Von Elwine Happ-Frank
Dass die Temperaturen weltweit steigen, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Aber die Klimaerwärmung macht sich in Baden-Württemberg noch ein bisschen stärker bemerkbar: Seit 1881 gab es weltweit eine Erhöhung um 1,1 Grad Celsius, in Deutschland um 1,6 Grad, in Baden-Württemberg sind es aber 1,7 Grad. Obwohl der Jahresniederschlag in dem Zeitraum um sieben Prozent zugenommen hat, stieg die Verdunstung in der Region um zwölf Prozent, was zu einem Netto-Wasserverlust von fünf Prozent führte.
Dennoch steht die Wasserversorgung im Ländle grundsätzlich auf stabilen Füßen. Das ist vor allem den beiden Fernwasserversorgern zu verdanken, der Landeswasserversorgung Stuttgart (LW) und der Bodenseewasser-Wasserversorgung (BWV), wie sie im Vorfeld des "Welttags des Wassers" am 22. März ausführten. LW versorgt drei Millionen Menschen in Baden-Württemberg mit Trinkwasser aus drei Ressourcen: Grundwasser im Donauried, Karstquellwasser bei Heidenheim und Donauwasser bei Leibheim. BWV beliefert weitere vier Millionen Menschen in der Region.
Grundsätzlich sichern die Kommunen zunächst mit lokalen Ressourcen ihre Wasserversorgung. Allerdings gibt es auch Städte, wie zum Beispiel Stuttgart, Esslingen und Ludwigsburg, die in sogenannten Wassermangel-Gebieten liegen, die praktisch komplett von den beiden Fernwasserversorgern beliefert werden.
Düstere Klimaprognosen
Attraktiv für diese Städte ist sicherlich auch, dass die LW- und BWV-Wasserpreise mit derzeit 30 Cent pro Einwohner pro Tag noch relativ gering sind. Das dürfte aber nicht so bleiben. Die beiden Fernwasserversorger rechnen mit einem Anstieg des Wasserpreises auf 50 Cent pro Einwohner pro Tag. Hintergrund sind die sehr düsteren Klimaprognosen. Sie gehen bis 2100 von einer weiteren Temperaturerhöhung von drei bis vier Grad aus, was zu 30 Prozent mehr Trockenphasen führen wird. Einige Meteorologen befürchten sogar einen Anstieg um sechs bis acht Grad, was Sommertemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius auch in Deutschland bedeuten könnte.
Das wird dazu führen, dass die Grundwasser-Neubildung je nach Region stark zurückgeht, auf der Schwäbischen Alb könnten es bis zu 85 Prozent sein, im Schwarzwald und am Bodensee bis zu 25 Prozent. Eine bestimmte Messstelle auf der Schwäbischen Alb, wo LW große Mengen des Trinkwasser gewinnt, zeigt seit dem Jahr 2000 einen fallenden Grundwasserspiegel – mittlerweile um 1,90 Meter. Trotz des niederschlagsreichen Jahres 2024 haben sich die Pegel nicht vollständig erholt.
Ein weiteres Problem: Während die Gletscher weltweit noch intakt sind, sind sie in den Alpen schon weitgehend abgeschmolzen, wie die beiden Fernwasserversorger anlässlich des von den Vereinten Nationen neu eingeführten "Welttag des Gletschers" am 21. März erläuterten. Das bedeutet, dass sie im Sommer nicht zu einem stetigen Zufluss zu den Flüssen beitragen. Das hat bei Starkregen ausgeprägtere Hochwasserwellen bei Donau, Iller und Lech zur Folge. Von dem Thema weniger betroffen ist der Bodensee, der zwar ursprünglich nach der Eiszeit aus einem Gletscher entstanden ist, wobei die Schnee- und Eisschmelze aber nur einen geringen Einfluss auf den Pegelstand hat.
Klimafolgen am Bodensee
Der Bodensee bleibt damit ein stabiler Trinkwasserspeicher. Die Wassermenge von 48 Milliarden Kubikmetern ist so groß, dass selbst die tägliche Entnahme von 670 Millionen Litern nur einen Bruchteil ausmacht – etwa ein Prozent dessen, was durch den Alpenrhein zufließt und nur die Hälfte dessen, was täglich verdunstet.
Allerdings zeigen sich auch hier Klimafolgen: Neben der Einwanderung fremder Arten, wie der Quaggamuschel, die zu großen Problemen bei der Infrastruktur, aber nicht bei der Wasserqualität, führt, betrifft das vor allem die Wasserschichten. Seit 2018 findet keine vollständige Durchmischung mehr statt. Bislang kühlte sich der gesamte See im Winter auf vier Grad Celsius ab. Dadurch hatten das Wasser in der Tiefe und an der Oberfläche die gleiche Temperatur und die Schichten zirkulierten in der kalten Jahreszeit.
Dies ist wichtig für die Sauerstoffversorgung und Nährstoffverteilung. Im flacheren Untersee drohen bereits jetzt sauerstoffarme Zustände, während die Verhältnisse im Obersee noch stabil sind. Durch einen verstärkten Abbau von Algen steigt überdies der Phosphorgehalt an. Ganz erforscht sind die Mechanismen und Auswirkungen dieses fehlenden Austausches noch nicht. Derzeit führt deshalb die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) das Forschungsprojekt "Klimawandel am Bodensee" (KLIMBO) durch.
Zwei Standbeine der Versorgung in den Kommunen
Zur Bewältigung ihrer Aufgaben steht die BWV ohnehin vor riesigen Investitionen. Im 70. Jahr ihres Bestehens haben viele Leitungen das Ende ihrer Lebenszeit erreicht, zum Teil muss die Infrastruktur auch ausgebaut werden. Neben den Herausforderungen der Finanzierung – nötig ist ein Betrag von vier Milliarden Euro über die nächsten zwei bis zweieinhalb Jahrzehnte – sind, wie überall, auch hier die langen Genehmigungszeiten ein Problem.
Grundsätzlich stellen sich BWV und LW auf höhere Belastungen durch den Klimawandel ein und loten alle Optionen für eine resilientere Versorgung aus. Dafür werden unter anderem Pläne für eine Verteilung in kritischen Zeiten entwickelt werden, beispielsweise wenn ein Fernwasserversorger ausfallen würde. Dazu gehört auch, dass zunächst in den Kommunen alle Möglichkeiten für eine Verbesserung der Wassergewinnung ausgeschöpft werden. Wichtig ist auch ein Hochwasserschutz für die Gewinnungsanlagen. Beim Pfingsthochwasser 2024 fielen beispielsweise die Anlagen in Ulm wochenlang wegen Verschmutzung aus.
Grundsätzlich sollten die Kommunen auf zwei Standbeine setzen: eigene Versorgung und überregionale Anbindung. Aber das ist nicht so einfach. Die BWV nimmt beispielsweise keine neuen Mitglieder mehr auf, denn die Kapazitäten sind erschöpft.



