Die EU-Kommission steht für den "Gigabit Infrastructure Act" in der Kritik.

Die EU-Kommission steht für den "Gigabit Infrastructure Act" in der Kritik.

Bild: © Xaver Klaussner/stock.adobe.com

Hans Jürgen Bengel, Geschäftsführer der Stadtnetz Bamberg Gesellschaft für Telekommunikation mbH

Bild: © Stadtwerke Bamberg

Herr Bengel, die Stadtnetz Bamberg baut seit nun mehr 25 Jahren Glasfaser aus. Wie läuft das Geschäft?

Hans Jürgen Bengel: Wir haben uns lange Zeit auf Businesskunden fokussiert und sind erst vor wenigen Jahren ins Geschäft mit den Privatkunden eingestiegen. Dabei ist es uns mit unserer Marke "baMbit" gelungen, in einem hart umkämpften Markt Bekanntheit und Marktanteile zu gewinnen. Heute surft in Bamberg bereits jeder fünfte Haushalt über unser Netz. Im Landkreis setzen wir auf Glasfaserkooperationen mit den Kommunen. Hier bauen die Gemeinden das Netz gemeinsam mit uns oder komplett alleine aus. Wir betreiben es dann, kümmern uns um Vertrieb und Service.

Betrachten Sie insgesamt die Glasfaser-Sparte als einen Zug, auf den andere Stadtwerke noch aufspringen können?

Bengel: Bei uns hat sich das Glasfasergeschäft zu einer etablierten Sparte in den Stadtwerken entwickelt, die nicht unwesentlich zum Gesamtergebnis beiträgt. Es herrscht aber Goldgräberstimmung am Markt und nicht nur in Bamberg ein starker Konkurrenzkampf um die Kunden. Wer jetzt den Glasfaserausbau für sich entdeckt, der wird sich vermutlich auf den Bau der Infrastruktur und Pachtmodelle mit TK-Carriern konzentrieren. Oder man kooperiert, um nicht mehr alles selbst machen zu müssen. Aber dennoch die Bindung zum Kunden nicht zu verlieren.

Wettbewerb, so heißt es landläufig, belebt das Geschäft.

Bengel: Dem will ich auch nicht widersprechen. Aktuell sorgt aber nicht nur der Wettbewerb, sondern die EU-Kommission höchstpersönlich dafür, dass Geld verbrannt wird, viel Geld. Gerne erkläre ich das: Jahrzehntelang haben sich die großen Akteure der Branche nicht um den Glasfaserausbau gekümmert. Jetzt plötzlich wittern sie ein großes Geschäft und wollen bestehende Glasfaserinfrastrukturen überbauen – natürlich nur in lukrativen Gebieten. Das Schlimme daran ist, dass dadurch die Menschen in weniger lukrativen Gebieten den Kürzeren ziehen. Jetzt unterstützt auch die EU-Kommission diesen volkswirtschaftlichen Unsinn mit dem "Gigabit Infrastructure Act". Wenn wir endlich ein flächendeckendes Glasfasernetz in ganz Deutschland wollen, dann muss der Überbau eingeschränkt werden.

Wie ist die Marktsituation in Bamberg?

Bengel: Sie ist sehr schwierig. Der Überbau ist auch hier das beherrschende Thema. Wir setzen hingegen auf das Modell, das für alle Beteiligten am wirtschaftlichsten ist und bieten unseren Mitbewerbern Open-Access an. Erster kleiner Erfolg ist eine Netzkooperation auf dem Lagarde-Campus, wo wir aktuell für 750 Wohnungen mit der Telekom zusammenarbeiten.

Sehen Sie noch ein weiteres Hemmnis für den Ausbau?

Bengel: Definitiv die Förderkulisse. Wir haben beispielsweise alle Schulen angeschlossen, noch bevor es eine Förderung gab. Nachträglich erhält man diese nicht mehr. Ich beobachte nun, dass einige Stadtwerke zögern und sehr darauf bedacht sind, dass sie gefördert werden. Dadurch bremsen sie sich selbst aus. Aus meiner Sicht sollte wirklich nur der Ausbau in unwirtschaftlichen Gebieten gefördert werden. Hier hoffe ich, dass die Politik bald das dafür notwendige Instrument schafft. Vor dem Hintergrund des ausgeschöpften Förderetats im letzten Jahr wäre dies für einen flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland essenziell.

Das Interview führte Adrian Gun.

Die Stadtnetz Bamberg

1997 haben die Stadtwerke Bamberg die erste Glasfaserleitung zwischen zwei Standorten eines großen lokalen Unternehmens erbaut. Danach wollte der damalige Oberbürgermeister einen Rollout für die ganze Stadt, der aber noch einige Jahre auf sich warten ließ. 1998 wurde aber der erste Kunde nicht nur mit Glasfaser erschlossen, sondern auch mit dazugehöriger aktiver Technik.  Als 1999 die Liberalisierung kam, wurde die Tochtergesellschaft so gleich gegründet, bei welcher Hans Jürgen Bengel seit dem Geschäftsführer ist. 

Während große Unternehmen von der Technologie begeistert waren, zeigten sich kleinere Unternehmen und Privatmenschen zurückhaltender. Als im Laufe der 2000er Jahre aber die Nachfrage nach höheren Bandbreiten immer stärker anstieg, fiel der Entschluss ganz Bamberg auszubauen.

Mittlerweile sind von 54.000 Wohn- und Geschäftseinheiten rund Zweidrittel an das Glasfasernetz der Stadtnetz Bamberg angeschlossen. Ziel ist nicht nur, die Glasfasern in Bamberg in jedes Haus zu legen, sondern über Kooperationen auch im Landkreis Bamberg weiter zu wachsen.

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