Derzeit sind viele Energie- und Wasserversorger mit laufenden SAP-Transformationsprojekten beschäftigt. Das bestätigt auch die aktuelle SAP-Studie 2026 von Valantic und Techconsult. Für die Untersuchung wurden 409 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Im Mittelpunkt standen die Umstellung auf SAP S/4HANA beziehungsweise SAP Cloud ERP, Betriebsmodelle, Datenplattformen und der Einsatz von künstlicher Intelligenz im SAP-Umfeld.
Über alle Branchen hinweg ist die SAP-Transformation bei vielen Unternehmen in der Umsetzung angekommen. 42 Prozent der befragten Unternehmen haben ein laufendes Implementierungsprojekt. 28 Prozent haben die Umstellung bereits abgeschlossen. Weitere 25 Prozent planen eine Umstellung. Nur fünf Prozent sehen derzeit keine Umstellung in absehbarer Zeit vor.
Branche Energie und Wasser im Speziellen
Für die Branche Energie und Wasser weist die Studie einen hohen Anteil laufender Projekte aus. Demnach befinden sich 53 Prozent der befragten Unternehmen aus dieser Branche in einem Implementierungsprojekt. Weitere 20 Prozent haben die Umstellung abgeschlossen. Damit liegt Energie und Wasser bei den laufenden Projekten vor vielen anderen Branchen.
Rüdiger Hoffmann, Partner und Managing Director bei Valantic, ordnet die Ergebnisse für die Versorgungswirtschaft entsprechend ein. Für Stadtwerke gehe es nicht mehr um die Frage, ob modernisiert werde. Entscheidend sei vielmehr, wie sich die Transformation erfolgreich umsetzen lasse. Der Fokus verschiebe sich von der strategischen Planung hin zur konkreten Umsetzung und Stabilisierung neuer ERP-Landschaften.
Kosten als wichtiger Faktor
Auffällig sind die Angaben zu den Kosten. Laut Studie nehmen vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie die Versorgerbranche die Transformationskosten als zu hoch wahr. Für die Versorger nennt die Untersuchung einen Wert von 63 Prozent. Damit gehört die Branche zu den Bereichen, in denen die Kostenfrage während der Implementierung besonders stark ins Gewicht fällt.
Auch Hoffmann sieht darin einen zentralen Punkt. Viele Versorgungsunternehmen arbeiteten mit langfristigen Investitionszyklen, regulatorischen Anforderungen und begrenzten Ressourcen. Die SAP-Transformation müsse daher nicht nur technologisch tragfähig, sondern auch wirtschaftlich belastbar sein.
Die Studie unterscheidet zwischen der Implementierungsphase und dem Produktivbetrieb. In laufenden Projekten stehen häufig Investitionshöhe, Migrationsaufwand und Projektkosten im Vordergrund. Im laufenden Betrieb verändert sich die Perspektive. Dann bewerten Unternehmen stärker, ob sich der Aufwand durch Kosteneffizienz, geringeren Infrastrukturaufwand oder automatisierte Updates auszahlt. Über alle Branchen hinweg attestieren 51 Prozent der Unternehmen SAP Cloud ERP im Produktivbetrieb Kosteneffizienz.
Gleichzeitig bleibt die Migration komplex. 30 Prozent der Unternehmen mit laufenden Projekten nennen die Komplexität der Migration als Hemmnis. Bei Unternehmen, die die Umstellung bereits abgeschlossen haben, liegt der Wert rückblickend bei 37 Prozent. Die Studie verweist dabei auch auf gewachsene Prozesslandschaften, Datenmigration, Integrationsarchitekturen und organisatorischen Wandel.
Private Cloud dominiert
Bei den Betriebsmodellen zeigt die Studie eine Verschiebung in Richtung Cloud. SAP Cloud ERP Private kommt 2026 branchenübergreifend auf einen Anteil von 64 Prozent. Die von SAP stärker forcierte Public-Cloud-Variante SAP Cloud ERP liegt bei 25 Prozent. Der Eigenbetrieb, also On-Premises, geht auf 11 Prozent zurück. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 20 Prozent.
Die Studie beschreibt die Private Cloud als dominierendes Betriebsmodell. Die Public Cloud wächst demnach nur moderat. Für viele Unternehmen bleibt die Private Cloud offenbar ein Weg, bestehende Prozesse und Individualisierungen stärker zu berücksichtigen. Auch die Migrationsstrategien zeigen dieses Bild: Der hybride Ansatz bleibt mit 47 Prozent der meistgenannte Weg. Brownfield und Greenfield liegen jeweils bei 18 Prozent, Lift and Shift – also ein bestehendes SAP-System wird weitgehend unverändert aus der bisherigen Umgebung in eine Cloud-Infrastruktur verlagert – liegt bei 17 Prozent.
