wir kämpfen – mal mit zu viel Wasser, mal mit zu wenig Wasser und oft auch mit verschmutztem Wasser." Zu oft aber werde die enge Verknüpfung von Wasserwirtschaft und Kreislaufwirtschaft ignoriert.
Als wichtigste Handlungsfelder nannte Roswall zum einen die Wassereffizienz: Ein Viertel des gewonnenen Trinkwassers in der EU gehe durch Lecks verloren. Das bedeutet nicht nur, dass die Ressource Wasser verloren geht, sondern auch beispielsweise die Energie, die für die Gewinnung aufgewendet wurde. Roswells Plan: Bis 2030 sollen die Verluste um mindestens zehn Prozent reduziert werden. Ein Mittel dazu sei auch die Digitalisierung, beispielsweise zur Detektion von Lecks.
Weiteres wichtiges Handlungsfeld ist die Wiederverwendung von Wasser. Derzeit werden weniger als 2,5 Prozent des behandelten Abwassers wiederverwendet. Es gebe aber großes Potenzial, etwa in der Industrie oder für die Kühlung von Gebäuden.
Gewissheiten brechen weg
Bundesumweltminister Carsten Schneider betonte, "dass Gewissheiten gerade wegbrechen." Die Folgen des Klimawandels seien spürbar, mit Starkregen, Dürren, mit überlasteten Städten, Kriegen und Spannungen. "Wir müssen neue Wege finden, um Stabilität und Sicherheit zu schaffen", so Schneider. Umwelttechnologien seien dabei "nicht nice to have", sondern die Voraussetzung für Sicherheit, Souveränität und Wohlstand. "Nichtstun ist teurer als entschlossenes Handeln", so Schneider.
Die Antwort des Bundesumweltministeriums auf diese Herausforderungen ist die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie NKWS. Schneider kündigte an, in Kürze ein Aktionsprogramm vorzulegen. Das sei fast fertig, nur ein wesentlicher Punkt müsse noch geklärt werden: Wie stark wird die öffentliche Hand auf der Nachfrageseite für Recycling-Produkte tätig. Schneider: "Ich möchte, dass der Leitmarkt stärker unterstützt wird, dass die öffentliche Hand bei Ausschreibungen stärker als bisher, insbesondere was die großen Unternehmen betrifft, Recyclingprodukte präjudiziert und bevorzugt behandelt."
Auch beim Wasser kündigte Schneider "einen ganzen Katalog von Maßnahmen" an. Ziel der Nationalen Wasserstrategie sei, dass auch im Jahr 2050 für alle sauberes Wasser zur Verfügung steht.




