Bei der Übertragung der Gateway-Administration von Enercity Netz an EnBW Utility Sercies handelt es sich laut Unternehmensangaben mengenmäßig um den größten Wechsel eines Gateway-Administrators in Deutschland. Insgesamt wurden rund 21.000 intelligente Messsysteme und mehr als 13.000 Smart-Meter-Gateways migriert.
Der Wechsel erfolgte parallel zum laufenden Rollout im Netzgebiet Hannover und Region. Gleichzeitig stellte Enercity Netz auf ein neues GWA-System um. Nach Angaben der Beteiligten dauerte die sogenannte Freeze-Phase acht Wochen. Die Verlustquote lag bei rund zwei Prozent. In vergleichbaren Projekten seien häufig deutlich längere Unterbrechungen und höhere Ausfallraten zu beobachten, heißt es in der Pressemitteilung dazu.
"Gerade weil der Rollout weiterlief, war die Migration besonders anspruchsvoll", sagt Stefanie Krüger, Bereichsleiterin Meter2Cash bei Enercity Netz. Der erfolgreiche Abschluss zeige, dass auch große Systemwechsel im laufenden Betrieb möglich seien.
GWA-Leistung vollständig ausgelagert
Mit dem Wechsel überträgt Enercity Netz die zentrale Gateway-Administration vollständig an EnBW Utility Services. Dazu zählen unter anderem der Betrieb der Gateways, die sichere Übertragung der Messdaten sowie die Überwachung der Systeme. Die Messwerte bilden die Grundlage für dynamische Tarife und eine flexiblere Netzsteuerung.
Für Enercity Netz ist der Schritt Teil einer strategischen Neuaufstellung im Messstellenbetrieb. Statt die Gateway-Administration selbst zu erbringen, setzt das Unternehmen auf einen spezialisierten Dienstleister. "Ohne eine zuverlässige Gateway-Administration nützt auch ein schneller Rollout wenig", sagt Krüger. Ziel seien stabile, skalierbare Prozesse bei steigenden Stückzahlen.
Aktuell stehen Stadtwerke bekanntermaßen vor der Frage, ob sie die GWA-Rolle selbst übernehmen oder auslagern. Das Projekt in Hannover zeigt, dass ein Wechsel auch in größerem Umfang realisierbar ist.
Grundlage für Steuerung und CLS
Der Anbieterwechsel soll zugleich die technische Basis für weitere Anwendungen schaffen. EnBW Utility Services übernimmt künftig auch Funktionen wie ein zentrales, automatisiertes Störungsmanagement. Zudem bereitet sich Enercity Netz auf die Einbindung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen vor.
Geplant ist, noch in diesem Jahr mit der Administration sogenannter Controllable Local Systems zu starten. Dazu zählen etwa Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen oder Wallboxen. Über entsprechende CLS-Management-Systeme sollen diese Anlagen gezielt gesteuert werden, um Lastspitzen zu reduzieren und das Netz stabiler zu betreiben.
"Damit erfüllen wir nicht nur unsere gesetzlichen Pflichten als Messstellenbetreiber, sondern schaffen die Grundlage für ein flexibleres und resilienteres Netz", so Krüger. Ziel sei es, erneuerbare Energien besser zu integrieren und die Versorgungssicherheit weiter zu erhöhen.
EnBW sieht Referenzprojekt
Auch EnBW bewertet das Projekt als richtungsweisend. "Eine leistungsfähige Gateway-Administration ist der Kern jeder Smart-Energy-Infrastruktur", sagt Steffen Reitz, Bereichsleiter Dienstleistungen Netze BW und Shared Services bei EnBW. Die Migration zeige, dass auch große Bestände sicher und effizient übernommen werden könnten.
Mit rund neun Millionen Zählpunkten gehört EnBW zu den großen Abwicklungsdienstleistern im deutschen Energiemarkt. Die Zusammenarbeit mit Enercity Netz soll nun schrittweise ausgebaut werden, insbesondere mit Blick auf Steuerungsaufgaben im Niederspannungsnetz.



