Von Elwine Happ-Frank
Die Stadtwerke Porta Westfalica haben sich bereits 2021 für die Umstellung auf digitale Ultraschallzähler entschieden, obwohl auch jetzt noch keine gesetzliche Pflicht besteht. Die Entscheidung für den Umstieg fiel vor dem Hintergrund möglicher zukünftiger gesetzlicher Vorgaben.
"Es war zu dem Zeitpunkt im Gespräch, dass es bis 2028 eine Pflicht zum Einbau digitaler Zähler für Wasser geben sollte", berichten Bernd Biskup, Leiter Technik, und Annika Kreimeier, Leiterin Vertrieb, über ihre Erfahrungen bei der Implementierung dieser Zukunftstechnologie. "Darauf wollten wir uns frühzeitig vorbereiten."
Mit einer Umrüstungsquote von 62 Prozent liegen die Stadtwerke Porta Westfalica, die etwa 10.000 Haushalte mit rund 35.000 Einwohnern versorgen, im Branchenvergleich weit vorne. "Wir sind bei den kleineren Werken mit am weitesten", schätzt Kreimeier die eigene Position ein. Größere Stadtwerke wie zum Beispiel Nürnberg arbeiten ebenfalls schon intensiv an der Umsetzung.
Anbieterauswahl noch limitiert
Bei der Auswahl des Systems entschied man sich für den Marktführer. "Es gibt bis jetzt noch nicht viele Firmen, die sich mit der Technologie auseinandergesetzt haben", erklärt Biskup das überschaubare Angebot.
Trotz anfänglicher Kinderkrankheiten ist man mit der Entscheidung für den Ultraschall-Wasserzähler Qalcosonic, der von Ernst Heitland vertrieben wird, zufrieden. Zunächst waren allerdings Probleme mit sich relativ rasch leerenden Batterien entstanden.
Eine gründliche Fehleranalyse ergab, dass zu häufig zu viele Daten von den Haushalten an das Stadtwerk übertragen wurden. Das war zunächst nicht aufgefallen, weil sich der Versorger in der Anfangsphase nicht alle Werte auf seinen Monitoren anzeigen ließ.
Schutz vor unbefugter Wasserentnahme
Seit der Reduzierung auf die wesentlichste Angabe, die Übermittlung des Zählerstandes dreimal täglich, funktionieren die Batterien nach Herstellerangaben. Für die Zukunft sieht Biskup aber weiteres Potenzial: "Perspektivisch würde ich gerne auch Informationen zur Temperatur und zum Druck auslesen, an den Randbezirken zum Beispiel." Dies würde ein verbessertes Druckmanagement im Netz ermöglichen und die Einhaltung von Temperaturtoleranzwerten verbessern.
Ein weiterer Nutzen sowohl für den Versorger als auch für die Kunden entsteht durch die Möglichkeit, ungewöhnliche Verbrauchsmuster zu erkennen. "Es gibt oft Rohrbrüche, die unentdeckt sind, so dass der Kunde sie gar nicht auf dem Schirm hat", schildert Kreimeier.
In einem Fall konnte ein sehr hoher Verbrauch während der Urlaubsabwesenheit eines Kunden festgestellt werden. Offensichtlich hatte ein Nachbar den nicht abgesperrten Gartenhahn zur Füllung seines Pools genutzt.
Die höheren Anschaffungskosten für digitale Zähler relativieren sich laut Kreimeier durch eine längere Nutzungsdauer und eingesparte Prozesskosten. Während mechanische Zähler nach sechs Jahren ausgetauscht werden müssen, können die digitalen Ultraschallzähler bis zu zwölf Jahre im Einsatz bleiben.
Weiterer Ausbau des LoRaWAN-Netzes
Für die Datenübertragung nutzen die Stadtwerke das LoRaWAN-Protokoll. Die Herausforderungen dabei liegen in der besonderen Topografie des Versorgungsgebiets mit seinen Hügeln und der weitläufigen Fläche bei vergleichsweise geringer Bevölkerungsdichte.
Bisher deckt das Empfangsnetz etwa 35 Prozent des Gebiets ab, weitere Gateways sind geplant. Für die Zukunft zeigt man sich offen, das LoRaWAN-Netz auch für andere Smart-City-Anwendungen zu nutzen, etwa für die Straßenbeleuchtung. "Wenn das Netz schon einmal da ist, könnte man ja auch noch andere Dinge einbinden", betont die Vertreibsleiterin die Kooperationsbereitschaft mit der Kommune.
Hohe Akzeptanz bei den Kunden
Das Stadtwerk organisiert den Zähleraustausch selbst und setzt nicht auf einen Dienstleister. Die Akzeptanz der digitalen Zähler sei hoch, versichert Kreimeier. Über Beiblätter zu Rechnungen, spezielle Flyer und geschulte Monteure werden die Anwender informiert. Dabei profitiert man von einem vertrauensvollen Verhältnis zu den Kunden. Widerstände gegen den Einbau zum Beispiel aus Datenschutzgründen seien bisher nicht bekannt.
Die offene Kommunikation, auch bei Problemen, sehen die Verantwortlichen als wichtigen Wettbewerbsvorteil: "Wir müssen ja als vergleichsweise kleines Stadtwerk schauen, wie wir uns im Wettbewerb mit größeren Unternehmen positionieren. Über den Preis ist das oft nicht möglich. Das heißt, wir müssen andere Mehrwerte schaffen. Und das ist zum Beispiel der offene Austausch“, sagt Kreimeier.



