Die Trinkwasserversorgung für die nächsten Generationen sicherzustellen, darin sieht Bernd Petermann, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO), eine große Herausforderung für die Zukunft. Dabei sieht er mehrere Hebel für entsprechende Weichenstellungen.
Das Rhein-Main-Gebiet ist eine wachsende Region. Allein in Offenbach ist aufgrund von Zuzug und einer Zunahme von Gewerbeansiedlungen, aber auch wegen des Klimawandels mit einem Mehrverbrauch von 15 bis 20 Prozent zu rechnen. Konkret ist der Durchschnitts-Jahresverbrauch, der in 2016 bei 18,2 Mill. Kubikmeter lag, mittlerweile auf bis zu 20 Mill. Kubikmeter angewachsen.
Schnellere Genehmigungsverfahren
Das führt dazu dass die Wasserrechte vielerorts zu fast 100 Prozent ausgelastet sind, sagte Petermann auf der Veranstaltung „Wert des Wassers“ der Landesgruppe Hessen des VKU. In diesem Zusammenhang forderte er, dass der gesetzlich festgelegte Vorrang der öffentlich-rechtlichen Trinkwasserversorgung in den Kommunen nicht zugunsten von privatwirtschaftlichen Anfragen aus der Industrie aufgeweicht wird.
Um die Versorgungssituation zu verbessern, dürften die Verfahren zur Vergabe von Wasserrechten nicht, wie vielfach üblich, zehn Jahre dauern. Außerdem müsste die Vorschrift überarbeitet werden, dass Wasserrechte weitgehend ausgenutzt werden müssen, sonst könnten sie wieder eingezogen werden. Das sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Petermann.
Es muss nicht immer Trinkwasser sein
Auch die technischen Versorgungssysteme kämen angesichts des steigenden Verbrauchs an ihre Grenzen. Die Versorger benötigen mehr Fördermöglichkeiten für Investitionen in die Wassernetze, zum Beispiel in den Behälterbau für Speicherkapazitäten zur Absicherung von Spitzenlasten. Der ZWO-Geschäftsführer setzte sich außerdem für eine intelligente Nutzung des Wassers ein. Insbesondere bei Gewerbebetrieben müsse öfter die Frage gestellt werden, ob Wasser in Trinkwasserqualität notwendig sei oder ob auch Brauchwasser eingesetzt werden könne.
Einen besonderen Umsetzungsbedarf – und auch besonders viele Chancen – sieht der Vorstand der VKU-Landesgruppe Hessen im Konzept der Schwammstädte. Es müsse gelingen, Investoren davon zu überzeugen, in Neubaugebieten „wassergerecht“ bauen. Das bedeute, dass Flächen nicht komplett überbaut oder versiegelt werden, sondern dass Regenwasser versickern könne. Außerdem müsse es für Nutzungen wie die Bewässerung von Stadtgrün gesammelt werden. Dafür brauche es eine „gemeinsame Denke“ in den Kommunalverwaltungen, damit Investoren das Konzept annehmen und kein Standortwettbewerb entsteht. (hp)



