Ein längerer Stromausfall kann für viele Rechenzentrumsbetreiber das wirtschaftliche Aus bedeuten. Ohne eine hochsichere, verfügbare und redundante Stromversorgung sind heutige Rechenzentren (RZ) nicht mehr denkbar. Um Notfallkonzepte und Standortfaktoren ging es unter anderem beim Data Center Expert Summit des Eco-Verbandes der Internetwirtschaft.
"Wir haben ein starkes Interesse an nachhaltigen Rechenzentren", erklärte Markus Blüm, Technischer Geschäftsführer, Kraftwerke Mainz-Wiesbaden, gleich zu Begann. Er vertrat unter anderem die Seite der Energieversorger und konnte aus eigener Erfahrung berichten: Eine gesicherte Stromversorgung ist für die Betreiber entscheidend.
Intelligente Infrastrukturen
"Bei der Versorgung von Rechenzentren wollen wir die vorhandene Infrastruktur kombinieren mit den Bedürfnissen der Betreiber. Hier können wir viele Synergien nutzen", betonte Blüm. Dazu sollen RZs in intelligente Infrastrukturen integriert werden. Antje Tauchmann, Head of Marketing, Maincubes One, einem RZ-Betreiber, bekräftigte: "Unser Standort in Offenbach steht bereits auf dem Gebiet der EVO Offenbach. Die Standortwahl wird dem Energieversorger in Zukunft häufiger folgen."
Tauchmann erwartet, dass Versorger künftig Vorgaben für den Standort von RZs machen werden. So lasse sich auch die Konzentration von RZs, zum Beispiel am Standort Frankfurt, verringern. "Inzwischen schauen wir bei der Standortwahl für künftige Standorte, ob vor Ort beispielsweise Ökostrom vorhanden ist", ergänzte sie.
Kopplung mit Wärme
Doch nicht nur die Verfügbarkeit von Strom kann die Standortwahl beeinflussen. Auch bei der Abwärme spielt das Thema eine Rolle. Denn in den RZs entsteht viel Abwärme. Diese befindet sich aber auf einem Temperaturniveau, für das es wenig Anwendung gibt. Bei neueren Siedlungen sei ein Anschluss möglich, erläutert Blüm. "Bei bestehenden Siedlungen benötigen wir bei der Wärmeversorgung jedoch eine höhere Vorlauftemperatur. Deshalb müssen wir eine Wärmepumpe dazwischenschalten.“
Nur so könne die Wärme aus den RZs auf das Niveau gehoben werden, um sie als Fernwärme in der Stadt zu verteilen. Derzeit sind viele RZs jedoch so angesiedelt, dass die Wärme noch nicht sinnvoll genutzt werden kann. Auch die Wärmeversorgung ist deshalb ein Faktor, den Betreiber und Energieversorger künftig bei der Standortwahl von Data Centers berücksichtigen dürften.
Notversorgung mit Diesel?
Die intelligente Wahl von Standorten hat noch einen weiteren Vorteil. Den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden gelingt es bereits jetzt, Notstromaggregate auf Diesel-Basis mit vorhandenen Gaskraftwerken, die auf Reserve laufen, zu ersetzen. So können die entsprechenden Emissionen der Diesel-Verbrennung eingespart werden.
Jens Kunkel, Geschäftsführer, ABB, ergänzte: "Auch wir befassen uns seit Jahren mit neuen Konzepten für Notstromaggregate. So lange Wasserstoff so teuer wird, ist es schwer, den Diesel damit zu ersetzen. Was die Effektivität angeht, sind Wasserstoff und Brennstoffzellen dem Diesel jedoch überlegen."
Brennstoffzellen ausgereift
Hürden sieht Kunkel jedoch nicht nur in der Effektivität. "Ein Notstromdiesel kann notfalls noch ein sehr guter KfZ-Mechaniker warten. Bei der Brennstoffzelle sieht das anders aus." Die Wartung könnte sich langfristig als Herausforderung darstellen.
Blüm ergänzte: "Bei Brennstoffzellen ist die Technik ausgereift. Wenn sie nur als Ersatz dienen, sollte das finanziell auch machbar sein. Aber es gibt natürlich Berührungsängste." Dennoch sei Rückverstromung aus Wasserstoff weitgehend ausgereift. Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden betreiben aktuell selbst zwei Elektrolyseure. (jk)
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