Die Möhnetalsperre ist eine der 13 Talsperren des Ruhrverbands.

Die Möhnetalsperre ist eine der 13 Talsperren des Ruhrverbands.

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77 Prozent weniger Niederschlag als üblich: Das meldet der Ruhrverband für den Juli 2026 in seinem Einzugsgebiet. Es sei der vermutlich trockenste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen vor 100 Jahren gewesen, erklärt der Verband aus Essen in Nordrhein-Westfalen.

Der Ruhrverband hatte in diesem Sommer also viel zu tun, um das Wasser der Ruhr am Fließen zu halten: Um die gesetzliche Mindestwasserführung am Pegel Villigst bei Schwerte aufrechtzuerhalten, musste an allen 31 Tagen im Juli Wasser aus den Talsperren in die Ruhr eingebracht werden – ansonsten wäre dieser Pegel an 18 Tagen trockengefallen. 

Trotz Dürre: Talsperren waren zuverlässig 

Nicht nur an der Ruhr zeigten sich in diesem Sommer die Auswirkungen extremer Hitze und Dürreperioden so deutlich: In ganz Deutschland führten Flüsse Niedrigwasser, sanken Grundwasserpegel, trockneten Seen aus. Einige Kommunen verhängten zeitweise Wasserentnahmeverbote für die Bevölkerung, um die Versorgung zu stabilisieren. 

Mehr dazu lesen Sie hier: Fünf Beispiele: Wie sich Wasserversorger gegen Trockenheit wappnen 

Der gemeinnützige Verein Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren (ATT) bewertet die Trinkwasserversorgung aus Talsperren trotz des extrem trockenen Sommers als gesichert. Möglich sei dies durch eine vorausschauende Bewirtschaftung, leistungsfähige Talsperrensysteme und regionale wie länderübergreifende Verbünde. 

Das Talsperrenmanagement des Ruhrverbands hebt die ATT besonders hervor: "Dank einer vorausschauenden Bewirtschaftung liegt der Gesamtfüllstand der Talsperren des Ruhrverbandes aktuell dennoch bei rund 80 Prozent." Damit steht der Ruhrverband, der das größte zusammenhängende Talsperrensystem Deutschlands betreibt, von den aufgeführten Füllständen der ATT-Mitglieder an erster Stelle. 

Ruhrverband: Was hinter der stabilen Lage steckt 

Dass das dem Verband gelungen ist, liegt an der besonderen Organisation der Wasserwirtschaft in Nordrhein-Westfalen – und an einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2024. Die Wasserverbände in NRW sind nach Flusseinzugsgebieten aufgeteilt. Neben dem Ruhrverband gibt es zum Beispiel noch den Erftverband, die Emschergenossenschaft und den Lippeverband. Die Verbände haben jeweils ein eigenes Landesgesetz, das ihre Pflichten und Auflagen definiert.  

Die alten Grenzwerte mussten an den Klimawandel angepasst werden.

Britta Balt, Pressesprecherin Ruhrverband

Im Dezember 2024 hat der Landtag das Ruhrverbandsgesetz geändert: Grenzwerte für die Mindestwasserführung am Pegel Villigst und im Gewässerabschnitt vom Pegel Hattingen bis zur Ruhrmündung, die von Juli bis März gelten, wurden abgesenkt.

"Die alten Grenzwerte von 1990 mussten an die Bedingungen des Klimawandels angepasst werden", erklärt Britta Balt, Pressesprecherin des Ruhrverbands, im Gespräch mit der ZFK. Seit der Gesetzesänderung wurde der Grenzwert von 15 Kubikmetern pro Sekunde am Pegel Villigst auf zwölf Kubikmeter pro Sekunde gesenkt; in dem anderen Abschnitt von 8,4 auf 5,4 Kubikmeter pro Sekunde. 

Mehr dazu lesen Sie hier: Ruhrverbandsgesetz wird an Klimawandel angepasst

"Durch die Reduzierung lässt sich in trockenen Sommern, in denen der Abfluss in der Ruhr nahezu vollständig durch den Zuschuss aus den Talsperren aufrechterhalten wird, eine Einsparung von bis zu 260.000 Kubikmetern pro Tag realisieren. Dies trägt dazu bei, die in den Talsperren vorhandenen Wasservorräte länger bewirtschaften zu können", erklärt der Ruhrverband. "Wir können nicht beeinflussen, wie viel Wasser in die Talsperren hineinfließt", sagt Sprecherin Balt. "Wir können aber beeinflussen, wie viel Wasser wir wieder abgeben." 

