Diskutierten über die Zukunft der Wasserversorgung (v.l.): Daniel Finger (Moderator), Christian Haase (CDU), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Bernhard Daldrup (SPD) und Markus Tressel (Grüne).

Diskutierten über die Zukunft der Wasserversorgung (v.l.): Daniel Finger (Moderator), Christian Haase (CDU), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Bernhard Daldrup (SPD) und Markus Tressel (Grüne).

© ZfK

Der Jahrhundertsommer mit der langanhaltenden Dürre hat die Wasserinfrastruktur in Deutschland partiell an seine Grenzen gebracht. Bis auf wenige kleine lokale Wasserversorger, die Engpässe hatten, konnten die Unternehmen die Anforderungen bedienen. Diesen Stresstest nahmen nun der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) her, um auf die Herausforderungen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte hinzuweisen. Unter dem Titel “Wasserinfrastruktur ­ - wie erhalten wir den Schatz unter der Straße” trafen sich am Mittwoch rund 100 Experten der Wasserbranche unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministeriums (BMU), um das Thema zu erörtern.

Demografischer Wandel, Klimawandel, immer neue gesetzliche Anforderungen und die Digitalisierung stellen die Unternehmen der Wasserbranche vor immer neue Herausforderungen, machte Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des VKU deutlich. Damit nicht genug: Egal ob in der Stadt oder auf dem Land, überall sollten die Bürger gleichwertige Lebensverhältnisse vorfinden.

Spätfolgen durch Einsparungen an falscher Stelle

DVGW-Vorstandsvorsitzender Gerald Linke machte die technische Sichtweise deutlich: “In der Wasserwirtschaft denkt man in Dekaden”, so Linke. Im Schnitt seien die Leitungen 35 Jahre alt, in den Städten meist um die 100 Jahre, manche sind überdimensioniert, manche unterdimensioniert. Genau jetzt, vor all den großen Herausforderungen, müssten Entscheidungen ­ getroffen werden, ­ damit das Leitungsnetz in Zukunft bei weiteren Stresssituationen immer noch verlässlich Wasser liefert.

Allein in den kommenden Jahren werden drei Viertel der kommunalen Wasserversorger noch intensiver als ohnehin schon in ihre Infrastrukturen investieren, hieß es. Einsparungen an falscher Stelle und die sich daraus ergebenden Spätfolgen dürften nicht auf nachfolgenden Generationen verlagert werden, damit auch in Zukunft eine dauerhaft sichere und hygienisch einwandfreie Versorgung mit Trinkwasser gewährleistet ist.

Sauberes Trinkwasser hat seinen Preis

Die Experten machten deutlich, dass die Branche gewillt ist, die Herausforderungen anzunehmen, doch die politisch Verantwortlichen müssten diese Bereitschaft auch mit Förderinstrumenten flankieren. Schließlich sei der Wasserpreis meist ein “politischer Preis”, betonte Karsten Specht, VKU-Vizepräsident Wasser/Abwasser und Sprecher der Geschäftsführung des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV). Meistens legten die politisch Verantwortlichen in den Kommunen den Wasserpreis fest. Dieser sei aber oftmals näher am Wohl der Bürger orientiert als den technischen Notwendigkeiten. Um die notwendigen technischen Verbesserungen vorzunehmen, müsste der Bund seine Unterstützung zeigen. Schließlich kann in Zukunft, ähnlich wie bei der Digitalisierung, eine gute Anbindung von Wasserinfrastruktur entscheidend für weitere Ansiedlung sein.

Bei der Diskussion der Bundestagspolitker ging es vor allem um den Wasserpreis. „Die Wasserversorgung muss die realen Kosten abbilden“, erklärte der kommunalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Bernhard Daldrup. Um die Kosten zu minimieren sei auch wichtig, das Verursacher-Prinzip mehr anzuwenden. In Deutschland werde noch zu sehr nach dem End-of-the-pipe-Prinzip gehandelt. Jetzt sei der Zeitpunkt, diese generelle Frage zu klären.

Verursacher in die Pflicht nehmen

Ähnlich argumentierte auch Christian Haase, kommunalpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. So könnten beispielsweise bei der Spurenstoff-Problematik auch Pharmakonzerne herangezogen werden. Haase sieht bei der Finanzierung der Infrastrukturen in erster Linie Kommunen in der Pflicht.

Markus Tressel, Sprecher für Ländliche Räume und Regionalpolitik bei Bündnis 90/Die Grünen, verwies auf die zum Teil schlechte finanzielle Ausstattung der Kommunen. So sollten jetzt beispielsweise Instrumente geschaffen werden, um Kommunen zu entlasten. Als Beispiel nannte er einen Altschuldenfonds. Tressel regte an, die Bürger stärker für die Infrastruktur unter der Erde zu sensibilisieren. Hier sei gerade die Politik vor Ort gefordert. Weil in Zukunft sehr viel Geld in die Infrastruktur gesteckt werden muss.

Politik sagt Unterstützung zu

„Wasser muss etwas kosten“, befand auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann, kommunalpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. Sie schlug vor, ländliche Räume attraktiver zu machen, damit es nicht mehr zu einer großen Landflucht komme. Je größer die Landflucht, desto höher die Kosten für die Volkswirtschaft bei der Infrastrukturanpassung.

Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, sagte der Branche Entgegenkommen zu. Schon bald soll es unter Führung des BMU zu einem Dialogprozess der Wasserwirtschaft mit allen Stakeholdern kommen. Damit der Weg in die Zukunft der Wasserwirtschaft in einem großen Gesamtbild erarbeitet wird. (al)

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