Den Titel Mineralwasser dürfen nur Wässer tragen, die aus sehr tiefen und geschützten Quellen stammen und nur sehr wenig behandelt werden. Leitungswasser dagegen besteht vor allem aus oberflächennäherem Grundwasser – aber auch aus dem Wasser von Flüssen und Talsperren etwa. Unbehandelt wäre es nicht immer trinkbar. Deswegen bereiten Wasserwerke es auf, bevor es zu Hause aus dem Hahn fließt.
Vor Umwelteinflüssen ist Mineralwasser deswegen zunächst einmal besser geschützt, weil die Quellen sehr tief liegen. Grund- und vor allem Oberflächenwasser hingegen ist häufig belastet – menschengemacht. Die Hauptprobleme: Nitrat, Pestizide, Medikamentenrückstände und Chemikalien. Aber: Auch diese Stoffe sind nicht nur ein Problem für Leitungswasser. Auch tiefe Mineralbrunnen sind nicht komplett unberührt. Dort weisen Prüfer ebenfalls Stoffe nach, die auf Einträge aus Umweltverschmutzung zurückgehen, wie auch Mineralwasser-Tests von Öko-Test zeigen. Fazit: Beide Produkte sind streng kontrolliert und in den allermeisten Fällen sauber. Dass Mineralwasser prinzipiell sauberer ist als Leitungswasser, lässt sich allein deswegen nicht behaupten, weil die Trinkwasserverordnung in Teilen sogar strenger ist als die Mineralwasserverordnung.
Mineralien
In Trinkwasser finden sich vor allem das besonders für unsere Knochen wichtige Kalzium sowie Magnesium, das am Energiestoffwechsel, der Muskel- und Nervenfunktion beteiligt ist. Aber auch andere nützliche Mineralstoffe können darin enthalten sein, darunter Natrium, Kalium oder Sulfat.
Studien haben aber ergeben, dass Leitungswasser keinen relevanten Beitrag zur Mineralstoffversorgung leistet. Bei Mineralwasser gibt es Produkte, die mehr oder weniger mineralisiert sind. "Mit hohem Gehalt an Mineralien" darf auf der Flasche stehen, wenn der Mineralstoffgehalt mehr als 1.500 mg/l beträgt. Fazit: Knapper Vorteil für das Mineralwasser – falls man zur entsprechenden Sorte greift.
Preis
Leitungswasser ist auf jeden Fall günstiger. Das Umweltbundesamt geht landesweit im Schnitt von 0,2 Cent pro Liter aus. Beim Mineralwasser gibt es die günstigsten Varianten im Discounter oder Supermarkt für 13 Cent pro Liter. Fazit: Wenn man Leitungswasser trinkt, schont man seinen Geldbeutel.
Klimaschutz
Die Treibhausgasemissionen, die durch einen Liter Leitungswasser entstehen, betragen weniger als zehn Prozent der Menge, die für eine Ein-Liter-PET-Mehrwegflasche freigesetzt wird. Insgesamt bringen die Aufbereitung, Speicherung und Verteilung von Leitungswasser trotzdem viel weniger Klima- und Umweltbelastungen mit sich als Verpackung, Abfüllung und vor allem der Transport beim Mineralwasser. Fazit: Leitungswasser ist deutlich weniger schädlich für das Klima.
Umweltbelastung
Auch wenn umweltfreundliche Mehrwegsysteme genutzt werden: Glas- oder auch PET-Flaschen werden meist 100 bis 200 Kilometer transportiert, bevor sie im Handel landen. Fazit: Wer nicht auf Mineralwasser verzichten möchte, hilft der Umwelt, indem er ein regionales Produkt im Mehrwegsystem kauft. Der Punkt geht aber zweifelsfrei ans Trinkwasser.
„Der einfachste und beste Durstlöscher ist immer noch das Trinkwasser direkt aus der Leitung", sagte ein Sprecher des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). "Keine Transportwege, kein umständliches Tragen, keine leeren Flaschen, vermeidet unnötigen Plastikmüll und ein unschlagbar attraktiver Preis von durchschnittlich rund 0,2 Cent pro Liter. Dass wir das Wasser aus der Leitung bedenkenlos ein Leben lang trinken können, ist ein Verdienst der rund 6000 Wasserversorger in Deutschland. Sie liefern nicht nur verlässlich unser Trinkwasser, sondern achten auch sehr genau darauf, dass die strengen qualitativen Vorgaben (der Trinkwasserverordnung) eingehalten werden.“
VDM sieht sich verunglimpft
Erst vor wenigen Tagen hatte sich der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) laut dpa gegen einen Angriff der Bundesregierung auf das Naturprodukt Mineralwasser gewendet. Als Reaktion auf einen am vergangenen Freitag vom Bundespresseamt auf der offiziellen Facebook-Seite der Bundesregierung veröffentlichten Post mit angeblich einseitig negativen Aussagen zum Naturprodukt Mineralwasser hat der VDM seinen Unmut in einem an Kanzleramtsminister Helge Braun sowie gleichlautend an vier weitere Bundesministerinnen und Bundesminister gerichteten Schreiben geäußert.
"Es ist nicht Aufgabe des Bundespresseamtes, mit einseitiger Werbung für Leitungswasser in den Markt einzugreifen und hierzu in geradezu aktivistischer Manier eine öffentliche Debatte zu führen. Gegen solche staatlichen Eingriffe und eine Bevormundung des Verbrauchers sprechen wir uns jedenfalls entschieden aus und sehen uns gezwungen, unsere Kritik auch öffentlich zu machen", erklärte der VDM-Vorsitzende Dr. Karl Tack. (hp)
Den ausführlichen Öko-Test-Bericht lesen Sie hier.


