Mit dem Projekt „Zukunftsquelle. Wasser für Generationen“ will die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) die Trinkwasserversorgung von rund 4 Mio. Menschen in Baden-Württemberg für die nächsten Jahrzehnte sichern. Seit der Vorstellung im November 2019 hat sich das Vorhaben konkretisiert: Die ersten Planungsleistungen wurden europaweit ausgeschrieben, viele Abstimmungen mit Behörden und Anliegern sind erfolgt und die erforderlichen Voruntersuchungen auf den Weg gebracht.
Allerdings will der 1954 gegründete Verband die Zahl seiner derzeit 183 Mitglieder nicht erhöhen. Derzeit würde gern ein knappes Dutzende Kommunen neu aufgenommen werden, rund 20 der eigenen Mitglieder hat Anfragen für eine Erhöhung der Beteiligungsquote gestellt.
Drei Herausforderungen
Um die steigenden Anforderungen im Versorgungsgebiet zu bewältigen, wird BWV in den nächsten Jahren im Rahmen des Projekts „Zukunftsquelle“ nach den derzeitigen Planungen etwa 360 Mio. Euro investieren. Dabei geht der Verband drei Punkte an:
- Seit 2016 breitet sich die Quagga-Muschel massiv im Bodensee aus. Für die Trinkwasserqualität ist die Muschel zwar kein Problem, allerdings setzt sie sich an Leitungen und Filteranlagen fest, die deshalb aufwendig gereinigt werden müssen. Eine Aufbereitung mit der hochmodernen Ultrafiltrationstechnologie soll künftig auch kleinste Rückstände und somit auch die Larven der Quagga-Muschel sicher aus dem Wasser entfernen.
- Einige der Anlagen nähern sich nach über 60 Betriebsjahren trotz sorgfältiger Wartung ihrer Altersgrenze und müssen in den nächsten Jahren ersetzt oder erneuert werden. Dazu gehören beispielsweise Wasserspeicher und elektrischen Anlagen.
- Eine wichtige Maßnahme im Rahmen des Projekts ist der Bau neuer Entnahme- und Aufbereitungsanlagen am Bodensee. Hier soll das Wasser künftig in drei See-Wasserwerken mit voneinander unabhängigen Entnahmeleitungen gewonnen werden. Zwei Wasserwerke sollen am bestehenden Standort in Sipplingen Süßenmühle gebaut werden, eine dritte Anlage soll aus Sicherheitsgründen an einem neuen Standort zwischen Ludwigshafen und Sipplingen errichtet werden. Von diesem Standort ist eine neue Druckleitung zum Wasserwerk auf dem Sipplinger Berg erforderlich.
„Diese Investition ist unabdingbar, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, die sich durch Veränderungen in der Wasserqualität, der verfügbaren Menge und der steigenden Nachfrage äußern“, sagt Michael Stäbler, kaufmännischer Geschäftsführer der BWV. „Auch bei Störungen oder Ausfällen müssen wir die Trinkwasserversorgung für vier Millionen Bürger in Baden-Württemberg gewährleisten.“
„Ein Projekt dieser Größenordnung ist alles andere als alltäglich“, erläutert Christoph Jeromin, technischer Geschäftsführer der Bodensee-Wasserversorgung. „Darum werden wir uns die nächsten Jahre mit der weiteren Planung und Genehmigung intensiv befassen, um das Projekt voranzutreiben.“ Der Vorsitzende des Zweckverbands, Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger, sagt: „Wir sind uns bewusst, dass wir in einem sensiblen und geschützten Gebiet planen. Entsprechend gelten strenge Vorschriften und es erfolgt eine intensive Abstimmung mit Behörden und Naturschutzverbänden.“
Steigende Wasserpreise
Die Investitionen werden dazu führen, dass der Trinkwasserpreis steigt. Heute berechnet die BWV ihren Mitgliedern etwa 2,20 Euro pro Kubikmeter. In Zukunft könnte die Umlage auf Basis der bisherigen Kalkulationen um 25 bis 30 Cent je Kubikmeter steigen. Allerdings wird der volle Anstieg erst schrittweise bis Mitte des kommenden Jahrzehnts erreicht. (hp)



