Der Wasserverband Kinzig (WVK) geht bei der Trinkwasserversorgung neue Wege, um in Zeiten fortschreitenden Klimawandels die Versorgung der Region Main-Kinzig und der Metropolregion Rhein-Main mit Trinkwasser zu garantieren. Die Zukunft der Trinkwasserförderung soll ein Hybridmodell aus Grund- und Oberflächenwasser sein.
Oberflächenwasser ist in der Region in großer Menge vorhanden. Der Klimawandel mache es nötig, auch diese Ressource zu nutzen, teilt der Main-Kinzig-Kreis (MKK) mit. Dass dies keine weit entfernte Zukunftsmusik ist, davon hat sich nun Landrat Thorsten Stolz bei einem Besuch einer Pilotanlage in Bad Soden-Salmünster überzeugt.
Wasser aus der Kinzig
Dort testet der Wasserverband Kinzig die Trinkwassergewinnung aus dem fließenden Wasser der Kinzig. Die Kosten für die Pilotanlage belaufen sich auf ca. 500.000 Euro, rund die Hälfte stammt aus Fördermitteln des Landes Hessen.
Stolz begrüßte laut Meldung den erfolgreichen Abschluss des Probebetriebs in Bad Soden-Salmünster und sprach von einem bahnbrechenden und zukunftsweisenden Projekt mit Vorbildcharakter für andere Regionen in Deutschland. Damit „sichert der Wasserverband Kinzig die Trinkwasserversorgung für seine Mitglieder auf lange Sicht mit dem positiven Effekt, dass sich die Grundwasserspiegel in der Region erholen können“, erklärt der Landrat.
Zusammenarbeit von vielen Experten
Möglich wird dies durch die Zusammenarbeit renommierter Wasserexperten. Beteiligt sind Baurconsult, BCE Björnsen, Inge Wasseraufbereitungstechnik (BASF/Du Pont), IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser sowie das Umweltbüro Schotten. Ökologe Wack vom Umweltbüro Schotten und Anil Gaba vom IWW erläuterten das Verfahren im Detail.
Das Wasser wird aus der fließenden Welle der Kinzig in die Testanlage gepumpt, dabei hält ein Gitter den gröbsten Schmutz zurück. Dann strömt das Wasser durch einen Vorfilter und wird mit einer In-Line-Flockung behandelt. Danach folgt eine Ultrafiltration, welche partikuläre Stoffe, Viren und Keime entfernt, mit Ozon werden Spurenstoffe durch Oxidation eliminiert, biologisch gereinigt und eine Adsorptionsfiltration mit granulierter Aktivkohle sorgt als letzte Reinigungsstufe für absolute Sicherheit. Selbst Reste von Medikamenten bleiben im Verfahren unter der Nachweisgrenze.
Senkung des Wasserpreises
„Das Ergebnis ist reinstes Trinkwasser von höchster Güte“, teilt der WVK mit. WVK-Geschäftsführer Holger Scheffler ist überzeugt, dass das Projekt Zukunft hat: „Wir haben gewusst, dass es funktioniert. Aber wir haben gestaunt, dass das Wasser der Kinzig eine solche Qualität hat.“
Ziel sei es, mit einer entsprechend dimensionierten Anlage den Kinzigstausee zu einem riesigen Trinkwasserspeicher zu machen. Der WVK will dort mit einer Wassergewinnungsanlage ca. 5,5 Mio. Kubikmeter Trinkwasser gewinnen. Die Hybridlösung aus Oberflächenwasser und Grundwasser schone zugleich die wertvolle Ressource Grundwasser und erlaube eine Mengenerhöhung bei gleichzeitig angestrebter Senkung des Wasserpreises.
Härtetest für das Verfahren
Die Laufzeit des Probebetriebs enthielt Extremereignisse wie ein hundertjähriges Hochwasser, eine vierteljährige Dürre und eine Niedrigwasserperiode und liefert somit über ein ganzes Jahr hinweg ausreichend belastbare Daten, um nun die Umsetzung des Projekts zur klimafesten Wassergewinnung an der Kinzigtalsperre voranzutreiben, damit das neue Wasserwerk 2025 den Betrieb aufnehmen kann.
Vom Pilotprojekt zur Großanlage
Was im Kleinen funktioniert, soll bald in einer großen Anlage Wasser liefern. „Das ist High End der Trinkwasseraufbereitung“, ist Gaba sicher. Und Wack sieht den WVK im internationalen Vergleich „um Lichtjahre voraus“. (hp)


