Nachdem es immer noch keine Entscheidung um die Vergabe der 450-MHz-Funkfrequenz gibt, haben sich jetzt die vier Übertragungsnetzbetreiber in einem Brief, der der ZfK vorliegt, an den Chef des Bundeskanzleramts Helge Braun gewandt. Darin bitten sie ihn, sich für die Zuteilung der 450-MHz-Frequenzen für Anwendungen der Energiewirtschaft einzusetzen. Das Schreiben ging zudem auch an die Staatssekretärin im Bundesverkehrsministeirum Tamara Zieschang und den Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Andreas Feicht.
Darin sprechen sich 50Hertz, Amprion, TransnetBW und Tennet für die Nutzung der Frequenzen in der Energiewirtschaft aus. Vor allem die zunehmende Integration von Millionen dezentraler Erzeuger und Speicher sowie neuer Stromverbraucher – etwa E-Mobilität und Wärmepumpen – würden zunehmend eine aktive Steuerung der Stromnetze in Echtzeit erfordern.
Eigene LTE-fähige Frequenzbänder in der Energiewirtschaft fehlen
"Transparenz über Erzeugung und Verbrauch der sogenannten Prosumer sowie die Steuerbarkeit der Verteilungsnetze sind grundlegende Voraussetzungen dafür, auch künftig eine sichere und wirtschaftliche Stromversorgung zu gewährleisten", heißt es darin. Im Gegensatz zu Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) verfüge die Energiewirtschaft in Deutschland allerdings bis heute über keinerlei nutzbare LTE-fähige Frequenzbänder.
Mit einem dezidierten, standardisierten und ausfallgesicherten LTE-Mobilfunknetz im Frequenzbereich von 450 MHz könnten diese neuen Anforderungen – vor allem für Verteilnetzbetreiber, aber auch für die spannungsebenenübergreifende Notfallkommunikation – erfüllt werden, verdeutlichen die Vier. Auch aufgrund der geringeren Standortanzahl sei der 450-MHz-Funknetzbereich zu bevorzugen.
Bundesnetzagentur, Bundesländer und Bundestag pro Energiewirtschaft
"Unsere Einschätzung wird auch durch die einstimmige Entscheidung des Beirats der Bundesnetzagentur – also mit Zustimmung aller 16 Bundesländer und den 16 Mitgliedern des Bundestages aus allen Fraktionen – vom 23. September 2019, sich für die Nutzung der 450-MHz-Frequenzen für kritische Infrastrukturen, notabene auch Anwendungen der Energiewirtschaft, auszusprechen, gestützt", betonen die vier ÜNB.
Eine Entscheidung, wer die Frequenzen bekommt, die Innere Sicherheit und Bundeswehr oder die Energiewirtschaft steht immre noch aus. Ende 2019 war der Beschluss ins Kanzleramt verlegt worden, seitdem gibt es immer noch keine Einigung. Inzwischen hat die Energiewirtschaft auch Unterstützung durch die Deutsche Bahn erhalten, die sich der Versorger-Allianz angeschlossen hat, die sich neben 450connect für die Frequenz beworben hat. (sg)



