Die fünf Gletscher in Deutschland – im Bild die Zugspitze – werden bald Geschichte sein

Die fünf Gletscher in Deutschland – im Bild die Zugspitze – werden bald Geschichte sein

Bild: © Marina/AdobeStock

Deutschlands Gletscher sind nicht mehr zu retten: Schon in zehn Jahren könnte auch das letzte «ewige» Eis geschmolzen sein. «Die Tage unserer bayerischen Gletscher sind gezählt, und das früher als gedacht», sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) bei der Vorstellung des zweiten Bayerischen Gletscherberichts am Donnerstag in München. Bislang waren Experten davon ausgegangen, dass sich das Sterben der derzeit noch fünf verbliebenen Gletscher bis 2050 hinziehen könnte.

Sie liegen allesamt in Bayern. Es handelt sich um den nördlichen und den südlichen Schneeferner sowie den Höllentalferner auf dem Zugspitzmassiv sowie um das Blaueis und den Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen. «Seit 1850, dem Ende der kleinen Eiszeit, haben wir ungefähr 88 Prozent der Fläche der Gletscher verloren und weit über 90 Prozent des Volumens», erläuterte Glaziologe Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die Eisfläche sei von mehr als vier Quadratkilometern auf nun weniger als einen halben Quadratkilometer geschrumpft.

Aufgaben im Wasserhaushalt

Das Schmelzen der Gletscher hat überall in den Alpen weit reichende Folgen, etwa für die Trinkwasserversorgung. Gletscher übernehmen wichtige Aufgaben im Wasserhaushalt, indem sie Gebirgsbäche und Flüsse auch während längerer Trockenperioden im Sommer mit Schmelzwasser versorgen. Im Gegensatz zur Schneedecke, die sich innerhalb eines Jahres auf- und wieder abbaut, sind Gletscher im Wasserhaushalt wahre Langzeitspeicher. Das Gletschereis dient dabei als Wasservorrat, der durch Niederschlag in Form von Schnee aufgefüllt wird, während die Eisschmelze im Sommer den Vorrat abbaut.

Üblicherweise liefern die Gletscher dann besonders viel Schmelzwasser, wenn die Schneeschmelze zu Ende ist und es wenig regnet – zum Beispiel während trockener Schönwetterlagen im Sommer. Damit tragen sie auch dazu bei, dass Flüsse einen ausgeglicheneren Wasserpegel haben, was etwa für den Betrieb von Flusskraftwerken oder die Entnahme von Kühlwasser von Vorteil ist.

Kein Ersatz für Eisschmelze

Je nach Gletscher ist es sehr unterschiedlich, wie viel Schmelzwasser abfließt: An der momentan nur noch 15 Hektar großen Oberfläche des Nördlichen Schneeferners können an einem heißen Julitag bis zu zehn Zentimeter Eis abschmelzen – das entspricht einer Wassermenge von beinahe 14 Mio. Litern.

Wasserknappheit wegen schwindender Gletscher muss man vor allem innerhalb der Alpen befürchten. Dort wird sich die ausbleibende Gletscherschmelze in den hochgelegenen Einzugsgebieten nahe der Gletscher bemerkbar machen: Hier gibt es in heißen und trockenen Sommern keinen Ersatz für das Gletscherwasser, das bis zu 80 Prozent der Gesamtwassermenge ausmacht.

"Wasserschloss Alpen"

Im Gegensatz zur Eisschmelze spielt die Schneeschmelze eine wichtige Rolle für die Flüsse im Alpenvorland, deren Quellen in den Alpen liegen. Diese Flüsse, darunter etwa Iller, Lech, Isar und Inn, führen zeitweise über 30 Prozent Schneeschmelzwasser und insgesamt höhere Wassermengen als Flüsse ohne Anschluss an das Gebirge. So hat z. B. die Isar in München eine deutlich höhere Wasserführung als die benachbarte Amper am Pegel Inkofen, wo ein vergleichbar großes Einzugsgebiet entwässert wird, das aber vollständig im Alpenvorland liegt.

Hier zeigt sich die Wirkung des „Wasserschlosses Alpen“ als Wasserlieferant für das Umland: Der vergleichsweise hohe Niederschlag in den Alpen kommt auch der Wasserversorgung in den angrenzenden Regionen zugute. (hp mit Material von dpa)

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