Wasserkreislauf mit Lücken 

Mit einer Begleitvereinbarung ist der Ruhrverband außerdem verpflichtet, seine Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe auszustatten. So soll möglichen wasserökologischen Folgen geringer Wasserführung in der Ruhr entgegengewirkt werden. Laut der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) hat im Ruhrverbandsgebiet die Kläranlage Brilon die vierte Reinigungsstufe bereits installiert.  

Der Ausbau der vierten Reinigungsstufe müsste hauptsächlich über die Mitgliedsbeiträge finanziert werden.

Britta Balt, Pressesprecherin Ruhrverband

Derzeit wird im EU-Parlament über die Einführung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) gestritten, die die Einführung der vierten Reinigungsstufe regelt. Eigentlich war vorgesehen, dass die größten Inverkehrbringer von Mikroschadstoffen, nämlich Pharma- und Kosmetikbranche, bis zu 80 Prozent der Investitionskosten tragen sollten. Diese sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung stellen einige EU-Abgeordnete infrage und wollen die KARL überarbeiten.

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Vor diesem Hintergrund geht der Ruhrverband aktuell davon aus, die Investitionen selbst stemmen zu müssen. "Der Ausbau der vierten Reinigungsstufe ist ein großes Investitionsprogramm. Finanziert werden müsste es bei einem genossenschaftlich strukturierten Verband wie dem Ruhrverband hauptsächlich über die Mitgliedsbeiträge", sagt Balt. Daher müssten in Zukunft womöglich die Mitgliedsbeiträge angepasst werden. 

Wasserlieferung über Verbandsgrenzen hinaus

Ein weiterer Grund für die Notwendigkeit der erweiterten Abwasserreinigung: Der Ruhrverband versorgt nach eigenen Angaben rund 4,6 Millionen Menschen mit Trinkwasser – aber entsorgt lediglich das Abwasser von 2,2 Millionen Menschen. Denn ihr Trinkwasser bekommt nicht nur die Bevölkerung im Verbandsgebiet, sondern auch im benachbarten Gebiet der Emscher, die trotz Renaturierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten nach wie vor nicht für die Trinkwasserversorgung geeignet ist.  

Wir betrachten das Flussgebiet im Ganzen.

Britta Balt, Pressesprecherin Ruhrverband

So ergibt sich eine sogenannte schädliche Entziehung für den Ruhrverband: Er bekommt das ins Emschergebiet gelieferte Trinkwasser nicht über die Klärwerke zurück. Umso wichtiger ist die gründlichere Aufbereitung des anfallenden Abwassers, das der Ruhr wieder zugeführt wird und die Talsperren des Verbands füllt.

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"Wir haben den großen Vorteil, das Flussgebiet im Ganzen betrachten zu können", erklärt Balt. Der Ruhrverband entwickle Gewässer so, dass sie ihre natürlichen Speicherfunktionen wieder besser wahrnehmen könnten. Dazu gehörten etwa Maßnahmen in Flussauen und sogenannte Schwammwälder: Der Verband ist einer der größten Waldeigentümer in Nordrhein-Westfalen und bewirtschaftet die an den Fluss grenzenden Wälder.  

Verbandsmitglieder können außerdem den Bereich der Gewässerunterhaltung an den Verband abgeben. Das umfasst etwa Maßnahmen zur Sicherung des Wasserabflusses, zur Erhaltung der Ufer sowie zur Förderung der natürlichen Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Zwölf Kommunen haben diese Aufgabe bereits an den Verband übertragen. 

Anpassung an Klimawandel  

Laut der Talsperrenvereinigung ATT zeige die angespannte Lage in anderen Teilen Deutschlands, dass die Versorgungssicherheit künftig stärker vom Ausbau von Verbundsystemen, zusätzlichen Speicherkapazitäten und einer Anpassung an häufigere Trockenperioden abhängen werde.  

Der Juli 2026 dürfte als Beispiel dafür in Erinnerung bleiben, wie schnell sich lang anhaltende Trockenheit auf die Wasserwirtschaft auswirkt. Der trockene Sommer verändert auch den Blick auf die Ressource: "Die Selbstverständlichkeit, dass Wasser immer da war, hat keinen Bestand mehr", resümiert Balt vom Ruhrverband. 

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