Es steht außer Frage, dass Batteriespeicher im zukünftigen Energiesystem eine zentrale Rolle spielen werden. Mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien braucht das Stromsystem flexible Technologien, die kurzfristige Schwankungen ausgleichen, Energie zeitlich verschieben und Netzstabilität gewährleisten können. Großbatteriespeicher sind dafür prädestiniert. Sie reagieren innerhalb von Sekunden, können Energie aufnehmen oder abgeben und übernehmen Aufgaben, die bisher häufig von fossilen Kraftwerken erfüllt wurden.

Die größte Herausforderung heute ist die Integration in die bestehenden Stromnetze. Netzbetreiber sehen sich mit einer stark steigenden Zahl von Anschlussanfragen konfrontiert. Gleichzeitig gibt es bei Netzbetreibern bislang nur begrenzte praktische Erfahrungen, wie Batteriespeicher in verschiedenen Netzsituationen betrieben werden. Insbesondere die Frage, unter welchen Bedingungen ein Speicher angeschlossen wird und wie seine Fahrweise ausgestaltet ist, sorgt vielerorts für Unsicherheit.

Ein Betriebskonzept soll Unsicherheiten lösen

Um Unsicherheiten beim Anschluss und Betrieb zu verringern, werden derzeit verschiedene flexible Modelle erprobt, die sich an den jeweiligen Netzgegebenheiten orientieren. Ein Beispiel dafür ist das Konzept "REGIOlink", das Green Flexibility gemeinsam mit Netzbetreibern entwickelt hat. Dahinter steht die Idee, dass Batteriespeicher nach einer individuellen Betriebsweise in jedes Netz integriert werden können. Jedes Netzgebiet hat eigene Strukturen, Engpässe und Erzeugungsprofile. Deshalb braucht es Anschluss- und Betriebskonzepte, die genau auf diese regionalen Gegebenheiten mindestens netzneutral abgestimmt sind.

Grundlage bildet eine detaillierte gemeinsame Analyse des jeweiligen Netzgebietes. Dabei werden unter anderem Lastflüsse, Einspeiseprofile aus Wind und Photovoltaik sowie daraus resultierende mögliche Netzengpässe betrachtet. Auf dieser Basis lässt sich bestimmen, welche Rolle ein Speicher im konkreten Netz übernehmen kann.

Der Batteriespeicher in Immenstadt (Allgäu), den Green Flexibility gemeinsam mit dem AÜW betreibt, ist die erste netzneutrale Anlage in Deutschland, die auf Basis eines FCA operativ im Einsatz ist. Seitdem hat das Unternehmen mit Netzbetreibern und Energieversorgern weitere Kooperationen aufgebaut sowie FCAs erfolgreich entwickelt und umgesetzt.Bild: © green flexibility

Komplexität von FCAs sollen aufgelöst werden

Ein zentrales Instrument innerhalb dieses Ansatzes sind flexible Netzanschlussvereinbarungen, sogenannte Flexible Connection Agreements (FCAs). Sie ermöglichen es, Batteriespeicher unter bestimmten betrieblichen Bedingungen an das Netz anzuschließen. Statt starrer Anschlussregeln werden flexible Betriebsmodelle definiert, die sicherstellen, dass ein Speicher das Netz nicht belastet, sondern im Idealfall sogar entlastet.

Viele Netzbetreiber stehen diesem Instrument derzeit noch vorsichtig gegenüber, weil es bislang nur wenige etablierte Beispiele gibt. Genau hier setzt der "REGIOlink"-Ansatz an. Gemeinsam mit Netzbetreibern werden unterschiedliche FCA-Modelle entwickelt, die sich an den technischen und betrieblichen Anforderungen des jeweiligen Netzgebietes orientieren.

In der Praxis können dabei unterschiedliche Ausprägungen entstehen. Netze mit einer ausreichend guten Prognostizierbarkeit können dynamische Ansätze ermöglichen, bei denen sich der Betrieb des Speichers in Echtzeit an die aktuelle Netzsituation anpasst. In anderen Fällen kommen teildynamische Konzepte zum Einsatz, bei denen Leistungsgrenzen oder Betriebsregeln bestimmte Netzsituationen berücksichtigen.

In manchen Netzgebieten wiederum reichen standardisierte Modelle, bei denen der Speicher unter klar definierten Bedingungen betrieben wird.

Der entscheidende Vorteil dieses Baukastensystems liegt darin, dass für jedes Netzgebiet der passende Ansatz gefunden werden kann. Statt eines einheitlichen Standards entsteht ein flexibles Konzept, das sich an den tatsächlichen Anforderungen der Netze orientiert.

Operativ bereits im Einsatz

Erste Projekte zeigen, dass solche flexiblen Modelle Batteriespeicher besser in regionale Netze integrieren können. Erkenntnisse aus dem realen Betrieb liefern wertvolle Daten, um Konzepte weiterzuentwickeln und regulatorische Fragen zu klären. Die Konzepte werden kontinuierlich durch operative Erfahrungen aus realen Projekten weiterentwickelt. Anlagen, die bereits in Betrieb sind, liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Batteriespeicher im Netz tatsächlich wirken und welche Betriebsstrategien sich in der Praxis bewähren.

Ergänzt wird dieser praktische Erfahrungsschatz durch wissenschaftliche Analysen und Studien, die gemeinsam mit Forschungspartnern durchgeführt werden. Sie helfen dabei, die systemischen Effekte von Batteriespeichern besser zu verstehen.

Die ersten Projekte, die nach diesem Ansatz umgesetzt wurden, zeigen bereits, wie Batteriespeicher sinnvoll in regionale Netze integriert werden können. Sie machen deutlich, dass Speicher nicht zwangsläufig eine zusätzliche Belastung für das Netz darstellen – im Gegenteil:

Richtig betrieben können sie sogar dazu beitragen, Engpässe und damit Kosten zu reduzieren und erneuerbare Energien besser zu integrieren. Und das geht nur, wenn Netzbetreiber und Speicherbetreiber zusammen transparent in den Austausch gehen.

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