Die Stadtwerke Gronau und die Deutsche Glasfaser diskutieren, ob inwiefern das Telekommunikationsunternehmen zur Kooperation bereits verpflichtet ist.

Die Stadtwerke Gronau und die Deutsche Glasfaser diskutieren, ob inwiefern das Telekommunikationsunternehmen zur Kooperation bereits verpflichtet ist.

Bild: © Photocreo Bednarek/AdobeStock

Die Deutsche Glasfaser wirbt aktuell bei privaten Haushalten in Gronau und Epe für den Glasfaserausbau. Mit verpflichtenden Verträgen für ihre Breitband-Produkte bündelt sie die Nachfrage vor Ort. Wenn die notwendige Mehrheit zustande kommt, dann kann der Glasfaserausbau beginnen. Aber gerade dieses Vorpreschen "überraschte" die Stadtwerke Gronau. Nach deren Angaben gab es "doch hierzu deutliche vertragliche Vereinbarungen" mit dem in Borken ansässigen Telekommunikationsunternehmen. Stadtwerke-Geschäftsführer Wilhelm Drepper geht ins Detail: "Die Deutsche Glasfaser ist aus der früheren BORnet entstanden. Mit dem damaligen Verkauf unserer BORnet-Anteile an das Telekommunikationsunternehmen ist auch ein Vertrag geschlossen worden, dass diese einen Glasfaserausbau in Gronau nur gemeinsam mit den Gronauer Stadtwerken durchführen darf."

Die Unternehmensgruppe "Deutschen Glasfaser" wurde 2020 durch den Zusammenschluss des Telekommunikationsunternehmens mit dem Netzanbieter Inexio gegründet. Hinter der Gruppe wiederum stecken der schwedische Finanzinvestor EQT und einer der größten leistungsorientierten Pensionspläne Kanadas OMERS. Mit einem verfügbaren Gesamtinvestitionsvolumen von 7 Mrd. Euro sollen mittelfristig 6 Mio. Glasfaseranschlüsse deutschlandweit ausgebaut werden.

Mit der besagten Nachfrage-Bündelungsaktion habe das Borkener Unternehmen diesen Vertrag nicht eingehalten, kritisierte der Geschäftsführer. Die Stadtwerke gaben der Deutschen Glasfaser Bedenkzeit. Aber selbst nach zwei Fristen bleibt die Haltung gleich: "Wir haben die vertragliche Anmerkung der Stadtwerke zur Kenntnis genommen. Unsere interne Rechtsabteilung hat dies geprüft und kommt zu dem Schluss, dass wir eine andere Rechtsauffassung besitzen als der Kommunalversorger", sagte ein Sprecher der Deutschen Glasfaser auf ZfK-Nachfrage. Nichtsdestotrotz zeige sich die Deutsche Glasfaser gesprächsoffen. "Wir prüfen eine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Gronau und sind diesbezüglich auch auf diese zugegangen", schloss der Sprecher ab.

"Das bedauern wir sehr"

Dennoch führt das Telekommunikationsunternehmen die Nachfragebündelung in den Gebieten weiterhin durch. Gerade dies stört aber Drepper: "Der deutliche Hinweis, die laufende Bündelungsaktion nicht zu unterbrechen, stellt unserer Meinung nach den Willen der Deutschen Glasfaser zu einer ernsthaften Kooperationsbereitschaft in Frage – das bedauern wir sehr." Die Stadtwerke Gronau wollten eine partnerschaftliche Kooperation. Nun wird das Vorhaben erst einmal anders gehandhabt: Auf ZfK-Nachfrage bestätigte ein Sprecher des kommunalen Versorgers, dass die Sache nun juristisch geklärt werde.

Der Stadtwerke-Geschäftsführer betonte insgesamt: "Auch die Stadtwerke Gronau wollen den flächendeckenden Glasfaserausbau in Gronau und Epe. Wir verhandeln dazu aktuell auch mit weiteren Partnern. Wir möchten aber keinesfalls eine 'Quick & Dirty Lösung', sondern einen vernünftigen nachhaltigen Netzausbau. Damit haben wir in der Planung und Teil-Durchführung schon vor vielen Jahren begonnen, und so ist bereits ein leistungsfähiges Teil-Netz vorhanden. Dies zu ignorieren ist unserer Meinung nach ökologisch nicht verantwortbar." Die Stadtwerke fürchten einen parallelen Netzausbau, anstatt dass bisherige Leerrohr-Möglichkeiten oder sogar vorhandene Leitungen ausgenutzt würden. (gun)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper