Der Smart-Meter-Rollout nimmt Fahrt auf – und mit ihm wächst der Druck, die nächste Phase der Digitalisierung zügig anzugehen. Als einer der führenden Technologieanbieter liefert die Power Plus Communications AG (PPC) seit Jahren zentrale Bausteine für die intelligente Messinfrastruktur in Deutschland. Vorstandsvorsitzender Ingo Schönberg zieht im Gespräch mit der ZfK eine Zwischenbilanz: Bis Ende 2025 will PPC rund zwei Millionen Smart-Meter-Gateways ausgeliefert haben. Der PPC-Chef spricht über Fortschritte und Engpässe im Rollout, über die Rolle von Breitband-Powerline als stabile Kommunikationslösung und über den bevorstehenden Steuerungsrollout, der ab 2026 flächendeckend in die Praxis übergehen soll. Auch die Wärmewende und die Digitalisierung der Wohnungswirtschaft hat PPC dabei im Blick – mit klaren Vorstellungen, welche technologischen und regulatorischen Schritte jetzt folgen müssen.
Herr Schönberg, wie fällt Ihre Zwischenbilanz beim Rollout aus – was läuft gut, wo hakt es?
Der Rollout befindet sich in der Skalierungsphase. Bis Jahresende werden voraussichtlich 2,5 bis 2,8 Millionen intelligente Messsysteme installiert sein; 2026 folgen rund zwei Millionen weitere. Ein Großteil davon sind Pflichteinbaufälle – die 20-Prozent-Marke wird 2025 sicher erreicht. Insgesamt wird PPC bis Ende 2025 knapp zwei Millionen Smart Meter Gateways ausgeliefert haben.
Mit einer jährlichen Kapazität von 1,7 Millionen Gateways sind wir bestens aufgestellt. Liefer- und Montageprozesse laufen stabil, Optimierungen sind umgesetzt, und mit FOX (Flexibel ohne Box) bieten wir eine effiziente MSB-Lieferkette. Verbesserte Antennentechnik, flächendeckende Netzwerk-Management(NMS)-Nutzung und Monteurs-Apps steigern zusätzlich die Effizienz.
Herausforderungen bestehen weiterhin bei der End-to-End-Steuerung. IT- und Marktintegration kommen nur langsam voran – nicht zuletzt wegen neuer regulatorischer Vorgaben. Hier braucht es mehr Stabilität, klare Prioritäten und mehr Testen bei Messstellenbetreibern. Keinesfalls dürfen die Ziele im Steuerungsrollout erneut verschoben werden – der Umsetzungsdruck muss bestehen bleiben: Agilität ist Trumpf, 2026 sind flächendeckend Tests zum Steuern zwingend erforderlich.
Stichwort Breitband-Powerline: Die PPC-Tochter Coms4Grid unterstützt unter anderem die N-Ergie beim flächendeckenden Ausbau von Breitband-Powerline. Welche Vorteile bietet diese Kommunikationsanbindung gegenüber den Mobilfunkangeboten?
Inzwischen setzen zahlreiche Messstellenbetreiber auf Breitband-Powerline. Die absehbar steigenden Einbauquoten im Rollout sowie die deutlichen operativen Vorteile von Breitband-Powerline – insbesondere bei Kellerverfügbarkeit, Montageaufwand und den Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership) – sprechen für sich.
Im strukturierten Ausbau sichern wir eine Kellerverfügbarkeit von über 95 Prozent zu. Der Wegfall von Antennen und Messungen, die hohe Konnektivität und die einfache, schnelle Montage machen Breitband-Powerline zum "Liebling der Monteure". Mit unserer Tochtergesellschaft Coms4Grid bieten wir mehr als nur Gerätelieferung – mit Montage, Investition und Betrieb ein Komplettangebot als "WAN-as-a-Service". Damit lässt sich Breitband-Powerline für Messstellenbetreiber kaufmännisch ähnlich unkompliziert handhaben wie eine SIM-Karte.
Gibt es weitere Stadtwerke, die dem Beispiel der N-Ergie folgen? Wo sehen Sie derzeit die größte Dynamik im Ausbau von Breitband-Powerline?
Steigende Rolloutfälle, optionale Einbauten und die Zielquote von über 90 Prozent sichern Breitband-Powerline eine überlegene Wirtschaftlichkeit im Weitverkehrsnetz (WAN). Also dem Bereich, in dem die externe Kommunikationsschnittstelle des Smart-Meter-Gateways angesiedelt ist, die den Datenaustausch mit dem Netzbetreiber und anderen externen Marktteilnehmern ermöglicht. Entsprechend wächst das Interesse sowohl bei Flächen- als auch bei Stadtnetzbetreibern – auf den kommenden Metering Days wird dazu einiges zu hören sein.
Im neuen, auf Smart-Grid-Anwendungen ausgerichteten Breitband-Powerline-Standard IEEE 1901 Nessum arbeiten weltweit führende Unternehmen wie Panasonic, GE Vernova und mehrere Chiplieferanten zusammen. Das Ergebnis ist ein interoperables Breitband-Powerline-Ökosystem für Infrastruktur und Endgeräte.
