Das Vertrauen in die Wasserversorgung ist groß: Rund 67 Prozent von Verbraucher:innen geben in einer Befragung an, davon überzeugt zu sein, dass Wasserversorger die Trinkwasserqualität auch bei Extremwetterereignissen wie Hitzewellen oder Starkregen sichern können. An der Befragung des größten deutschen Energiewirtschaftsverbands BDEW nahmen 1200 Personen teil.
Eine grafische Auswertung der Umfragen finden Sie hier.
Zugleich ist das Problembewusstsein groß: Über die Hälfte der Befragten glaubt, dass Wasserknappheit schon heute ein Problem ist. "Zwar verfügen wir in Deutschland grundsätzlich über ausreichend Wasserressourcen, um den Trinkwasserbedarf der Bevölkerung zu decken. Diese Ressourcen sind jedoch regional ungleich verteilt", sagt Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser.
Sommer 2026 als Belastungstest für Wasserversorger
Der Sommer 2026 hat gezeigt, wie stark Hitze und Trockenheit die Wasserversorgung belasten können: In mehreren Regionen schränkten Behörden die Entnahme von Wasser ein, etwa zur Garten- und Feldbewässerung. Im Schwarzwald bereiteten sich Versorger und Kommunen auf mögliche Trinkwassertransporte per Tanklaster vor, weil einzelne Quellen zu versiegen drohten.
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Der Stadtwerkeverband VKU, der unter anderem öffentliche Wasserversorger vertritt, hat diese zu ihren Erfahrungen in diesem Jahr befragt. An der Umfrage beteiligten sich 147 von 448 angeschriebenen Unternehmen. In der Blitzumfrage gaben fast 70 Prozent von ihnen an, dass sie mit einer angespannten Versorgungssituation zu kämpfen hatten.
Die Versorger berichten von Verbrauchsspitzen, die ihre Versorgung belasteten. Bei der Hälfte der befragten Versorger lag die Wasserabgabe zwischen 110 und 130 Prozent des üblichen Tageswerts. Bei 20 Prozent lag sie um 30 bis unter 50 Prozent höher. Fünf Prozent meldeten eine Abgabe von mindestens 150 Prozent des üblichen Tageswerts.
Warum der Wasserverbrauch steigt
Verbraucher:innen sehen besonders häufigeres Duschen, Pflanzen- und Gartenbewässerung und das Befüllen von Pools als Hauptursachen für gestiegene Wasserverbräuche. Das sehen auch die befragten Versorger so: 60 Prozent geben den höheren Wasserverbrauch im Haushalt als Ursache an und 71 Prozent sehen zusätzliche Wasserbedarfe für Poolbefüllung und Bewässerung.
Problematisch werden die hohen Spitzenlasten im Sommer aus ihrer Sicht dann, wenn vor Ort gleichzeitig weniger Wasser gewonnen beziehungsweise gefördert werden kann. Die Mehrheit der Verbraucher:innen zeigt sich in der BDEW-Umfrage bereit, ihre Verbräuche für Bewässerung und Pools einzuschränken oder auch ganz darauf zu verzichten.
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Über Aufforderungen zum Wassersparen hinaus haben die Versorger in diesem Jahr noch weitere Maßnahmen ergriffen: Ein Viertel hat die Infrastruktur bereits angepasst, um resilienter bei länger anhaltenden Trockenperioden zu sein. Außerdem sichern 22 Prozent der Befragten ihre Versorgung, wenn nötig, durch einen erhöhten Bezug von anderen Versorgern.
Wasserversorgung in der Zukunft
Die Erfahrungen des Sommers prägen den Blick auf die kommenden Jahre. Über die Hälfte der befragten Verbraucher:innen glaubt, dass die Wasserverfügbarkeit in zehn Jahren problematischer wird, die Versorgung aber dennoch gesichert werden kann. Knapp ein Viertel erwartet in zehn Jahren in einigen Regionen akute Wasserknappheit.
Um auf diese Risiken vorbereitet zu sein und sie zu begrenzen, muss die Wasserwirtschaft erheblich investieren. "Wir müssen heute die richtigen Investitionsentscheidungen treffen, um die Versorgung von morgen zu sichern", betont Weyand vom BDEW. Der VKU erklärt: "Die Wasserwirtschaft steht vor erheblichen Investitionen in resiliente Infrastrukturen, die Sicherung von Wasserressourcen und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels."
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Aus Sicht der befragten Versorger braucht es dafür politische Veränderungen: 80 Prozent der befragten Versorger sprechen sich daher dafür aus, den Vorrang für öffentliche Wasserversorgung bei Nutzungskonflikten durch Genehmigungsbehörden durchzusetzen.
Außerdem fordern 68 Prozent Fördermöglichkeiten, um den notwendigen Umbau der Infrastruktur voranzutreiben. Die Hälfte der Versorger will zudem, dass die Verfahren für Planung und Genehmigung für Klimaanpassung vereinfacht werden. Knapp ein Viertel spricht sich für flexible Tarife aus, um Sparanreize in Trockenperioden zu setzen.