WVK nimmt Stellung zu BUND-Klage

Der WVK plant eine Trinkwassergewinnung aus dem Kinzigstausee von 9 Mio. Kubikmeter pro Jahr.
Bild: © Wasserverband Kinzig
Der Kreisverband Frankfurt des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat kürzlich Klage gegen den Bescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt vom 2. März zur Trinkwasserförderung im Brachttal (Vogelsberg) durch den Wasserverband Kinzig (WVK) eingereicht. In einer Stellungnahme dazu erläutert der WVK, wie er sich den Herausforderungen des Klimawandels stellt.
Die neue WVK-Strategie bestehe aus drei Elementen: dem Hochwasserschutz, der grundwasserunabhängigen Trinkwassergewinnung aus Oberflächenwasser sowie der Grundwassergewinnung durch Grenzgrundwasserstände mit IT-Monitoring.
Hochwasserschutz und Trinkwassergewinnung
Der Kinzigstausee des WVK dient seit Jahren dem Hochwasserschutz. Zurzeit wird der Stausee nach 20 Jahren vertieft überprüft und saniert. Dort erschließt sich der Wasserverband, der Frankfurt, Hanau und den Main-Kinzig-Kreis versorgt, gegenwärtig eine grundwasserunabhängige Trinkwassergewinnung. Das Trinkwasser soll aus dem Oberflächenwasser des Kinzigstausees gewonnen werden.
Dafür wird eine moderne Aufbereitungsanlage mit Multibarrieresystem und Ultrafiltration errichtet. Damit können mögliche Einschränkungen durch den Klimawandel bei der Grundwassergewinnung zukünftig besser ausgeglichen werden. Was die Trinkwassergewinnung aus Grundwasser betrifft, teilt der WVK mit, dass er nur so viel Grundwasser fördert, „wie es wissenschaftlich nachgewiesen ökologisch vertretbar ist“. Hierzu enthielten die Wasserrechtsanträge für Kirchbracht/Illnhausen und Brachttal/ Neuenschmidten Nord bzw. Süd die notwendigen Untersuchungen, insbesondere basierend auf den Erkenntnissen aus aktuellen Pumpversuchen und Prognosen der künftigen Grundwasserneubildung.
Neues IT-Monitoring
Der Wasserrechtsbescheid für das Gebiet Kirchbracht/Illnhausen vom März 2023 sei der erste im Vogelsberg, der auf die Unwägbarkeiten des Klimawandels abgestimmt wurde, so der WVK weiter. Die Abstimmung erfolge durch Grenzgrundwasserstände und ein neues IT-Monitoring, das eine umweltschonende Grundwasserentnahme sicherstellt. Die Übernutzung des Grundwassers wird durch die einzuhaltenden Grenzgrundwasserstände und Mindestabflüsse in Oberflächengewässern wie der Kinzig begrenzt.
Gleichzeitig räume der Bescheid dem Wasserverband laut WVK mehr Flexibilität bei der Verlagerung der Förderschwerpunkte ein, um die punktuelle Grundwassernutzung zu entlasten. Somit werden langjährige Forderungen von Umweltverbänden sowie Auflagen zu einem verstärkten und verdichteten Monitoring der Grundwassergewinnung erfüllt.
Kein „Grundwasserraubbau“
Vor diesem Hintergrund sei die Klage des BUND gegen den Wasserrechtsbescheid des RP Darmstadt für das Gebiet Kirchbracht nicht nachvollziehbar, teilt der WVK mit. Dabei möchte der Versorger drei Dinge klarstellen: Der WVK betreibt im Kinzigtal keine Grundwassergewinnung. Zweitens führe die nominell genehmigte Menge von ca. 4,6 Mio. m³/Jahr nicht zu einem „Grundwasserraubbau“. Denn diesen verhindern die verschärften Grenzgrundwasserstände und Mindestabflüsse "sehr viel zuverlässiger als das alte System".
Drittens beruhe der Erlaubnisbescheid nicht auf veralteten Gutachten, welche die Folgen der Klimakrise „ausblenden“. Die Gutachten wurden vielmehr auf der Grundlage aktueller Messdaten für den Wasserrechtsantrag erstellt.
Maßnahmen gegen Übernutzung des Grundwassers
Das neue WVK-System einer klimafesten Wasserbeschaffung vermeidet laut der Stellungnahme die Übernutzung des Grundwassers trotz steigenden Trinkwasserbedarfs, indem er eine Trinkwassergewinnung aus dem Kinzigstausee von 9 Mio. Kubikmeter pro Jahr plant. Das sei weit mehr als die vom WVK geplante maximale Fördermenge von 4,55 Mio. Kubikmeter im Jahr.
Die maximale Fördermenge sei auch in der Vergangenheit nicht voll ausgeschöpft worden, da sowohl Grenzgrundwasserstände als auch Reparatur- und Sanierungsarbeiten einzelner Brunnenanlagen eingeplant werden müssen. Durch die Kombination beider Elemente der Wasserbeschaffung werde in der Zukunft die Versorgungssicherheit gestärkt und gleichzeitig klimafest gemacht.
Neue WVK-Strategie mit Billigung von Umweltverbänden
Die neue WVK-Strategie sei in Hessen eine einmalige und von Fachleuten und Behörden sehr befürwortete Methode für eine dauerhafte Klimaanpassung. Auch die Umweltverbände, darunter der BUND Hessen, hätten sich in WVK-Informationsveranstaltungen nachdrücklich für dieses System ausgesprochen. (hp)

