Im Kundendialog: TAP nutzte den direkten Austausch auch auf der E-world.

Im Kundendialog: TAP nutzte den direkten Austausch auch auf der E-world.

Bild © Michael Breuer | photokonzept

Inzwischen planen 33 Energieversorgungsunternehmen auf die Thüga Abrechnungsplattform (TAP) zu migrieren. Zum Hintergrund: Nach dem Neustart im Oktober 2024 waren es 29. Noch während der Plattformentwicklung konnte TAP aber um vier neue Stadtwerke wachsen: Stadtwerke Altensteig, Freudenstadt, Tauberfranken und Wertheim. Alle vier neuen Partner werden die Plattform für Vertrieb und Netz nutzen.

Die ersten Unternehmen wollen noch in diesem Jahr ihre energiewirtschaftlichen Kernprozesse über die neue, SAP-basierte Plattform abwickeln. Für die ZFK Anlass, bei den beteiligten EVU nachzufragen, wie sie den Plattformaufbau erleben – besonders mit Blick auf Organisation, Prozesse und Mitarbeitende.

"Aus dem ersten Versuch wissen wir, wie wichtig es ist, die Mannschaft mitzunehmen", heißt es bei der Energie Mittelsachsen (EMS). Der regionale Versorger gehörte beim ersten Anlauf zu jenen Häusern, die als Vorreiter auf die Plattform migrieren sollten. Jetzt ist der operative Wechsel auf TAP für Mitte 2027 geplant. Dennoch haben die Vorbereitung bereits begonnen. Dazu zählen Datenbereinigung, der Aufbau interner Projektstrukturen sowie die frühzeitige Einbindung des Betriebsrats. Veränderungen beträfen nicht nur technische Abläufe, sondern die gesamte Organisation.

Change vor Technik

EMS zählt zu den kleineren Versorgern innerhalb der TAP-Gemeinschaft. Für den Regionalversorger war gerade dessen Größe ein Argument für den Plattformansatz. "Für uns als kleineres Haus wäre ein derartiges Projekt nicht stemmbar." Die Plattform verspreche Entlastung von schwerfälligen Prozessen und eröffne Spielräume für Zukunftsthemen. Trotz der Erfahrungen aus dem ersten Projektanlauf hält man an TAP fest. "TAP bedeutet für die Energie Mittelsachsen GmbH einen Quantensprung, der unser kleines Haus weit nach vorn bringt."

Zugleich richtet EMS den Blick auf die frühen Anwender innerhalb der TAP. "Wovon wir profitieren können, ist zum einen das Aus-dem-Weg-Räumen der Felsbrocken" heißt es. Zum anderen zeigten die ersten Umstellungen frühzeitig, an welchen Stellen es hakt, sodass diese Erfahrungen in die eigene Vorbereitung einfließen können.

Integration als kritischer Punkt

Während EMS den Schwerpunkt auf Change-Management und Organisation legt, rücken bei größeren EVU zum Beispiel technische und integrative Fragen stärker in den Vordergrund. Das zeigt sich etwa bei der Wemag, die zu jenen TAP-Häusern zählt, die nicht nur als erste auf die Plattform migrieren, sondern auch als Nicht-SAP-Haus.

"Aktuell sehen wir deutliche Fortschritte in der Konzeptklarheit und Zielarchitektur der TAP." Die fachlichen Kernprozesse der Abrechnung und Marktkommunikation sind weitgehend definiert. Gleichzeitig verweist die Wemag auf offene Baustellen. "TAP ist weniger ein klassisches IT-Projekt als vielmehr ein Transformationsprogramm – technisch, prozessual, organisatorisch und kulturell", erklärt das Unternehmen.

Insbesondere Themen wie Redispatch 2.0 oder ein integriertes EEG-Modul seien geschäftskritisch. Der Aufwand sei erheblich. "Wir sehen den Wechsel weniger als Einmalprojekt, sondern als mehrjährige Transformationsreise."

