Ein Use-Case bei LoRaWAN: Die rechtzeitige Entleerung von Müllcontainern.

Ein Use-Case bei LoRaWAN: Die rechtzeitige Entleerung von Müllcontainern.

Bild: © Physec

Gastbeitrag von:
Christian Zenger und
Kristin Bolz,
Physec


Was vor wenigen Jahren noch als technische Spielwiese für Pilotprojekte galt, hat sich inzwischen als tragfähige Antwort auf viele Herausforderungen der Daseinsvorsorge etabliert: LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) entwickelt sich zunehmend zur Schlüsseltechnologie für die Digitalisierung kommunaler Infrastrukturen. Ob bei der automatisierten Zählerauslesung, dem Umweltmonitoring, der Füllstandserfassung, der Wärmenetzoptimierung oder der Prozessüberwachung in der Wasser- und Energieversorgung.

Mit wachsender Anzahl an Endgeräten und Anwendungen in verschiedenen Risikokategorien zeigt sich, dass der Aufbau eines leistungsfähigen LoRaWAN-Netzes mehr als das systematische Aufstellen von Gateways erfordert. Entscheidend sind eine belastbare Netzplanung, kontinuierliche Optimierung und eine sichere, skalierbare Plattformstrategie. Denn Analysen zeigen, dass Netze ab circa 25 Gateways und 1000 Endgeräten instabil werden.

Netzplanung: Ohne solide Basis kein zuverlässiges Netz

Der nachhaltige Betrieb eines LoRaWAN-Netzes beginnt bereits in der Planungsphase. Faktoren wie die Topografie, geräteabhängige Sendeprofile (beispielsweise die Anzahl an Up- und Downlinks pro Endgerät), die Paketdichte je Netzabschnitt (einschließlich anderer Funksysteme), die spektrale Nutzung sowie die angestrebte Anwendungstiefe beeinflussen maßgeblich die Netzqualität. Dabei reicht es ab einer gewissen Größe (Anzahl Gateways, Endgeräte, Fläche) nicht aus, Gateways gleichmäßig über ein Stadtgebiet zu verteilen.

Vielmehr müssen Standorte im Kontext aller funkenden Systeme bewertet, Funkkanal- und Funkprotokollverhalten simuliert und reale Empfangsbedingungen für fortlaufende Konfigurationen analysiert werden. Ein bewährter Ansatz ist die Kombination digitaler Netzsimulation (zum Beispiel unter Einbezug von GIS-Daten) und Metadaten-basierter Messkampagnen (Nutzung der real verbauten Endgeräte), bei denen die tatsächliche Funkdurchdringung in Gebäuden über die Zeit evaluiert wird. So lassen sich später aufwendige Nachjustierungen vermeiden.

Optimierung im Bestand: Aus Erfahrung besser werden

Auch bei sorgfältiger Planung zeigen sich im Realbetrieb immer wieder Schwachstellen. Diese zeigen sich insbesondere bei hohen Paketsenderaten, herausfordernden Funkbedingungen (zum Beispiel in Kellern oder Schächten), unterschiedlichen Geländeprofilen innerhalb des Netzes sowie bei mangelnder Qualitätssicherung der Gateway-Installation, etwa wenn zu fest angezogene Antennenleitungen zu Teildefekten führen. Hier bewähren sich zielgerichtete Optimierungsmaßnahmen: Standortkorrekturen, Antennenanpassungen oder verbesserte Montagehöhen können bereits signifikante Verbesserungen bewirken.

Ein Praxisbeispiel zeigt: In einem Stadtgebiet konnten durch präzise Eingriffe in die Physik und die nachrichtentechnischen Parametrisierungen, stabile Netzabdeckung und kollisionsfreie Datenübertragungsraten deutlich erhöht werden. Solche Maßnahmen zahlen sich nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich aus.

Skalierung: Vom Use Case zur Plattform

Ein entscheidender Vorteil von LoRaWAN liegt in seiner Multiprojektfähigkeit und Skalierbarkeit. Ist eine statistisch aussagefähige Grundinfrastruktur etabliert, lassen sich verschiedene Anwendungsfälle parallel aufbauen und betreiben, beispielsweise Zählerfernablesung, Pegelüberwachung, Monitoring des Gerätestatus oder Alarmsysteme. Hierbei ist zu beachten, dass Netzgüte und Kanalfehler fortlaufend bewertet werden und entsprechende Anpassungen der LoRaWAN-MAC-Parameter sowie verfügbarere Kanalkapazitäten (genutzte Frequenzen und Gateways pro Netzabschnitt) entsprechend angepasst werden. 

Mit zunehmender Komplexität steigen jedoch auch die Anforderungen an Verwaltung, Sicherheit und Integration. Gefragt sind Plattformen, die Device-Management, Monitoring, Alarmierung und Sicherheitskonfigurationen übersichtlich abbilden – idealerweise datenschutzkonform und ISMS-fähig. 

Laut Gardner [Magic Quadrant for CPS Protection Platforms, 12.02.2025] werden bis 2027 75 Prozent der Unternehmen mit starkem Fokus auf IoT-/OT-Geräte, also cyber-physische Systeme (CPS), ihre Cybersicherheitsfunktionen über spezialisierte CPS-Schutzplattformen (CPS PPs) beziehen. Beispiele für solche Plattformen sind Claroty, Nozomi oder PHYSEC IoTree. Zudem werden 45 Prozent dieser Unternehmen bei der Auswahl solcher Plattformen vorrangig auf aktive Abwehr- und Behebungsfunktionen achten, also darauf, dass die Fähigkeit zum Handeln ("doing") gegeben ist statt nur einer Analyse-Funktion ("knowing").

Die Auswahl geeigneter Softwarelösungen sollte deshalb frühzeitig berücksichtigt werden. Kriterien sind unter anderem: Security-by-Design, Systeme zur Angriffserkennung, Cyber-physische Integritätsüberwachung, Update-Management und ein rollenbasiertes Zugriffssystem.

Der Faktor Mensch: Digitalisierung braucht Kompetenzen

Auch wenn LoRaWAN eine technologische Lösung ist, so hängt der Erfolg wesentlich vom Menschen ab. Neue Systeme erfordern neue Rollen, Prozesse und Verantwortlichkeiten. Netzbetrieb, Cyber-physische Sicherheit, Datenintegration und Endkundenschnittstellen müssen gemeinsam gedacht und abgestimmt werden.
Dazu gehört nicht nur die Schulung technischer Fachkräfte, sondern auch die Etablierung bereichsübergreifender Kommunikation und klarer Zuständigkeiten. Unternehmen, die LoRaWAN nicht nur als Technikprojekt, sondern als Teil ihrer digitalen Organisationsentwicklung begreifen, schaffen die Voraussetzungen für eine nachhaltige und eigenständige Weiterentwicklung.

Fazit: Von der Funklösung zur strategischen Infrastruktur

LoRaWAN ist keine Nische mehr, sondern ein zukunftsentscheidendes Element der digitalen Stadtwerke-Strategie. Wer von Anfang an Netzqualität, Integrationsfähigkeit und Sicherheit zusammendenkt, schafft sich eine Plattform, die sowohl technisch als auch organisatorisch mitwächst.
Für eine erfolgreiche Umsetzung empfiehlt sich ein modularer Ansatz:

  • Klein aber strukturiert starten
  • Netzqualität regelmäßig validieren
  • Skalierung und Cyber-physische Sicherheit von Beginn an berücksichtigen
  • Interne Rollen klar definieren und externe Partner gezielt einbinden

So wird aus der Nischentechnologie ein verlässliches Fundament für die digitale Versorgung von morgen.

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