„Der Klimawandel führt uns sehr deutlich vor Augen, dass wir mit unseren Ressourcen schonend umgehen müssen. Das betrifft insbesondere auch unser Trinkwasser“, sagt Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies. „Wir wollen unsere Bürger daher dezentral mit Wasser aus eigenen Quellen versorgen. So können wir vor Ort sicherstellen, dass wir nur so viel Wasser entnehmen, wie sich natürlich wieder nachbildet.“ Das wollen die vier Kommunen Marburg, Ebsdorfergrund, Amöneburg und Kirchhain gemeinsam angehen. Denn: „Wir werden uns nicht gegenseitig das Wasser abgraben.“
Alle vier Kommunen gehören dem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke an. Mit der Erschließung neuer, dezentraler Quellen als ergänzende Wasserlieferanten sollen die Wasservorkommen im Zweckverband geschont werden. „Mit der dezentralen Gewinnung von Trinkwasser folgen wir der Hessischen Wasserstrategie“, ergänzt Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann.
Vorteile einer dezentralen Wasserstrategie
„Eine verstärkte dezentrale Wassergewinnung stellt unsere Kommunen aber auch vor eine große Herausforderung, die sich gemeinsam besser anpacken lässt“, stellt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz fest. „Deswegen wollen wir die Grundwasservorkommen im Amöneburger Becken, an dem unsere vier Kommunen aufeinandertreffen, auch gemeinsam untersuchen“, erläutert Amöneburgs Bürgermeister Michael Plettenberg.
Konkret heißt das: Jetzt geht es zunächst los mit Erkundungsbohrungen im Bereich „Heiliger Born“ bei Schröck. Dafür haben die Stadtwerke Marburg die Genehmigung vom Regierungspräsidium Gießen erhalten. Bereits vorliegende hydrogeologische Gutachten weisen auf ein größeres Grundwasservorkommen im Marburger Land hin.
Sehr tiefe Bohrungen
„Wir werden bis zu 200 Meter tief bohren und dann einen Pumpversuch starten. Dabei wollen wir herausfinden, wieviel Wasser wir nachhaltig im Rahmen der Grundwasserneubildung entnehmen können – und wie hoch die Qualität ist“, erklärt Bernhard Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg. Die Bohrung und der Pumpversuch sollen zehn Wochen dauern. Die Ergebnisse werden anschließend ausgewertet.
Außerdem genauer untersucht werden sollen die Teichwiesen bei Heskem. Das Naturschutzgebiet ist rund 15 Hektar groß, ein geologisches Fachbüro geht von großen Grundwasserressourcen aus. Gelegen ist es in unmittelbarer Nähe zu dem Gebiet bei Schröck, das nun zunächst untersucht wird. Für die Teichwiesen wird ein Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Gießen vorbereitet.
Unterschiedlicher Sachstand
Wenn das Grundwasservorkommen wirtschaftlich, nachhaltig und problemlos für die Umwelt genutzt werden kann, „dann wollen wir ein Konzept zur interkommunalen Zusammenarbeit bei der Erschließung des Wasservorkommens entwickeln. Dieses Konzept werden wir dann den kommunalen Gremien zur Beratung und Entscheidung vorlegen“, erklären die vier Verwaltungschefs.
Allerdings sind die Voraussetzungen in den Kommunen unterschiedlich: Marburg startet die erste Probebohrung, Ebsdorfergrund bereitet das Genehmigungsverfahren vor, Amöneburg und Kirchhain haben sich in ihren Gremien noch nicht mit dem Thema beschäftigt.
Die vier Oberbürgermeister sowie der Stadtwerke-Chef Müller haben daher nun eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der sie festhalten, dass die Sachstände unterschiedlich sind, aber der grundsätzliche gemeinsame Wille für eine Wassergewinnung im Amöneburger Becken bestehe. Über die tatsächliche Durchführung des Projektes und die Form der interkommunalen Zusammenarbeit müssen letztlich die Gremien der vier beteiligten Kommunen entscheiden. (hp)



