Patrick Frontzek ist einer der beiden Geschäftsführer der TAP Steuerungsgesellschaft.

Patrick Frontzek ist einer der beiden Geschäftsführer der TAP Steuerungsgesellschaft.

Bild: © TAP Steuerungsgesellschaft

Die Accenture-TAP-Plattform steht vor einer entscheidenden Phase. Nach der Umstellung auf SAP S/4HANA und einem organisatorischen Neustart soll die cloudbasierte Lösung ab 2026 schrittweise bei den ersten Stadtwerken in den Regelbetrieb gehen.

Ziel ist es, energiewirtschaftliche Kernprozesse zentral abzubilden und zu standardisieren. Patrick Frontzek, Geschäftsführer der TAP Steuerungsgesellschaft (TAP SG), spricht mit der ZfK über den aktuellen Stand, den Mehrwert für Stadtwerke und die Rolle der TAP SG im Plattformbetrieb.

"Wir haben wesentliche Hürden genommen"

Das Jahr 2025 sei für das Projekt anspruchsvoll gewesen, sagt Frontzek. Die technische Weiterentwicklung der Plattform, der Aufbau der Governance-Strukturen und die Vorbereitung der Migrationen liefen parallel. "Betrachtet man die Entwicklung der Plattform insgesamt, sind wir heute weit fortgeschritten", erklärt er. Zugleich betont Frontzek, dass die kommenden Monate entscheidend bleiben. Migrationen, Tests und der operative Anlauf müssten parallel zum laufenden Geschäft der beteiligten Stadtwerke erfolgen. Das stelle hohe Anforderungen an alle Beteiligten.

TAP ist als zentrale, cloudbasierte Plattform konzipiert, über die energiewirtschaftliche Kernprozesse gebündelt werden. Abgebildet werden sollen unterschiedliche Marktrollen, Sparten und regulatorische Anforderungen in einer einheitlichen Systemlandschaft. Nach Angaben der TAP SG sind derzeit 33 kommunale Partnerunternehmen beteiligt. Perspektivisch sollen über die Plattform mehrere Millionen Zählpunkte abgewickelt werden. Die ersten produktiven Go-lives sind für 2026 geplant.

Plattformansatz für Stadtwerke

Frontzek bezeichnet TAP als eines der größten laufenden IT-Projekte in der deutschen Energiewirtschaft. Begründet sieht er das in der technischen Komplexität, der Vielzahl beteiligter Unternehmen sowie im Anspruch, Migration, Betrieb und Weiterentwicklung gleichzeitig sicherzustellen. Die Plattform kombiniere die Technologie- und Integrationskompetenz von Accenture mit SAP als technologischem Kern und der fachlichen Expertise kommunaler Energieversorger.

Aus Sicht der TAP SG liegt der Mehrwert für Stadtwerke vor allem in der Standardisierung und Skalierung zentraler Prozesse. Viele Versorger stünden unter hohem Kostendruck, hätten begrenzte personelle Ressourcen und müssten sich gleichzeitig auf regulatorische Änderungen sowie das Wartungsende bestehender Systeme einstellen.

"Mit der Plattform können Stadtwerke ihre Kernprozesse modernisieren, ohne jeden Schritt individuell entwickeln zu müssen", sagt Frontzek. Einheitliche Meter-to-Cash-Prozesse, ein gemeinsames Qualitätsniveau und ein nutzungsabhängiges Abrechnungsmodell sollen Planungssicherheit schaffen.

Ein weiterer Baustein sei der Austausch innerhalb der beteiligten Unternehmen. Erfahrungen aus dem Betrieb würden gebündelt und in die Weiterentwicklung der Plattform eingebracht. Ziel sei es, praxistaugliche Standards zu etablieren, die den Anforderungen des kommunalen Alltags gerecht werden.

Rollenverteilung zwischen Accenture und TAP SG

Zentral für den Plattformbetrieb ist die Arbeitsteilung zwischen Accenture und der TAP Steuerungsgesellschaft. Accenture fungiert als Generalunternehmer und verantwortet Integration, Skalierung und SAP-Expertise. Die TAP SG übernimmt die Rolle des Branchenpartners. Sie vertritt die Interessen der kommunalen Unternehmen, übersetzt fachliche Anforderungen in Plattformlogik und verantwortet Governance sowie energiewirtschaftliche Qualität.

Auch nach Abschluss der technischen Entwicklung sieht Frontzek die TAP SG in einer aktiven Rolle. Sie begleite die Stadtwerke beim Übergang auf die Plattform, unterstütze den laufenden Betrieb und organisiere den Austausch innerhalb der Community. Eine klassische Übergabe an einen reinen Plattformbetreiber sei nicht vorgesehen.

Marktbeobachtung und Ausblick

Das Interesse am Plattformansatz sei spürbar, berichtet Frontzek. Viele Stadtwerke beobachteten die Entwicklung genau und prüften derzeit, welche Optionen sich ab 2026 für sie ergeben. Einige Häuser warteten bewusst erste Go-lives ab, bevor sie eine Entscheidung träfen. Die kommenden Monate seien daher richtungsweisend.

Für 2026 sind die ersten produktiven Einsätze geplant. 2027 soll der Plattformbetrieb weiter stabilisiert werden. "Wir wissen, dass Vertrauen im Markt nur über verlässlichen Betrieb entsteht", sagt Frontzek. Entscheidend werde sein, ob es gelingt, die Plattform im Alltag der Stadtwerke nachhaltig zu etablieren.

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