Es war eine Nachricht, die vergangene Woche in der Energiewelt für Aufsehen sorgte: Wie der Oldenburger Energiekonzern EWE bestätigte, will er 25.000 moderne Messeinrichtungen tauschen. Grund ist ein möglicher Fabrikatsfehler bei den betroffenen Geräten. Doch was genau steckt dahinter? Die ZfK hat beim chinesischen Hersteller Holley nachgefragt.
Holley produziert sowohl Steckform-Zähler (eHZ) als auch Dreipunkt-Montagezähler (3.HZ). Das Displayausfall-Problem betreffe ausschließlich die dreiphasigen 3.HZ-Zähler, die um das Jahr 2023 ausgeliefert wurden, erklärte Geschäftsführer Haibo Wang nun auf ZfK-Nachfrage.
Das Modell DTZ541-ZEBA sei eine spezifische Variante dieser Serie. "Jedoch sind nicht alle Zähler dieses Modells betroffen. Nur einige Kunden, die diesen Zählertyp gekauft haben, sind von diesem Problem betroffen."
Neue Zählerplatine und Störsignale als Ursache
Die Hauptursache für das Problem liegt Wang zufolge nicht in einem generellen Fabrikationsfehler, sondern an zwei spezifischen Aspekten: Man habe Ende 2022 das Design der Zählerplatine erneuert. "Diese neue, aktualisierte Variante wurde bereits in über einer Million Geräten weltweit erfolgreich eingesetzt. Unsere Ingenieure haben sie deshalb als zuverlässig eingestuft."
Es habe sich jedoch herausgestellt, dass diese neue Platine nicht optimal mit den komplexen Bedingungen des deutschen Stromnetzes kompatibel sei. Wang konkretisiert: "Durch Deutschlands erfolgreiche Energiewende gibt es eine Vielzahl von erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Solaranlagen. Die von diesen Wechselrichtern erzeugte Energie enthält erhebliche Störsignale, die von der neuen Platine weniger gut abgefangen werden konnten als vom Vorgängermodell."
Hinzu seien zusätzliche Einflussfaktoren wie Unterschiede bei den Materialchargen und etwaige Schäden während der Test- und Prüfphase gekommen. Dies habe insgesamt dazu geführt, dass einige Geräte zwar funktionierten, aber auf längere Sicht anfälliger für Probleme gewesen seien.
Sofortiger Versandstopp der Produkte
Dies erkläre auch, warum die Zähler sowohl bei der Endkontrolle im Werk als auch bei der Abnahme durch die Kunden keine Auffälligkeiten gezeigt hätten, aber nach einigen Monaten im Betrieb Probleme auftraten. "Es erklärt auch, warum die Fehlerrate in einigen Netzgebieten höher ist als in anderen."
Als das Unternehmen 2023 Rückmeldungen zu diesem Problem erhielt, stoppte es den Versand nach eigener Aussage sofort. "Um das Problem zu beheben, haben wir umgehend die zuständigen Eichbehörden und unsere Kunden informiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Wir haben uns in diesem Fall für einen umfassenden Rückruf entschieden, um das Vertrauen unserer Kunden zu wahren."
Holley trägt Kosten für Geräteaustausch
Holley stehe fest zur Verantwortung für die eigenen Produkte, auch wenn keine Fabrik eine hundertprozentige Fehlerfreiheit garantieren könne, versicherte Wang.
"Trotz der enormen Kosten für den Geräteaustausch, die mehr als das 15-fache unseres Jahresgewinns aus dem Verkauf an diese Kunden betragen, gibt es nur wenige Unternehmen auf dem Markt, die wie Holley bereit sind, die Kosten zu tragen, um Qualitätsprobleme zu lösen." Abschließend bat Wang bei den betroffenen Messstellenbetreibern und Endkunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten um Entschuldigung. (sg)



