Von: Bernd Benser, Geschäftsführer der CritisLAB GmbH
Erst wenn es zum Ausnahmezustand kommt, wird der Begriff „kritische Infrastruktur“ in seiner ganzen Tragweite bewusst. Was wäre wenn …? Dieses Gedankenspiel führte den Verantwortlichen bereits im frühesten Stadium der Corona-Pandemie vor Augen, wie verletzlich die Gesellschaft als vernetztes System ist.
Vor diesem Hintergrund organisierte die CritisLAB GmbH mit Sitz in Brandenburg einen überregionalen Erfahrungsaustausch für KRITIS-Unternehmen. An der zweitägigen Veranstaltung Ende September nahmen zahlreiche Vertreter von Stadtwerken, Netzbetreibern, Flughäfen, Krankenhäusern und auch der Polizei teil.
"Ein Zuwenig an Maßnahmen kostet im Zweifel Gesundheit, im schlimmsten Fall gar das Leben"
„Wir alle hier in diesem Kreis sind uns bewusst, dass wir die Verantwortung für Menschen tragen, dass es um Gesundheit, derweil auch um Menschenleben geht.“ Das betonte Frau Karin Pfäffle, Geschäftsführerin der Stromnetz Hamburg GmbH in Ihrem Vortrag zum Auftakt der Veranstaltung. Es sei stets die oberste Motivation des von ihr gegründeten Corona-Lagekreises gewesen, die rund 1.300 Beschäftigten des Unternehmens vor einer Ansteckung mit dem Virus zu bewahren.
„Uns war von Anfang an klar: Von einem Zuviel an Maßnahmen können wir immer zurück, wenn es die Situation zulässt. Ein Zuwenig an Maßnahmen kostet im Zweifel Gesundheit, im schlimmsten Fall gar das Leben.“ Im Rahmen der Workshops gab es vielschichtige Diskussionen: Die Schwierigkeit der Lageeinschätzung und Informationsgewinnung in den Anfängen der Krise, die Wichtigkeit der Einberufung von Lagekreisen und Krisenstäben oder auch die Notwendigkeit von Mehrwarten-Konzepten – die Bandbreite der Themen war groß.
Betriebsrat frühzeitig einbinden
Die Teilnehmer arbeiteten im Laufe der beiden Tage die folgenden Schwerpunkte heraus: Oberste Priorität haben kleine Lagekreise mit großer Umsetzungs- und Durchsetzungskraft sowie eine klare und deutliche Kommunikation. Auch die frühzeitige Einbindung des Betriebsrates sei enorm wichtig. Und es muss für arbeitsfähige Einheiten gesorgt werden. Dabei sind belastbare, praxisfähige IT-Konzepte die entscheidende Voraussetzung für das Gelingen. Deshalb sollte hierauf ein besonderer Fokus gelegt werden.
Aber auch die Rückkehr zur Normalität sei nicht selbstverständlich. Peter Aymanns, Leiter der Netzführung in Düsseldorf, zieht den Vergleich: „Wir sägen und sägen und merken gar nicht, dass die Säge stumpf ist.“ Manchmal tue es Not, ein neues Sägeblatt einzusetzen. Und so kann es auch nur ein neues Normal geben, darin sind sich die Teilnehmer einig. Dabei müsste ein besonderes Augenmerk auf die Führungskräfte gelegt werden, die man im Idealfall mit Hilfe von Coaching zu spezifischen Themen führt, sie beispielsweise zum Führen hybrider Teams befähigt.
Die Pandemie ist noch nicht vorbei
Es sei klar, dass innerhalb kürzester Zeit die Welt neu gedacht werden musste. Und so unterschiedlich die Herangehensweisen der einzelnen Unternehmen auch waren: Es wurde allesamt und wird weiterhin erfolgreich agiert – denn die Pandemie ist noch nicht vorbei. Uwe Schüler, Staatssekretär des Ministeriums für Inneres und Kommunales, dankte im Namen der Landesregierung von Brandenburg allen Vertretern der KRITIS-Betreiber für die stets sichere und zuverlässige, dabei oft für allzu selbstverständlich genommene, Versorgung der gesamten Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland.
„Dies zu beüben und an Konzepten zur Bewältigung von Krisensituationen weiterzuarbeiten, ist unsere zentrale Hausaufgabe. Denn nach der Krise ist vor der Krise“, schließt Bernd Benser, Geschäftsführer der critisLAB und Initiator der Veranstaltung. Und Frau Pfäffle fasst noch einmal zusammen: „In diesem Pandemie-Marathon sind wir nun allmählich bei Kilometer 38 angelangt!“. (sg)