Der Steuerungsrollout stellt ganz neue Anforderungen an Konnektivität. Wie bewährt sich Breitband-Powerline hier im Vergleich zu Mobilfunk?
Die überlegene Konnektivität und hohe Verfügbarkeit im Betrieb sind insbesondere für Steuerungsanwendungen ein wesentlicher Vorteil. Wird Breitband-Powerline an der Ortsstation über Glasfaser oder xDSL angebunden, ergeben sich zudem viel niedrigere Datenkosten als bei LTE – ideal für hochfrequente Auslese- und Steuerungsprozesse. Breitband-Powerline ist seit vielen Jahren im Einsatz, mit dem Standard Nessum speziell für Smart Grids optimiert und 100.000fach bewährt.
Wie geht PPC selbst den Steuerungsrollout an?
Wir verfolgen drei Ansätze: Erstens die Steuerung direkt aus dem Smart-Meter-Gateway plus, zweitens einen multifunktionalen CLS-Adapter für Steuerung, Submetering und weitere Use Cases – alles bereits TR/BSZ-zertifiziert. Und drittens Smart-Meter-Gateways oder Smart-Meter-Gateways plus mit CLS-Steuerungseinrichtung oder Home-Energy-Managementsystem (EMS) – mit oder ohne Relais.
Die Steuerung direkt aus dem Smart-Meter-Gateway ist bereits in der PKI-Testumgebung Ende-zu-Ende umgesetzt. Bis Mitte 2026 werden wir zertifizierte Smart-Meter-Gateway plus bereitstellen. Damit entsteht ein erheblicher Effizienzgewinn, da Steuerbefehle künftig direkt über das Smart-Meter-Gateway mittels EEBUS ausgeführt werden und gleichzeitig eine erweiterte Nachweisführung im Gateway möglich ist.
Mit WARAN begleiten Sie als Technologiepartner ein Forschungsprojekt zur Digitalisierung der Fernwärme. Welche Bedeutung haben iMSys für die Wärmewende?
In der Fernwärmeversorgung bestehen erhebliche Optimierungspotenziale in der Betriebsführung sowie Effizienzpotenziale bei Endkund:innen – besonders durch intelligentes Wärme-/Flexibilitätsmanagement über Hausstationen in Verbindung mit der Gebäudetechnik. Letztlich ist die Hausstation ähnlich wie lokale Heizungsanlagen der Schlüssel zur Optimierung.
Wie im Strommarkt und bei Wärmepumpen entstehen durch Transparenz, Effizienz und Steuerbarkeit auch im Fernwärmesystem erhebliche Optimierungs- und Flexibilitätspotentiale. Besonders groß sind diese bei Großwärmepumpen als Wärmequellen und einer integrierten Optimierung von Wärme- und Stromsystemen.
Welche Rolle kann Smart Metering künftig in der Wohnungswirtschaft spielen?
Die Anpassungen im Messstellenbetriebsgesetz – insbesondere die volle Preisobergrenze (POG) bei "1:n"-Konstellationen und die vereinfachte Bündelung für alle Zähler einer Liegenschaft – sprechen für sich. Sie bilden die Grundlage für Energy Sharing, Mieterstrommodelle und Pooling-Konzepte im Bereich Ladeinfrastruktur.
In den kommenden Jahren ist bei vielen Wohnungsbaugesellschaften getriggert durch Mieterstrom und steuerbare Lasten mit einem dienstleistungsgetriebenen Vollrollout zu rechnen, was erhebliche Wachstumspotenziale für Dienstleister im Segment Mehrfamilienhäuser eröffnet. Wettbewerbliche Messstellenbetreiber und Submetering-Dienstleister treiben diese Entwicklung bereits voran – hin zu integrierten Service- und Plattformangeboten.
Was müsste aus Ihrer Sicht regulatorisch oder praktisch passieren, damit der Rollout und vor allem der Steuerungsrollout weiter Fahrt aufnimmt?
Mit dem Messstellenbetriebsgesetz 2025 kann man insgesamt zufrieden sein. Lediglich Anreize für einen über die Mindestziele hinausgehenden Rollout hin zum Vollrollout sowie für Kooperationsmodelle mit kleinen grundzuständigen Messstellenbetreibern könnten noch stärker ausgestaltet werden. Ganz oben auf der Wunschliste stehen aber Planungssicherheit, Kontinuität und intensivere Kooperationen zwischen Messstellenbetreibern und Dienstleistern.
Beim Steuerungsrollout müssen wir raus aus dem "Catenaccio-Modus" – mutiger agieren, Erfahrungen sammeln und agil skalieren. Wie so oft wird es Vorreiter geben, während viele Nachzügler erst Ende 2026 folgen werden. Themen wie ERP-Integration und Marktkommunikation müssen sich in der Praxis einspielen. Smart-Meter-Gateway plus, CLS-Endgeräte und Standards (EEBUS) sind längst verfügbar – die Herausforderungen liegen primär in der End-to-End-Umsetzung.
Das Interview führte Stephanie Gust



