Schon im Juni hatten sich die Bürgermeister von Neustadt am Rübenberge, Dominic Herbst, und von Garbsen, Christian Grahl, und der Wasserverband Garbsen-Neustadt (WVGN) per Pressemitteilung über ihre unterschiedlichen Positionen ausgetauscht. Die Stadtoberhäupter hatten den Versorger geben, „aktuelle Geschäftszahlen und Antworten auf einen Fragenkatalog“ zu liefern, der dieser Forderung nachgekommen war. „Dafür bedanken wir uns ausdrücklich und sehen nach vielen Monaten der Diskussion nun die Chance gemeinsam im Sinne des WVGN und seiner Kunden weiterzuarbeiten“, erklärten Herbst und Grahl in einer weiteren gemeinsamen Pressemitteilung.
Der Vorstand und die Geschäftsführung des WVGN äußerten sich ihrerseits in einer Presseerklärung dazu. Die Medienveröffentlichung der Bürgermeister sei die erste Resonanz auf den im August vom Verband beantworteten, umfangreichen Fragenkatalog der beiden größten Mitgliedsgemeinden. „Dem Verband sind weder die ,Prüfer’ des Fragenkatalogs bekannt noch wurden die Prüfungsergebnisse besprochen oder die Grundlagen der Bewertung mitgeteilt“, schreibt Sebastian Kratz, stellvertretender Geschäftsführer des WVGN.
Die Position der Bürgermeister
Die beiden Bürgermeister wiederum sehen sich laut ihrer Meldung nach dem „nun etwas tieferen Einblick in die Geschäftszahlen“ in ihrer Ansicht bestätigt. Der WVGN sei unterfinanziert. Die Eigenkapitalquote sei für die kommenden Aufgaben der Netz- und Anlagensanierung und anstehende Investitionen zu gering. Das Unternehmen weise im Vergleich zu anderen Versorgern zu hohe Betriebskosten aus. Außerdem gebe es Rückstände hinsichtlich der Digitalisierung von Geschäftsprozessen.
Bislang sei das relativ alte Netz in Hinblick auf Wasserverluste und Störanfälligkeit zwar noch unauffällig, so die Bürgermeister. Die dringend notwendige Erneuerung des Leitungsnetzes sei dem WVGN aber "aus eigener wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit in einem vertretbaren Zeitraum nicht möglich".
Die Stellungnahme des Waserversorgers
Der WVGN stellt dazu unter anderem fest: „Der Verband hatte mit voller Zustimmung seiner Gremien mit einem umfassenden Rohrnetzerneuerungskonzept im Jahr 2012 begonnen, um das weitgehend aus den 1960er und 1970er Jahren stammende Rohrnetz zu sanieren. Seit dem Jahr 2019 wird das Erneuerungskonzept durch eine Zielnetzplanung unterstützt, die Risiken und Chancen der geplanten Unterhaltungs- und Investitionsmaßnahmen berücksichtigt. Ab 2013 wurde das negative Eigenkapital des Verbandes saniert und der bestehende Verlustvortrag abgebaut.“
Im Bereich der Wassergewinnung wurden umfangreiche Investitionen in neue Anlagen getätigt, so der Wasserverband weiter. In Zusammenarbeit mit anderen Wasserversorgern habe der Verband digitale Projekte frühzeitig und erfolgreich vorangetrieben. Die Reaktionen und Beurteilungen durch Prüfer des Verbandes (Verbandsprüfer und Wirtschaftsprüfer), der Aufsichtsbehörde und der Gremien seien „ausnahmslos positiv“.
Streitpunkt Wasserpreis
Um die technischen und wirtschaftlichen Maßnahmen durchzuführen, war der Wasserpreis im Laufe von acht Jahren von 0,90 Euro auf 1,75 Euro pro Kubikmeter angehoben worden. "Den Wasserpreis für die Bürger der beiden Städte möglichst stabil zu halten und die Wasserqualität und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten", sei eines ihrer Ziele, teilen die Bürgermeister mit, die nach Aussagen des WVGN nicht in den Gremien des Wasserversorgers vertreten sind.
Zu der von den beiden Bürgermeistern als möglichen Lösungsansatz ins Spiel gebrachte Kooperation mit weiteren öffentlichen Versorgern wie der LeineNetz GmbH (LNG), ein 2016 von den Stadtnetzen Neustadt a. Rbge (SNN) und den Stadtwerken Garbsen (SWG) gegründetes Tochterunternehmen, nimmt der stellvertretende WVGN-Geschäftsführer wie folgt Stellung: Der Verband bedauert, "dass die Kommunikation des wichtigen Themas ,Wasserversorgung' bzw. ,Wasserverband' von den Bürgermeistern der Städte Garbsen und Neustadt über die Medien geführt wird."
Offen für eine Zusammenarbeit
Eine sachliche Auseinandersetzung und Erörterung wichtiger Themen sollte direkt mit dem Verband erfolgen, so Kratz weiter. "Vor dem Hintergrund der immer wieder genannten Kooperation mit den Stadtwerken und der neu gegründeten Leine Netz GmbH besteht hier jedoch ein möglicher Zusammenhang. Für eine Kooperation mit den örtlichen Energieversorgungsunternehmen sperrt sich der Verband nicht. Er hält eine Zusammenarbeit, sofern sie Vorteile bietet, für sinnvoll." (hp)



