Von links: Thomas Marcon und Roman Chrustowski (beide Geschäftsführer von Utiligence) sowie Peter Stock (Partner und Head Utilities Practice bei Valantic)

Von links: Thomas Marcon und Roman Chrustowski (beide Geschäftsführer von Utiligence) sowie Peter Stock (Partner und Head Utilities Practice bei Valantic)

Bild: © Utiligence/Valantic

Utiligence hat sich in den vergangenen Jahren als spezialisierter SAP-Partner in der Energiewirtschaft etabliert. Zu den Kunden gehören die Stadtwerke München oder Partner aus dem Thüga-Umfeld. Im Sommer 2025 wurde bekannt, dass das Unternehmen Teil von Valantic wird. Im Gespräch mit der ZfK erklären Thomas Marcon und Roman Chrustowski (beide Geschäftsführer von Utiligence) sowie Peter Stock (Partner und Head Utilities Practice bei Valantic), warum sie sich zusammengeschlossen haben, wie sie mit Stadtwerken durch die SAP-Transformation kommen wollen und welche Rolle KI, Datenqualität und IT-Sicherheit dabei spielen.

Utiligence ist fester Partner vieler großer Stadtwerke. Warum haben Sie sich für den Zusammenschluss mit Valantic entschieden?

Thomas Marcon: Als mittelständisches Unternehmen mit rund 45 Mitarbeitenden haben wir gemerkt, dass wir an Wachstumsgrenzen stoßen. Der Markt fordert immer mehr Themen gleichzeitig: SAP S/4HANA, Cloud, IT-Security, KI, hinzu kommt die Wärme-, Mobilitäts- und Energiewende. Es fehlten uns schlicht Ressourcen: personell, fachlich und auch finanziell. Mit Valantic haben wir einen Partner gefunden, der nicht nur fachlich gut zu uns passt, sondern auch unsere Werte teilt.

Roman Chrustowski: Genau. Unternehmertum, Qualität und ein Streben nach operativer Exzellenz verbinden uns. Das war für uns entscheidend.

Peter Stock: Für Valantic ist Utiligence eine ideale Ergänzung. Wir sind eine wachsende Digitalberatung mit über 4.000 Mitarbeitenden und stark in SAP Core, Asset Management, Customer Experience und IT-Security. Was uns bislang fehlte, war eine tiefe IS-U-Expertise. Genau das bringt Utiligence mit.

Handelt es sich um eine klassische Übernahme oder eine Partnerschaft?

Roman Chrustowski: Utiligence bleibt als GmbH bestehen. Wir agieren weiterhin mit eigener Geschäftsführung, aber eng abgestimmt mit Valantic. Langfristig ist eine Integration denkbar, aber aktuell wollen wir unsere Stärken zusammenführen, ohne die Identität zu verlieren.

Peter Stock: Für unsere Kunden bleibt Utiligence Ansprechpartner. Der Unterschied ist: Wir können nun gemeinsam ein viel breiteres Portfolio anbieten; beginnend bei Management Beratung oder SAP Transformationsprojekten über kundenspezifische Smart Industries Lösungen, Customer Experience oder KI bis zur IT-Sicherheit und -Betrieb.

Die Transformation auf SAP S/4HANA ist aktuell eines der großen Themen im Markt. Wie nehmen Sie die Lage wahr?

Peter Stock: Der Markt ist überhitzt. Viele Unternehmen, vor allem in Deutschland, haben ihre Projekte aus verschiedenen Gründen aufgeschoben und starten jetzt gleichzeitig. Die Nachfrage nach erfahrenen Beraterinnen und Beratern ist hoch. In der Schweiz etwa sind viele schon durch, weil sie schon vor Jahren angefangen haben. Hierzulande geht es jetzt erst richtig los. Die große Herausforderung ist, wie man solche Projekte effizient und mit seinem Budget stemmen kann. Es wird eine sehr interessante Marktphase für die nächsten Jahre werden.

Roman Chrustowski: Es fehlen nicht nur Berater, sondern auch die Kapazitäten in den Fachbereichen. Dort laufen ja parallel noch viele andere Themen. Aus unserer Sicht ist absehbar, dass nicht alle Kunden den Stichtag 2027 einhalten können.

Thomas Marcon: Es gibt schon noch Berater-Kapazitäten am Markt, aber vollumfängliche Projekte mit mehreren tausend Leistungstagen sind kaum mehr allein umsetzbar. Es braucht Partnerschaften, gute Projektplanung und klare Prioritäten. Kleine, realistische Schritte bringen mehr als ein Überprojekt.

