Blick auf einen 75.000 Liter-Speicher in dem neuen Wasserwerk Steina im Südharz. Damit will die Region dem Klimawandel trotzen.

Blick auf einen 75.000 Liter-Speicher in dem neuen Wasserwerk Steina im Südharz. Damit will die Region dem Klimawandel trotzen.

Bild: © Stefan Rampfel/dpa

Von Elwine Happ-Frank

Auch wenn es im Juli häufig und viel geregnet hat, sehen sich die kommunalen Wasserversorger in Deutschland zunehmend mit den Folgen von Hitze und Trockenheit konfrontiert. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter 127 kommunalen Wasserversorgern. Der Druck auf die Systeme wächst – und mit ihm der Handlungsbedarf.
 
"Die kommunale Wasserwirtschaft ist der Herausforderung gewachsen, aber die Belastung nimmt zu", sagt Karsten Specht, VKU-Vizepräsident. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen berichten von einer steigenden Nachfrage in Hitzeperioden (45 Prozent).

Gut ein Viertel von ihnen (29 Prozent) hatte demnach in den vergangenen Jahren bereits zeitweise mit Engpässen für die Wasserversorgung zu kämpfen. Dabei seien in 16 Prozent der berichteten Fälle die Anlagen und Leitungsnetze an die Belastungsgrenze geraten und in 13 Prozent der Fälle die verfügbare Wassermenge zu knapp geworden, um die steigende Nachfrage zu decken.

Besonders in Regionen mit knappen Wasserressourcen oder Infrastruktur, die nicht auf solche Nachfragespitzen ausgelegt wurde, könnte es im Sommer zu zeitweisen Engpässen in der Versorgung kommen. "Unsere Infrastruktur ist gut in Schuss und wurde zu großen Teilen in Zeiten geplant und gebaut, in der andere Regenmengen, Temperaturen und Nachfragespitzen üblich waren. Dadurch kann es in Hitzeperioden örtlich und temporär zu Engpässen kommen", so Specht.

Behördliche Auflagen und Nutzungseinschränkungen

Langfristig erwarten zwei Drittel der Befragten eine moderate (57 Prozent) bis deutliche Zunahme von Engpässen (18 Prozent). Vielerorts waren und sind Nutzungsbeschränkungen bereits Realität: Rund 25 Prozent der Unternehmen berichten von behördlichen Auflagen oder Nutzungseinschränkungen. Fast jedes zweite Unternehmen geht während anhaltender Hitzeperioden verstärkt auf die Kund:innen zu und ruft zu einem sorgsamen Umgang mit Wasser auf. Damit sollen Überlastungen verhindert werden.
 
"Durch den Klimawandel rechnen wir mit häufigeren Hitze- und Dürreperioden. Daran müssen wir uns anpassen", erklärt Specht. Die Unternehmen reagieren: Sie setzen auf Kooperationen, Infrastrukturmaßnahmen und Kommunikation mit Großabnehmern und Kund:innen. Besonders häufig genannt wurden unter anderem Investitionen in die Anpassung der Infrastruktur.
 
Um die Wasserversorgung langfristig zu sichern, braucht es laut VKU jedoch auch politische Unterstützung: Am häufigsten wird der Vorrang für die öffentliche Wasserversorgung bei Nutzungskonflikten genannt. Zudem sollten Planungs- und Genehmigungsverfahren für Klimaanpassungsmaßnahmen vereinfacht und Fördermittel für den Umbau zu einer klimaresilienteren Infrastruktur bereitgestellt werden, damit Entgelte bezahlbar bleiben.

Forderung nach Mitteln aus den Sondervermögen

In puncto Fördermittel für den Umbau zur klimaresilienten Infrastruktur hofft der VKU auf Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen. Länder und Kommunen dürfen zwar ihren Anteil am 100 Milliarden Sondervermögen auch für Investitionen in die Wasserwirtschaft nutzen.

Diese Klarstellung hat die kommunale Wasserwirtschaft im bisherigen Verfahren bereits erreicht. Aber eine solche Regelung fehlt noch im Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIKG) des Bundes. Hier fordert der VKU, dass der Bundestag nachjustiert und auch die Wasserwirtschaft im Sondervermögen des Bundes explizit berücksichtigt.
 
"Die kommunale Wasserwirtschaft ist vorbereitet und macht ihre Hausaufgaben. Zuverlässige Versorgung ist unser Job und den nehmen wir auch unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen ernst. Aber dafür braucht es die richtigen Rahmenbedingungen von der Politik, damit unsere Wasserversorgung auch in Zukunft sicher und bezahlbar bleibt", so Specht.

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