Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) und die Deutschen Telekom kooperieren, wodurch die Bürgerinnen und Bürger von Ludwigsburg künftig nicht nur sehr schnelles Internet, sondern auch eine größere Auswahl an Netzbetreibern bekommen. Aber bereits über die Hälfte Ludwigsburgs ist aktuell mit dem schnellen Glasfasernetz der Stadtwerke überzogen. Bis 2024 will das kommunale Unternehmen alle Gebäude im Stadtgebiet, mit einem Glasfaserkabel bis ins Haus versorgen. Es geht um insgesamt rund 56.000 Haushalte und Unternehmensstandorte in mehr als 15.000 Gebäuden der Stadt. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim bauen und betreiben das Netz und bieten selbst innovative Telekommunikationsdienste, wie Highspeed-Internet, IP-Telefonie sowie IP-TV an.
Herr Schneider, wieso haben Sie einen Kooperationspartner für die Breitbandsparte gesucht?
Christian Schneider: Unsere Kooperation ist einzigartig. Die Ausgangslage in Ludwigsburg war eine ganz besondere: Die SWLB war etablierter Glasfaseranbieter und Netzbetreiber und ist damit in die Verhandlungen eingestiegen. Seit 2017 sind wir im Glasfaserbereich aktiv. Von den 56.000 Haushalten in Ludwigsburg sind bereits rund 24.000 mit Fiber-to-the-Home erschlossen. Wir haben rund 2200 Kundinnen und Kunden für unsere Breitband-Produkte gewinnen können. Bei den Gewerbekunden sind es 300.
Wir haben nun ein bekanntes Modell aus der Energiewirtschaft umgesetzt. Dabei gibt es zwei Rollen: Einen oder in dem Fall zwei Netzbetreiber und Vertrieb. Für die Nutzung und den Zugang zum Netz wurden Netzentgelte vereinbart. Der Vertrieb ist in seinen Produkten und seiner Preisgestaltung frei. Durch dieses Vorgehen wird sichergestellt, dass die SWLB ihre Eigenständigkeit behält, selbst entscheiden kann, welche Produkte angeboten werden, den Netzbetrieb in eigenen Händen behält, um für einen adäquaten Kundenservice zu sorgen.
Würden Sie ihr Netz für weitere Betreiber öffnen?
Schneider: Nun, künftig könnten auch andere Netzbetreiber – zum Beispiel 1&1, Vodafone, Telefonica – über die Wholesale-Produkte der Telekom auch Kunden über die Infrastruktur der SWLB bedienen. So wird es zukünftig zwei aktive Netzbetreiber geben, die auf der passiven Breitbandinfrastruktur, die SWLB in Ludwigsburg bis 2024 ausbaut, aufbauen.
Heißt: Sowohl die SWLB wird weiterhin Endkundenprodukte mit eigener Technik auf dem Netz anbieten, als auch die Telekom. Bei anderen Kooperationen gibt es vorrangig einen Netzbetreiber, der das Netz mit aktiver Technik betreibt und anderen den Zugang durch Bitstream-Access-Produkte ermöglicht.

v.l.n.r.: Christian Schneider, Vorsitzender der SWLB-Geschäftsführung, Matthias Knecht, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg und Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, Thilo Höllen, Leiter Breitbandkooperationen Telekom Deutschland, Johannes Rager, SWLB-Geschäftsführer.
Bild: © SWLB
Das wirkt aber auch so, als würden Sie Ihre Konkurrenz aufs Netz lassen, aber das eigentlich nicht bräuchten. Was ist ihre Motivation?
Schneider: Die SWLB investiert in den Breitbandausbau in Ludwigsburg über 75 Millionen Euro und ist daran interessiert, mit einen Rückfluss aus den Netzentgelten, eine Amortisation so schnell wie möglich zu erreichen. Durch die Kooperation mit der Telekom kann es in Zukunft gelingen, die Auslastung des neu gebauten Netzes auf über 60 Prozent zu bringen und somit Einnahmen zu generieren, um die getätigten Investitionen auszugleichen.
Ein Netz in dieser Größenordnung, das unter 50 Prozent ausgelastet ist, hat es schwer, rentabel zu werden. Weiterhin sieht sich die SWLB als Infrastrukturbetreiber des Netzes und möchte nicht, ganz im Sinne der Stadt, dass ein weiterer Netzbetreiber in Ludwigsburg eine parallele Breitband-Infrastruktur (Überbau) in Ludwigsburg als Konkurrenz zum Netz der SWLB aufbaut. Dies wäre sowohl für die Stadt (Baubelastung), als auch volkswirtschaftlich unsinnig. Um das zu vermeiden, hat die die SWLB das Netz für andere Netzbetreiber geöffnet, damit auch diese breitbandige Dienstleistungen in Ludwigsburg anbieten können.
Welche weiteren Vorteile gibt es noch?
Schneider: Des Weiteren sollen die Bürger zukünftig die Auswahl haben, sich ihren Anbieter frei auswählen zu können. Eine Monopolstellung unseres Unternehmens ist nicht zielführend. Die SWLB hat ein sehr attraktives Produktangebot und ist mit ihrer Verbundenheit zur Region idealer Anbieter von Breitband-Diensten für die Bürger in Ludwigsburg. Wir haben keinerlei Bedenken und können mit den anderen Anbietern in jeder Hinsicht mithalten. Die Kooperation mit der Deutschen Telekom ist überaus konstruktiv. Die Ausgestaltung des umfassenden Vertragswerkes war eine bereichernde Erfahrung und fand auf Augenhöhe statt. Außerdem ist aufgrund der Investitionsabschreibungen mit einem positiven Ergebnisbeitrag der TK-Sparte ab dem Jahr 2027 zu rechnen.
Die Fragen stellte Adrian Gun.



