Hessen hat eine Spurenstoffstrategie auf den Weg gebracht. „Hessen leistet hier bundesweite Pionierarbeit“, betonte Umweltministerin Priska Hinz. Schließlich habe Hessen als erstes Bundesland die Ergebnisse der Spurenstoffstrategie des Bundes auf die regionale Ebene heruntergebrochen und in konkrete Maßnahmen umgesetzt. Im Fokus ist vor allem das Hessische Ried. Dieser Landstrich ist die Haupttrinkwasserquelle des Ballungsraums Frankfurt am Main. „Deswegen ist es richtig, dass die Spurenstoffstrategie hier ansetzt. Aus den Erfahrungen vor Ort werden wir für ganz Hessen profitieren können“, sagte Ministerin Hinz.
Die Spurenstoffstrategie besteht insbesondere aus sechs Kernmaßnahmen. Von großer Bedeutung seien vor allem Maßnahmen, die Spurenstoffe an der Quelle verringern. Die Einleitung von Spurenstoffen durch gewerbliche Direkt- und Indirekteinleiter soll reduziert werden. Dabei wird zum einen auf Information und Aufklärung von Gewerbetreibenden gesetzt zum anderen auf entsprechende Erlaubnis- beziehungsweise Genehmigungserteilung.
Undichte Abwasserkanäle sanieren
Zudem sollen undichte Abwasserkanäle saniert werden, damit Grundwasserbelastungen im städtischen Raum vermieden werden. Außerdem wird das Land bei der öffentlichen Beschaffung verstärkt auf die Verwendung umweltfreundlicher Materialien und Mittel achten. Damit sind beispielsweise Pflanzenschutzmittel und Putzmittel gemeint.
Auch die Landwirtschaft soll mithelfen. So hat das Landwirtschaftsministerium 2017 eine Vereinbarung mit Landwirten Tierärzten getroffen, um den Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen auf das therapeutisch notwendige Minimum zu reduzieren. Auch mit der Änderung des Wassergesetzes hat die Landesregierung dafür gesorgt, dass weniger Schadstoffe in Flüsse und Bäche gelangen, indem der Einsatz von Gülle und Pflanzenschutzmitteln im Gewässerrandstreifen verboten wurde.
Die Vierte Reinigungsstufe für ausgewählte Kläranlagen
Ein weiterer Bestandteil der Spurenstoffstrategie ist der Ausbau ausgewählter kommunaler Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination. Sie übergab dem Bürgermeister der Gemeinde Büttelborn, Andreas Rotzinger, einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 2,86 Mio. Euro. Mit diesem Geld wird in den kommenden drei Jahren der Bau einer vierten Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination auf der Kläranlage Büttelborn anteilig finanziert. Hier soll zukünftig mittels Aktivkohle und Ozon die Spurenstoffelimination erfolgen.
Die Hessische Landesregierung will zukünftig den Bau weiterer ausgewählter Anlagen zur Spurenstoffelimination auf Kläranlagen im Hessischen Ried unterstützen. "Mit der Umsetzung der Spurenstoffstrategie sollen die Kläranlage des Abwasserverbandes Langen/Egelsbach/Erzhausen, die Zentralkläranlage Darmstadt, die Kläranlage der Stadt Mörfelden-Walldorf und die Kläranlage der Stadt Weiterstadt prioritär gefördert werden,“ teilte Ministerin Hinz mit.
VKU fordert eine Fokussierung auf das Verursacher-Prinzip
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt ausdrücklich die Aktivitäten der Landesregierung, Spurenstoffeinträge in hessische Gewässer zu reduzieren, erklärte der Vorsitzenden der VKU-Landesgruppe Hessen, Ralf Schodlok. Er machte aber gleich deutlich: „Nur wenn alle relevanten Akteure und Verursacher der Einträge miteinbezogen werden, kann man die Spurenstoffproblematik in Hessen lösen. Wir schlagen daher eine hessenweite Dialogplattform zu Spurenstoffen vor.“ Diese sollte vom hessischen Umweltministerium geleitet werden unter Beteiligung der kommunalen Wasser- und Abwasserwirtschaft und wesentlicher Verursacher einschließlich der Landwirtschaft.“
„Wir müssen das Augenmerk auf das „Vorher“ und damit das Verursachen von Verunreinigungen der Ressourcen lenken statt uns mit der für den Wasserkunden teureren Reinigung „Hinterher“ zu begnügen“, verdeutlichte Schodlok. Der von einigen Akteuren geforderte flächendeckende Bau einer Vierten Reinigungsstufe in Hessen stelle keine Lösung dar. Kosten und Nutzen der Maßnahme stehen in einem deutlichen Missverhältnis zueinander. Der Bau einer vierten Reinigungsstufe kann daher nur im Einzelfall sein. (al)


