Das Einführungsszenario zur fristgerechten Umsetzung der BNetzA-Festlegung zum Universalbestellprozess beschreibt notwendige Maßnahmen zur Einführung der neuen Regelungen.

Das Einführungsszenario zur fristgerechten Umsetzung der BNetzA-Festlegung zum Universalbestellprozess beschreibt notwendige Maßnahmen zur Einführung der neuen Regelungen.

Bild: © Quique Olivar/AdobeStock

Von Stephanie Gust

Was in Dänemark bereits gelebte Praxis ist, gilt in Deutschland noch als Zukunftsvision: Stromkundinnen und -kunden zahlen dort stundengenau auf Basis ihres tatsächlichen Verbrauchs. Der Energiepreis richtet sich direkt nach dem Spotmarkt, intelligente Messsysteme liefern die notwendige Datenbasis, dynamische Tarife gehören längst zum Standard.

In Deutschland hingegen kommt die Entwicklung nur schleppend voran – nicht allein wegen des zögerlichen Rollouts intelligenter Messsysteme, sondern auch aufgrund fehlender durchgängiger Systemlösungen, die solche Marktmechanismen technisch und operativ abbilden können. An diesem Punkt setzt Midas Energy an. Nach Angaben des Anbieters digitalisiert die Softwarelösung aus dem dänischen Aalborg Vertriebsprozesse, bildet das gesamte Vertriebsabsatzportfolio ab und stellt die erforderlichen Zeitreihendaten für nachgelagerte Abrechnungsschritte bereit.

Herausforderung dynamische Stromtarife

Dynamische Stromtarife stellen ERP-Systeme vor Herausforderungen: "Diese Systeme wurden ursprünglich für statische Tarife konzipiert – eine Verarbeitung und Bewertung von Zeitreihen ist damit kaum möglich", sagt Thomas Schmidt, verantwortlich für das operative Geschäft in Deutschland bei Midas Energy. Dabei sei gerade diese Fähigkeit angesichts volatiler Marktpreise zunehmend zentral.

Midas setzt daher auf eine vollständig integrierte Kalkulation auf Basis von Marktpreis- und Verbrauchszeitreihen. In vielen Unternehmen müssen dafür bislang Daten aus unterschiedlichen Systemen – etwa CRM, EDM und ERP – manuell zusammengeführt und in Excel verarbeitet werden. Dieser manuelle Zwischenschritt ist laut Schmidt fehleranfällig: "Bereits kleine Verschiebungen in der Zeitreihe können zu falschen Ergebnissen führen, die im Nachhinein schwer nachvollziehbar sind."

Medienbruchfreier Prozess

Mit dem Ansatz eines durchgängig digitalen Workflows will Midas Energy die Abläufe zwischen Vertrieb und Handel vereinfachen. Sobald ein Angebot kalkuliert und vom Kunden angenommen wird, lässt sich die kontrahierte Energiemenge direkt in das Portfoliomanagement überführen – ein medienbruchfreier Prozess, der laut Unternehmen das Preisrisiko deutlich reduziert.

Auch bestehende IT-Strukturen lassen sich integrieren: Daten aus ERP-, CRM- oder EDM-Systemen werden automatisch übernommen, die Preisberechnung erfolgt zentral in der Midas-Plattform. Die Ergebnisse fließen anschließend zurück in die jeweiligen Quellsysteme.

Besondere Bedeutung kommt dieser Funktionalität im Kontext des novellierten § 14a EnWG zu. Mit Modul 3 entstehen neue Anforderungen an die zeitvariable Verrechnung von Netzentgelten. Midas stellt dafür Schnittstellen zu etablierten Dienstleistern wie Ene’t oder GET AG bereit, um Netzentgelte automatisiert und dynamisch in die Kalkulation einfließen zu lassen.

Vertragsmodelle mit mehreren Produkten – Standard in Dänemark

Die Systemlogik orientiert sich am dänischen Markt, wo Midas bereits für die Preisbildung von rund 63 Prozent der Stromzähler eingesetzt wird. Haushaltskunden kombinieren dort Festpreis- und Spotmarktanteile innerhalb eines Vertrags, zum Beispiel Festpreise in Q1 und Q4, Spotpreise im Sommer – abgebildet in einer einheitlichen Vertragsstruktur mit mehreren Produkten.

In Deutschland ist eine solche Flexibilität bislang nicht verfügbar. "Hier fehlt es schlicht an Systemen, die das leisten können", sagt Schmidt. Gleichzeitig zeigt das Beispiel Dänemark: Transparente, flexible Preismodelle führen zu mehr Resilienz – wie sich während der Energiepreiskrise 2022 deutlich zeigte.

Monitoring statt Bauchgefühl

Ein zentrales Element der Plattform ist das kontinuierliche Monitoring auf Vertrags- und Kundenebene. Zwar verfügen viele Energieversorger über ein gutes Verständnis ihres Gesamtportfolios, doch häufig fehlt eine präzise, systemgestützte Auswertung auf Einzelvertragsbasis. Midas will diese Lücke schließen, indem die Software den Echtzeitverbrauch viertelstundengenau mit prognostizierten Lastgängen abgleicht und die Abweichungen auf Basis aktueller Marktpreise bewertet.

Vertragsänderungen lassen sich dabei unmittelbar berücksichtigen. Wird beispielsweise eine Abnahmestelle veräußert oder verändert sich das Verbrauchsverhalten signifikant, erfasst das System die Auswirkungen auf Deckungsbeiträge und Handelspositionen und schlägt konkrete Anpassungen vor. "So lässt sich die Wirtschaftlichkeit eines Vertrags auch bei veränderten Rahmenbedingungen sichern", sagt Thomas Schmidt, operativ verantwortlich für den deutschen Markt bei Midas Energy.

Zielgruppe

Die Midas-Plattform richtet sich in erster Linie an mittelgroße und große Energieversorger mit eigenem B2B- oder Individualkundenvertrieb sowie an Unternehmen mit klarer Wachstumsstrategie. Gerade in volatilen Märkten steigen die Anforderungen an Transparenz, Reaktionsgeschwindigkeit und interne Abstimmung.

"Wenn Vertrieb und Handel nicht eng verzahnt agieren, entstehen Risiken – etwa durch ungesicherte Vertragsabschlüsse", warnt Schmidt. Midas begegnet diesen Herausforderungen mit einem integrierten System, das auf Automatisierung, Kontrolle und Echtzeittransparenz setzt. Ziel sei es, nicht nur Prozesse zu digitalisieren, sondern auf Grundlage belastbarer und revisionssicherer Daten fundierte Entscheidungen zu ermöglichen – und damit auch das Risiko im Handels- und Vertragsmanagement nachhaltig zu reduzieren.

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