In Mittelbaden sind nach heutigen Erkenntnissen rund neun Quadratkilometer Acker- und Grünland mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) verunreinigt worden. Was das für den oberflächennahen Grundwasserkörper im Raum Rastatt und Baden-Baden bedeutet, zeigen die Berechnungen des Technologiezentrums Wasser (TZW) aus Karlsruhe im Auftrag der Stadtwerke Rastatt. Gut 42 Quadratkilometer groß ist demnach die Ausdehnung des verunreinigten Grundwasserkörpers.
Das TZW hat auf Basis des Grundwassermodells des Landes Baden-Württemberg ausgerechnet, dass in den betroffenen Gebieten bereits mindestens 130 Millionen Kubikmeter Wasser PFC-haltig sind. Sehr große Mengen dieser unterirdischen Wasservorkommen werden zur Trinkwasserversorgung herangezogen. Das können sie jedoch nur, wenn das belastete Grundwasser einen aufwendigen Filterprozess durchläuft, in dem die PFC entfernt werden. Denn diese Stoffe bauen sich nicht ab.
Kostspielige Aufgabe für Generationen
In Mittelbaden sind bisher nur das Wasserwerk Rauental der Stadtwerke Rastatt und das der Stadtwerke Baden-Baden mit entsprechenden Filteranlagen ausgestattet; das Wasserwerk Rauental wurde dafür zwischen 2016 und 2018 aufwendig um- und ausgebaut. Doch mit der Reinigungsleistung der Anlage in Rauental würde es rund 100 Jahre dauern, bis diese 130 Millionen Kubikmeter Grundwasser gereinigt wären, darauf weisen die Stadtwerke Rastatt hin. Nach den Erfahrungen des ersten Betriebsjahrs würde dies 20 bis 30 Millionen Euro kosten.
Die Zusatzkosten für den Bau und Betrieb der Filteranlagen tragen bislang die Verbraucher über höhere Wasserpreise. Das kritisiert Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt: „Hier werden Unschuldige zur Kasse gebeten, da die Verursacher bislang nicht haftbar gemacht werden konnten und öffentliche Gelder bisher ausgeblieben sind.“ Das Schadenausmaß steige kontinuierlich: Jedes Jahr werden neue belastete Flächen bekannt, und so wachsen auch das Volumen an PFC-haltigem Grundwasser. Letzteres belegen Vergleichsrechnungen des TZW, einer Einrichtung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW).
Erst die Spitze des Eisbergs
Kaspryk wundert sich, warum die Behörden nicht sämtliche Flächen – auch in anderen Fällen – nach einem Raster untersucht haben; erst so könne der gesamte Schaden berechnet werden. „Was wir heute wissen, ist vielleicht erst die Spitze des Eisbergs“, bringt er seine Sorge zum Ausdruck. Unabhängig davon ist bereits sicher: Das Volumen an belastetem Grundwasser wird weiter steigen, da noch im Boden gebundene PFC ins Grundwasser transportiert werden. Die mittleren Grundwassermächtigkeiten in Mittelbaden liegen zwischen 12 und 57 Metern. (sig)



