Aufatmen in München: Die Wassersparanordnung der Stadtwerke München (SWM) und die Allgemeinverfügung der Landeshauptstadt zur Wassernutzung laufen zum 1. August aus. Grundlage der Entscheidung ist die aktuelle Einschätzung des Unternehmens, wonach die Grundwassersituation zwar weiterhin angespannt ist, sich die Versorgungslage derzeit aber auf einem beherrschbaren Niveau bewegt.
Der Wasserverbrauch der Stadt ist seit dem Erlass der beiden Regelwerke am 14. Juli gesunken – er variiert zwar tageweise, ist in der Gesamttendenz aber auf einen durchschnittlichen Bereich um die 330 Millionen Liter pro Tag zurückgegangen.
Der SWM erwarten laut ihren Verbrauchsprognosen für die kommenden Tage wegen der heißen Temperaturen zwar einzelne Spitzen, im Mittel aber einen weiteren Rückgang. "Mit dem Beginn der Sommerferien und der Reisezeit sinkt erfahrungsgemäß der Wasserverbrauch in München. Wir können die Allgemeinverfügung deshalb zum 1. August auslaufen lassen", erklärt Oberbürgermeister Dominik Krause.
Bieberbach: "Weiterhin Maß halten"
"Auch wenn die Einschränkungen nun aufgehoben werden können, ist weiterhin Maß halten erforderlich", sagte SWM-Chef Florian Bieberbach, der wie Krause allen, "die durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser zur Stabilisierung der Wasserversorgung beigetragen haben", dankte.
Weiterhin wiesen aber die Hangquell- und Grundwasserfassungen aufgrund der viel zu geringen Niederschläge der vergangenen 18 Monate nach wie vor nur ein niedriges Wasserangebot auf.
Wie angespannt die Lage bleibt, unterstreichen auch die Zahlen des Niedrigwasser-Lageberichts des Bayerischen Landesamtes für Umwelt vom 24. Juli. Für das laufende Abflussjahr weist er ein Niederschlagsdefizit von rund 32 Prozent aus – nachdem bereits 2025 zu trocken war.
Im Juni 2026 wurde zudem die bislang längste Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen beschrieben. Die Folgen sind messbar: Aktuell zeigen 81 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen sowie 74 Prozent der Messstellen der tieferen Grundwasserstockwerke in Bayern niedrige Verhältnisse.
Zeitweise über 400 Millionen Liter pro Tag
Die erste Hitzewelle Ende Juni/Anfang Juli hatte den täglichen Wasserverbrauch zeitweise auf über 400 Millionen Liter getrieben – bei einem Normalwert von rund 300 Millionen Litern und einer zugleich stark eingeschränkten Wassergewinnung infolge der Niedrigwassersituation.
Stadt und SWM zogen daraufhin die Notbremse: Die Allgemeinverfügung untersagte unter anderem das Befüllen privater Pools, das Bewässern von Rasenflächen, die Autowäsche außerhalb gewerblicher Waschanlagen und die Entnahme aus Seen, Flüssen und Gräben; bei Verstößen drohten Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.
Die Sparanordnung der SWM dehnte die Vorgaben auf die mitversorgten Umlandkommunen aus, darunter Garching, Unterföhring und Unterhaching. Vorausgegangen waren wochenlange Sparappelle, die den Verbrauch nur vorübergehend dämpfen konnten – erst die verbindlichen Regeln brachten die Trendwende.
Stadt und SWM beobachten die Entwicklung weiterhin genau, stellten die in ihren weitgehend gleichlautenden Mitteilungen fest. Sollte sich die Lage erneut deutlich verschärfen, werden weitere Maßnahmen geprüft – der erneute Erlass einer Wassersparanordnung ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Wasserstrategie in Arbeit
Da künftig häufiger mit solchen Ausnahmephasen zu rechnen sei, arbeiten die SWM derzeit an einer Strategie, um die Wasserversorgung Münchens auch unter veränderten klimatischen Bedingungen langfristig sicherzustellen. Betrachtet werden Maßnahmen von der nachhaltigen Nutzung bestehender Wasserressourcen über Verbrauchsmanagement und Infrastrukturmaßnahmen bis hin zu wasserrechtlichen Fragestellungen.
Den Auftrag dazu hatte Krause bereits im Zuge der Krise erteilt; begleitet wird der Prozess von der eigens eingerichteten Taskforce aus Fachleuten des Referats für Klimaschutz und Umwelt sowie der SWM.