Wasser

Studie: Auch gereinigtes Abwasser wirkt sich auf Flüsse aus

Eine groß angelegte Untersuchung weist nach, wie stark die Auswirkungen von Spurenstoffen auf Insektengemeinschaften und Wasserfauna sind: Manche Arten profitieren, andere verschwinden.
14.08.2023

Auch das Abwasser aus modernen Kläranlagen verändert das Leben in Gewässern.

 

Die Einleitungen aus Kläranlagen bewirken, dass manche Arten verloren gehen, andere wiederum profitieren. Dezimiert werden vor allem bestimmte Insektenordnungen, wie die Larven von Steinfliegen und Köcherfliegen. Bestimmte Würmer und Krebstiere können in ihrer Anzahl hingegen zunehmen.

Dies weist ein Team der Goethe-Universität um Daniel Enns und Jonas Jourdan in einer im Fachjournal „Water Research“ veröffentlichten groß angelegten Studie nach. Die Wissenschaftler haben insgesamt 170 Kläranlagen in Hessen auf die Artenzusammensetzung von Wirbellosen untersucht.

Spurenstoffe werden oft nicht entfernt

Auch wenn Kläranlagen einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität in den Oberflächengewässern geleistet haben, seien sie meist nur eingeschränkt in der Lage, Spurenstoffe, zu denen Wirkstoffe aus Medikamenten und Körperpflegeprodukten, Pestizide und andere synthetische Substanzen gehören, vollständig aus dem Abwasser zu entfernen, heißt es in einer Zusammenfassung der Studienergebnisse.

So gelangen diese Stoffe in behandeltem Abwasser in die Gewässer und stellen eine zusätzliche Belastung für Flüsse und Bäche dar, die die Wasserfauna und die bereits anfälligen Insektengemeinschaften weiter unter Druck setzt.

Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse

Bisherige Studien, die sich zumeist auf einzelne Kläranlagen konzentrierten, hätten bereits gezeigt, dass die Gemeinschaften der wirbellosen Organismen unterhalb der Einleitungen im Allgemeinen von verschmutzungstoleranten Artgruppen dominiert werden. Bisher war jedoch unklar, wie allgegenwärtig diese Veränderungen sind, heißt es weiter.

Deshalb hat nun ein Team von Biolog:innen der Goethe-Universität Frankfurt umfassend untersucht, wie sich die Abwässer aus Kläranlagen auf die Artenzusammensetzung von Wirbellosen auswirkt. Dabei erfolgte eine Anpassung der herkömmlichen Vorstellung, dass durch den Menschen verursachter Stress die Anzahl der Arten und somit die Vielfalt in Lebensräumen verringert: Die Befunde deuten darauf hin, dass vielmehr ein Artenaustausch beobachtet wird.

Unterschiede oberhalb und unterhalb der Einleitungen

Manche Arten gehen durch Einleitungen aus Kläranlagen durchaus verloren – das betrifft zum Beispiel die Larven von Steinfliegen und Köcherfliegen, sie verschwinden durch die Abwassereinleitungen vielerorts völlig. Andere Artgruppen, etwa bestimmte Würmer und Krebstiere, profitieren hingegen und lassen sich vermehrt nachweisen.

Diese Veränderung ist vor allem in Bächen und kleineren Flüssen zu beobachten. Es konnten deutliche Veränderungen in der Zusammensetzung der Artgemeinschaft zwischen den Standorten flussaufwärts und flussabwärts der Kläranlagen festgestellt werden. Insgesamt verändern Kläranlagen die Bedingungen flussabwärts zugunsten von toleranten und zum Nachteil der empfindlichen Artgruppen.

Reduzierung der Belastungen

Moderne Reinigungstechniken wie Ozonung oder Aktivkohle können die Wasseraufbereitung in Kläranlagen effizienter machen, so dass eine breitere Palette von Schadstoffen, einschließlich zahlreicher Spurenstoffe, aus dem Abwasser entfernt werden kann, bevor es wieder in die Gewässer gelangt, heißt es in der Mitteilung der Goethe-Uni.

Auch die Zusammenlegung kleinerer Kläranlagen könne zu einer Entlastung der Umwelt beitragen. Bei allen Maßnahmen sei wichtig zu beachten, dass stromaufwärts gelegene Abschnitte nicht bereits beeinträchtigt sind und sich in einem guten chemischen und strukturellen Zustand befinden. (hp)