Für Energie- und Wasserversorger sind diese Angaben vor allem vor dem Hintergrund regulierter und gewachsener IT-Landschaften relevant. Die Studie nennt für regulierte Branchen außerdem Sicherheits- und Compliance-Fragen als wichtige Einflussfaktoren bei Architekturentscheidungen.
Regulatorik spielt große Rolle
Besonders deutlich wird der Branchenbezug bei den regulatorischen Anforderungen. In der Implementierungsphase nennen 63 Prozent der Versorger regulatorische Anforderungen als relevanten Faktor. Im Produktivbetrieb bleibt der Wert mit 60 Prozent ebenfalls hoch. Die Studie verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf Vorgaben wie KRITIS oder NIS 2.
Hoffmann verweist ebenfalls auf die besondere Rolle der Regulierung. Themen wie KRITIS, NIS 2, Auditfähigkeit, Dokumentationspflichten und Datenhoheit seien für Stadtwerke keine Randthemen, sondern zentrale Steuerungsgrößen der Transformation. Cloud-Strategien müssten daher dauerhaft kontrollierbar und Compliance-fähig gestaltet werden.
Digitale Souveränität
Auch Fragen der digitalen Souveränität werden in der Studie aufgegriffen. 39 Prozent der Unternehmen äußern während der Implementierung Sicherheitsbedenken gegenüber Cloud-Architekturen. 38 Prozent nennen regulatorische Anforderungen als Hindernis. Gleichzeitig sehen 38 Prozent Vorteile bei der Datensicherung. In der Produktivphase steigt dieser Wert auf 47 Prozent, während Sicherheitsbedenken auf 34 Prozent zurückgehen.
Für die Versorgerbranche ist zudem der Blick auf souveräne Cloud-Angebote relevant. Laut Studie sehen 67 Prozent der Versorger in einer SAP Sovereign Cloud eine Möglichkeit, bestehende Bedenken gegenüber Cloud-Technologien zu reduzieren. Über alle Branchen hinweg liegt dieser Wert bei 45 Prozent.
Aus Sicht von Hoffmann zeigt dieser Wert, dass für Stadtwerke nicht mehr allein entscheidend sei, ob sie Cloud-Technologien nutzen, sondern wie sie dies tun. Digitale Souveränität werde damit zu einem Architekturprinzip, das Innovationsfähigkeit mit Kontrolle, Sicherheit und Compliance verbinden soll.
Daten und KI rücken nach
Neben der ERP-Migration untersucht die Studie auch die Rolle der SAP Business Technology Platform, kurz BTP, und der SAP Business Data Cloud, kurz BDC. Die BTP wird laut Studie zunehmend als Plattformschicht für Integration, Datenarchitekturen, Automatisierung und KI verstanden. Jeweils 51 Prozent der befragten branchenübergreifenden Unternehmen nennen Artificial Intelligence und die SAP Business Data Cloud als interessante Funktionen der BTP. Automation folgt mit 44 Prozent, Integration mit 40 Prozent.
Die SAP Business Data Cloud wird in der Studie als wichtiger Baustein für das Datenmanagement beschrieben. 60 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass die SAP BDC integraler Bestandteil ihres Datenmanagements ist oder werden soll. Jedes zweite Unternehmen sieht darin eine Möglichkeit, Systemintegration zu vereinfachen und Datensilos abzubauen.
Künstliche Intelligenz
Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz im SAP-Umfeld wird in der Studie abgefragt. 67 Prozent der Unternehmen setzen KI demnach bereits konkret ein oder haben sie in Geschäftsprozesse integriert. Bei den priorisierten KI-Funktionen stehen AI Agents mit 42 Prozent an erster Stelle. Danach folgen Planung und Analyse mit KI mit 41 Prozent sowie KI-Unterstützung für Mitarbeitende in der Entwicklung mit 37 Prozent. Direkt in SAP-Produkten integrierte KI-Funktionen kommen auf 36 Prozent. Der KI-Assistent Joule erreicht 16 Prozent.
Die Studie beschreibt dabei eine Verschiebung von allgemeinen Chat-Interfaces hin zu stärker prozessbezogenen KI-Funktionen. Unternehmen erwarten demnach vor allem Anwendungen, die innerhalb definierter Geschäftsprozesse unterstützen, Aufgaben ausführen oder Analysen ermöglichen.