Als Nicht-SAP-Haus spürt die Wemag den Technologiesprung besonders deutlich. Die Entscheidung für SAP sei aus Plattform- und Skalierungssicht nachvollziehbar. Für Non-SAP-Häuser entstünden jedoch zusätzliche Anforderungen. "Wichtig ist, dass bei TAP Non-SAP-Häuser nicht als Sonderfall, sondern als gleichwertiger Bestandteil der Plattformstrategie betrachtet werden."

Früher Einstieg, hoher Aufwand

Bei der Rhönenergie wird der Aufbau der Plattform ebenfalls als Kraftakt beschrieben. Das Unternehmen zählt zu den Stadtwerken, die die TAP bereits in einer frühen Projektphase begleitet und den Plattformaufbau daher über mehrere Entwicklungsstufen hinweg mitgestaltet haben. Da der Go-Live-Termin für das Frühjahr 2027 geplant ist, befindet sich die Rhönenergie bereits mitten in der Umstellung. "Die Einzelkomponenten reifen inzwischen zu einer konsolidierten Plattform zusammen", heißt es zum aktuellen Stand. Zugleich sei der Weg lang und anspruchsvoll gewesen.

Besonders deutlich werde der Aufwand beim Übergang in den Betrieb. "Ein eigenes Transitionsprojekt ist aus eigener Kraft nicht leistbar", erklärt das Unternehmen. Der parallele Betrieb mit den Fachabteilungen müsse während der Migration aufrechterhalten werden. "Transitionskosten und Projektaufwände sind weitaus höher als erwartet." Dennoch sieht Rhönenergie im Plattformansatz klare Vorteile. Die Entscheidung für SAP bewertet das Unternehmen eindeutig: "Beste Entscheidung ever. Nur mit der SAP als starken Partner kommen wir zum Ziel."

Lernen von den Frühstartern

Einen anderen Blick nehmen die Stadtwerke Wertheim ein. Das Stadtwerk hat sich erst spät dazu entschieden, Teil der TAP-Gemeinschaft zu werden. Mitte 2025 sei die Entscheidung dazu gefallen. "Die Entscheidung für die TAP basiert auf dem Ziel, Effizienz und Innovation zu vereinen", so das Unternehmen. Demnach soll nicht nur der regulatorische Rahmen erfüllt, sondern auch die Grundlage für neue Geschäftsmodelle, stärkere Kooperationen innerhalb der Thüga Gruppe und langfristige Wettbewerbsfähigkeit geschaffen werden. "Die Entscheidung für die TAP ist nicht nur eine technische, sondern eine strategische Weichenstellung für eine nachhaltige Wertschöpfung."

Der systemseitige Umstieg ist dort erst für September 2027 vorgesehen. Dennoch zieht das Unternehmen bereits heute Lehren aus dem Transformationsprozess. Die Erfahrungen der Frühstarter würden genutzt, "um Fehler zu vermeiden, Best Practices zu übernehmen und die eigene Transformation effizienter vorzubereiten". Der spätere Einstieg ermögliche es, Organisation und Fachbereiche frühzeitig auf den Plattformbetrieb auszurichten.

Fazit: Zusammenarbeit entscheidet

Über alle Häuser hinweg wird TAP nicht als fertiges Produkt verstanden, sondern als gemeinschaftliches Vorhaben. Die EVU beschreiben den Plattformaufbau als anspruchsvoll und ressourcenintensiv. Zugleich betonen sie, dass sich die Zusammenarbeit im Projektverlauf verändert habe.

"Die Erwartungen, uns als Partner wahrzunehmen, wurden erfüllt", bestätigt man bei EMS. Bei der Wemag wird die Rolle der TAP-Steuerungsgesellschaft als "vermittelnde und koordinierende Einheit" hervorgehoben. Rhönenergie spricht wiederum von einer Zusammenarbeit, die "fokussiert, zielorientiert, manchmal kontrovers, aber trotzdem partnerschaftlich und respektvoll" sei.

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