Im Rahmen der Spurenstoffstrategie Hessisches Ried plant der Chemie- und Pharmakonzern Merck am Standort Darmstadt die Erweiterung seiner zentralen Abwasser-Behandlungsanlage durch eine sogenannte vierte Reinigungsstufe. Mit der Genehmigung sei noch im ersten Halbjahr 2021 zu rechnen, teilt das Regierungspräsidium Darmstadt mit.
Aus der Anlage werden bis zu 10.000 Kubikmeter Abwasser pro Tag in den Darmbach, ein Gewässer in der Hessischen Rheinebene, eingeleitet. Bislang gibt es dort – wie in den meisten deutschen Klärwerken – drei Reinigungsstufen: eine mechanische, eine biologische und eine chemische. Im November hat Merck die Errichtung und den Betrieb einer weiteren Behandlungsstufe beantragt. Sie wird mit einer Aktivkohleeinheit mit vorgeschalteter optionaler Tuchfiltration ausgestattet. Ziel ist eine deutlich höhere Reduktion der organischen Fracht durch die Abwasserbehandlung und somit eine Verbesserung der Gewässerqualität in Darmbach und Landgraben.
Nachrüstung bei kommunalen Kläranlagen
Die Spurenstoffstrategie Hessisches Ried wurde auf Grundlage eines Untersuchungsberichts des Hessisches Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie von 2016 durch das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz entwickelt und 2018 veröffentlicht. Ihr Ziel ist die Reduzierung von Spurenstoffen. Eine der Maßnahmen ist die Errichtung der vierten Reinigungsstufe bei ausgewählten kommunalen Kläranlagen, die vom Land Hessen finanziell unterstützt werden.
Merck ist nun das erste Industrieunternehmen, das im Hessischen Ried eine vierte Reinigungsstufe errichten möchte. Das Ried hat einen besonderen Stellenwert durch seine Rolle in der Wasserversorgung im Rhein-Main-Gebiet und seiner hohen Besiedlungsdichte. Da ein Austausch zwischen den Oberflächengewässern und dem Grundwasser im Hessischen Ried stattfindet, können über das Abwasser von kommunalen sowie industriellen Einleitungen auch Spurenstoffe in Form von Arzneimittelrückständen, Haushalts- und Industriechemikalien, Pflanzenschutzmittel und Biozide, die durch den Boden nur zum Teil zurückgehalten werden, in das Grundwasser eindringen. (hp)



