Cybersecurity ist essenziell, um die Vernetzung des öffentlichen Raumes aufrechtzuerhalten und kritischen Schäden vorzubeugen – die Zukunft des Lebens in Städten soll schließlich nicht von Angst vor Angriffen und Datenverlust, sondern von Fortschritt geprägt sein.

Cybersecurity ist essenziell, um die Vernetzung des öffentlichen Raumes aufrechtzuerhalten und kritischen Schäden vorzubeugen – die Zukunft des Lebens in Städten soll schließlich nicht von Angst vor Angriffen und Datenverlust, sondern von Fortschritt geprägt sein.

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Bild: © Stadtwerke Pforzheim

Von:
Dr. Aik Wirsbinna, Prokurist sowie
Bereichsleiter Vertrieb und Kundenservice
bei den Stadtwerken Pforzheim


Nur acht Flugstunden von 70 Prozent der Weltbevölkerung entfernt: Die Smart-City Neom, was „Neue Zukunft“ bedeutet, will sich bis 2030 zur Megastadt in Saudi Arabien entwickeln.

Dazu gründete der Wüstenstaat das gleichnamige Unternehmen Neom, das sich im Besitz des Public Investment Fund befindet, um die Wirtschaftszone von Neom zu entwickeln. Insgesamt soll die Stadt einen Wert von 500 Milliarden Dollar erreichen.

Die Vision

Die Stadt der Zukunft ist eine Vision von Saudi-Arabiens Kronprinz Muhammad bin Suleman: Sie befindet sich an einem wichtigen geografischen Ort, einem Küstenstreifen im Nordwesten des Landes am Roten Meer. 25 Prozent des Handels passieren hier die Küste. Hinzu kommt eine spektakuläre Landschaft mit Bergketten, Küsten und Inseln.

Komplett mit Erneuerbaren betrieben

Die geplante Stadt soll vollständig auf erneuerbaren Energien basieren, in der eigene Regeln gelten: So erklärte Saudi-Arabien die smarte Stadt zu einer Sonderwirtschaftszone mit einer digitalen Regierung und unabhängigen Vorschriften.

In der Stadt soll bis 2025 die weltweit größte Anlage für grünen Wasserstoff entstehen.  Sie soll täglich 650 Tonnen Wasserstoff produzieren.

Zugleich sollen dort die CO2-Emissionen auf Null gesenkt werden. Dazu steuern Solar- und Windenergieanlagen ihren Beitrag bei. Der Windertrag kann sich mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde sehen lassen.

Wind und Sonne sorgen dafür, dass der grüne Wasserstoff wirtschaftlich hergestellt werden kann, so der Plan.

Kein Anschluss ans Übertragungsnetz nötig

Da die Stadt auf nur 34 Quadratkilometern gebaut ist und die Energie vor Ort genutzt wird, ist zudem ein großes Übertragungsnetz nicht nötig.

Die Zero-Emissionen will man auch dadurch erreichen, dass keine Autos in der Stadt gebraucht werden. Denn alle Einrichtungen soll in fußläufiger Entfernung zur Verfügung stehen.

Zeitplan

Bis Ende 2023 soll die Stadt als Touristenattraktion der Welt zugänglich gemacht werden. Inzwischen haben die Tiefbauarbeiten begonnen.

Bis 2025 sollen dort drei Millionen Einwohner und eine Million Touristen untergebracht werden. Fünf Jahre später will man die Wohnkapazitäten für eine Million Einwohner und fünf Millionen Touristen geschaffen haben. Bis dahin ist es das Ziel, 380.000 Arbeitsplätze zu schaffen.

Das integrierte erneuerbare Energiesystem soll bis 2026 fertig sein, der jährliche Stromverbrauch wird bis dahin wohl 100 TWh erreicht haben.

The Line

Das Hauptaugenmerk liegt auf The Line. Die Linie ist eine futuristische Stadt, die genau 170 Kilometer lang und 200 Meter breit sowie 500 Meter hoch ist.

Die Zahlen sind nicht zufällig, sondern forschungsgetrieben. Sie berücksichtigen wichtige Faktoren wie Luftzirkulation, atmosphärische Temperatur und Sonnenlicht. Insgesamt wird es in Neom, so das Ziel, zehn Grad kühler als in den Nachbarstädten sein.

Künstliche Intelligenz

Für die autonomen Dienste soll künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. KI ist auch für das Termin- und Behandlungssystem in den Krankenhäuser und Kliniken geplant. Am Flughafen soll eine Online-Einwanderungseinrichtung die Einreise erleichtern.

Beim Wasserverteilungssystem will man nach eigenen Worten das innovativste und diejenige mit den wenigsten Leckagen werden.

Oxagon

Der zweite Teil des Projekts ist die Industriestadt Oxagon, die 25 Kilometer nördlich des Hafens von Duba errichtet wird und die Form eines Achtecks hat. Hier kommt ein vollintegriertes Lieferkettennetzwerk der nächsten Generation zum Einsatz.

Dieses zeichnet sich aus durch eine intelligente Entladung, integrierte Lagerhaltung, einutomiertes Transportsystem, Mark-Fullfillment-Center, flusslose Lieferung.

Trojena

Der dritte Teil des Projekts beschäftigt sich mit dem Reiseziel für Touristen: Trojena. Dieses befindet sich auf einer Fläche von 60 Kilometern und 50 Kilometer von der Küste des Golfs von Aqaba entfernt. Im Hochgebirge in Höhen von 1500 bis 2600 Metern soll es Touristen ein einzigartiges Erlebnis bieten.

100 unterschiedliche Aktivitäten sollen dort geboten werden, je nach Jahreszeit sind die Temperaturen kalt oder warm.

Vorteile für Bewohner

Den Bürgern werden kostenlose Zugänge zur Online-Bildung und Highspeed-Internet zur Verfügung gestellt.

Die meisten Orte sollen zu Fuß oder per Fahrrad erreichbar sein.

Auch für Saudi-Arabien soll sich das Projekt lohnen. So rechnet die Regierung damit, dass die Smart-City bis 2030 mindestens 100 Mrd. Euro zum BIP Saudi-Arabiens beitragen wird und das Pro-Kopf-BIP zum höchsten der Welt machen wird.

Nachteile

Unklar ist bisher allerdings, wie bei der extrem hohen Bevölkerungsdichte von Neom, soziale Probleme gelöst werden sollen.

Die soziale Distanz zwischen „oben“ und „unten“ wird auch in der Architektur deutlich. Außerdem wirft die vertikale Architektur, die geplant ist, viele technische Fragen auf.

Etwa wie man mit den klimatischen Bedingungen genau umgeht. So ist zum Beispiel der Wüstensand für eine Glasarchitektur im Stadtprojekt eine potenzielle Gefahr. Eine Kombination mit traditionellen Bauweisen sei derzeit nicht zu erkennen.

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