Was droht, wenn man den Umstieg nicht rechtzeitig schafft?

Roman Chrustowski: SAP stellt die Wartung ein. Das bedeutet nicht sofort Stillstand, aber man muss den Betrieb eigenverantwortlich absichern, etwa mit Dienstleistern. Und es entstehen Zusatzkosten.

Wie wichtig ist Datenqualität bei diesen Transformationsprojekten?

Roman Chrustowski: Enorm wichtig. Datenqualität entscheidet über den Erfolg der Transformation. Viele unterschätzen das. Wir sagen immer: Stammdaten sind nicht alles, aber ohne Stammdaten ist alles nichts. Gerade bei automatisierten Prozessen ist das elementar.

Thomas Marcon: Das gilt softwareunabhängig – ob zum Beispiel Wilken, Schleupen, SIV oder SAP. Wir sehen viele Probleme bei verteilten Prozessen, in der Marktkommunikation und Bilanzierung. Mit unserem Tool „uCheck“ helfen wir dabei, Messkonzepte zu standardisieren und Altdaten aufzuräumen. Und nicht nur das: Mit dem U-Check kann bereits vor dem Start des Transformationsprojekts begonnen werden. Das spart Zeit, schont Nerven und verhindert explodierende Kosten während des Projekts.

Eine wichtige Rolle spielt inzwischen auch künstliche Intelligenz. Wie viel Potenzial steckt hier aus Ihrer Sicht für Energieversorger?

Thomas Marcon: KI kann viel. Aber der Nutzen hängt stark vom Anwendungsfall ab. Netzbetrieb, Wartung, Kundenservice, Energiehandel: All das sind Einsatzfelder. Wichtig ist, dass Stadtwerke sich genau überlegen: Was bringt uns wirklich einen Vorteil? Und nicht einfach "KI, weil es alle machen".

Peter Stock: KI ist kein Selbstzweck. Aber wir bringen Erfahrungen aus anderen Branchen mit, etwa bei Lastprognosen, Kundenbindung oder Predictive Maintenance. Vieles davon lässt sich übertragen. Gemeinsam können wir das nun auch für Energieversorger nutzbar machen.

Woran scheitert es bei KI in der Praxis?

Thomas Marcon: Anwendungsfälle gibt es viele, aber es fehlt oft an Know-how, Ressourcen und Infrastruktur. Gerade kleinere Stadtwerke brauchen Unterstützung bei der Umsetzung. Deshalb ist es hilfreich, wenn Beratung und Technologiekompetenz Hand in Hand gehen, wie jetzt bei uns.

Ein weiteres großes Thema: IT-Sicherheit. Was bieten Sie hier an?

Peter Stock: Valantic ist in anderen Branchen stark in der Cybersecurity aktiv inklusive Darknet-Analysen. Dieses Know-how bringen wir jetzt verstärkt in die Energiewirtschaft. Utiligence hat zudem langjährige Erfahrung im Smart-Meter-Umfeld, etwa bei der Gateway-Administration. Wir sehen hier großes Potenzial für Synergien.

Thomas Marcon: Wir helfen etwa bei Sicherheitskonzepten für den BSI-Systemverbund, begleiten Audits und beraten zur Paragraf-14a-Steuerung. Mit Valantic im Rücken können wir das nun deutlich ausbauen.

Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend für erfolgreiche IT-Projekte in der Energiebranche?

Thomas Marcon: Ganz klar: realistische Planung. Und das beginnt mit glasklar definierten Zielen. Wer mit vagen Vorstellungen startet, scheitert oft. Dazu kommt: Der Leistungsumfang darf sich nicht unbemerkt ausweiten. Das passiert öfters als man denkt. Da braucht es ein starkes Projektmanagement, das von Anfang an sauber den Anforderungsumfang definiert und das auch durchhält. Das ist im Alltag nicht so einfach zu gewährleisten, aber es geht nicht anders. 

Roman Chrustowski: Wichtig ist auch, sich von sehr individuellen Ausprägungen zu lösen. Nicht alles muss neu erfunden werden. Standards helfen, Termine zu halten und Kosten zu senken. Und: Datenqualität nicht vergessen.

Peter Stock: Zukunftsfähige IT-Systeme müssen skalierbar, sicher, integrationsfähig und benutzerfreundlich sein. Und sie müssen mit einem Ökosystem aus erfahrenen Partnern betrieben werden können. Das sichert langfristig den Erfolg.

Das Interview führte Stephanie Gust

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper