Die beiden Geschäftsführer Emil Bruusgaard und Matthias Stoller lenken zusammen die Thüga SmartService.

Die beiden Geschäftsführer Emil Bruusgaard und Matthias Stoller lenken zusammen die Thüga SmartService.

Bild: © Thüga SmartService

Es gab bei der Thüga SmartService (TSG) einen intensiven Strategieprozess, dessen Inhalte nun sichtbare Gestalt annehmen. Was ist für Sie die zentrale Botschaft daraus und welche Schwerpunkte setzt Ihr Unternehmen für die nächsten Jahre?
Emil Bruusgaard: Nach der Zusammenführung von Conergos und der Thüga SmartService zur heutigen Thüga SmartService haben wir uns ausreichend Zeit genommen, um nach einer naturgemäßen Phase des Zusammenwachsens unsere Strategie zu justieren. Ein Ziel unseres Strategieprozesses war hierbei insbesondere das Herausarbeiten unserer Kernkompetenzen, mit welchen wir für unsere Kund:innen echten Mehrwert generieren. Die TSG vereint heute eine Idealkombination aus energiewirtschaftlicher Expertise und IT-Kompetenz in einem wettbewerblichen Markt geprägt von hoher Nachfrage und knappen Ressourcen. Unser Produkt- und Leistungsportfolio umfasst künftig neben der technologie-unabhängigen Beratung unserer Kunden in allen Prozess- und IT-Fragestellungen im energiewirtschaftlichen Kontext die vier Lösungssegmente Metering – also die Plattform Smart Energy Core –, ERP mit der S/4HANA-Plattform, Portallösungen für alle Systemlandschaften und Marktrollen sowie den Bereich Breitband. Hier bieten wir Stadtwerken und Kommunen Rundum-Sorglos-Lösungen für den Einstieg in das Geschäftsfeld der Internet Service Provider an. In all diesen Bereichen profitieren wir natürlich von der guten Vernetzung mit unserer Muttergesellschaft Thüga AG sowie innerhalb des gesamten Verbundes. Die erwähnten Lösungsangebote sind – nebenbei bemerkt – auch die Schwerpunkte unseres „Digitalen Zukunftstages“ am 25.11., zu dem wir gerade alle Kund:innen und interessierte Stadtwerke inner- und außerhalb des Thüga-Verbundes einladen.
 
Matthias Stoller: Ein zweiter entscheidender Punkt ist die Ausrichtung all unseres Handelns auf eine radikale Kundenzentrierung. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht selbstverständlich, doch das ist es im Markt keinesfalls – gerade im Bereich IT. Uns interessiert in erster Linie die Fragestellung, welche Technologien unsere Kund:innen erfolgreicher machen: Sei es unter Schnelligkeits-, Kosten- oder unter Innovationsaspekten. Durch entsprechende Strukturen und Organisationsmodelle sind sie partnerschaftlich und kooperativ in unsere Prozesse involviert. Die dadurch hergestellte Schwarmintelligenz treibt damit automatisch das Thema Innovationen und die Partnerschaftlichkeit sorgt für bedarfsgerechte Lösungen.
 
 




Sie nennen das Thema Metering als strategische Säule. Es wird gemunkelt, dass sich TSG aus dem Marktsegment zurückziehen will. Ist da etwas dran?
 
Bruusgard:
Überhaupt nicht, das Gegenteil ist der Fall. Wie erläutert ist es eine tragende strategische Säule für uns und wir planen insbesondere in diesem Lösungssegment – nicht nur bedingt durch den Rollout – mit Wachstum. Als einer der ersten zertifizierten Gateway Administratoren im deutschen Markt haben wir uns über die Jahre zu einem der führenden Anbieter für Gateway-Administration (GWA) und GWA-nahe Leistungen entwickelt. Auch wenn ich das Gerücht natürlich kenne, fehlt mir die Fantasie zu erkennen, warum wir diese Position aufgeben sollten. Aktuell kommen wir von den Metering Days in Fulda mit viel positiven Feedback zurück. Wir haben große Pläne und bauen unsere Kapazitäten laufend aus. Auch in Sachen Personal wachsen wir in diesem Bereich nachfragebedingt stetig im hohen einstelligen Prozentbereich.  
 
Stoller: Wir investieren aktuell viel Kapital und Entwicklungspower in unsere neue Plattform Smart Energy Core, die das gesamte Thema Metering auf ein völlig neues Level hebt und als Metering-Fundament der Energiebranche alle bisher bekannten Standards hinter sich lässt. Hier geht es um die Themen „intelligentes Datenpooling“ jenseits einzelner Daten-Silos und um die Frage, was mit diesen Daten für unsere Kund:innen möglich ist. Unser Motto „Wie aus Messwerten Mehrwerte werden“ bringt dies gut auf den Punkt. Damit können wir sowohl regulierte als auch nichtregulierte Sparten voll abdecken. Und daran hängen aktuell heiß diskutierten Themen wie das CLS-Management, Submetering, IoT und Smart City, Mieterstrom, Smart Grid und viele weitere. Auch solche übrigens, die aktuell noch außerhalb der Vorstellungwelt aller Beteiligten liegen. Daher ist der Smart Energy Core für uns auch eine Art Tor zur Zukunft. Wir befinden uns mit diesem Thema aktuell in vielen Gesprächen und stellen fest, dass wir genau den Nerv der Zeit treffen.
 
Wie schätzen Sie die Entwicklung im Marktsegment Metering bzw. im Bereich GWA insgesamt ein?
 
Bruusgard: Die Wirtschaftlichkeit wird in diesem Segment nur über Skaleneffekte hergestellt werden können. Hier zählen wir mit über 100 Kund:innen unterschiedlichster Struktur und Größe zu den führenden Unternehmen im Markt und haben damit ein solides Fundament, auf welches wir aufbauen können. Doch ist es unser erklärtes Ziel, unsere Kundenbasis im Sinne des Bestandes weiter auszubauen und somit die Kostendegression weiter voran zu treiben.
 
Stoller: Neben den schon angesprochenen Skaleneffekten trägt natürlich die Weiterentwicklung unserer Systeme massiv zur Wirtschaftlichkeit bei. Unser Ziel ist eine konsequente Automatisierung und höchste Prozess- und Ergebnisqualität. Hier haben wir unsere Systeme frühzeitig einem intensiven Fitnessprogramm unterzogen. Daraus waren sehr schnell bereits deutlich spürbare Effekte zu erkennen, die uns nun nicht nervös werden lassen, wenn es an die großen Zahlen geht. Doch die Weiterentwicklung der Systeme ist, um ganz ehrlich zu sein, ein kontinuierlicher, ja täglicher, Optimierungsprozess. Und auch diesen Prozess gehen wir im Sinne der Kundenorientierung gemeinsam an, um immer den Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette zu haben und nicht nur auf Ausschnitte.
 
           
Wie bewerten Sie derzeit den Rollout intelligenter Messysteme? Sehen Sie neue Impulse durch das Branchengespräch von Bundeswirtschaftsminister Habeck am 20. Oktober bei der Dena (wie bewerten Sie das Gespräch)?
 
Stoller: Die Wiederaufnahme des Rollouts aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten ist essentiell. Daher ging die Veranstaltung der Dena diesbezüglich genau in die richtige Richtung und hat einen sehr guten ersten Aufschlag gemacht. Die aktuelle regulatorische Situation durch die Aufhebung der Markterklärung ist für die Messstellenbetreiber natürlich voller hemmender Fragezeichen, die möglichst zügig durch eine neue rechtliche Sicherheit aufgelöst werden müssen, um letzte Handbremsen zu lockern. Die geplante Überarbeitung des Messstellenbetriebsgesetzes stellt diese Rechtssicherheit wieder her und ist damit genau jenes Signal, auf das die gesamte Branche aktuell sehnlichst wartet.
 
Interessant waren auch die Impulse, die Herr Habeck bezüglich einer reduzierten Komplexität verschiedener Prozesse in die Diskussion eingebrachte. Ein Beispiel war die Sichere Lieferkette (SiLKe) für Smart-Meter-Gateways zu vereinfachen, um die Bereitstellung der Geräte bis hin zum physischen Verbau beim Endkunden ohne erhebliche Mehraufwände zu ermöglichen. Dies unterstützen wir. In diesem Sinne kann man noch einen Schritt weiter gehen und auch das aktuelle Vorgehen hinsichtlich Firmware-Aktualisierungen kritisch hinterfragen.
 
 
Wo sind Ihrer Meinung nach aktuell die größten Baustellen?
 
Stoller: Dies ist mit Sicherheit zum einen der angesprochene fehlende regulatorischer Rahmen, der – so hoffen wir – durch den neuen Entwurf des Messstellenbetriebsgesetzes abgedeckt sein wird. Hier sind alle nun natürlich gespannt auf weitere Infos und Details. Zum anderen ist es augenblicklich bei den meisten unserer Kund:innen immer noch die Liefersituation, auch wenn es hierzu kürzlich bei den Metering Days in Fulda seitens der Hersteller für 2023 sehr positive Signale gab.




















Entscheidend ist jedoch noch ein weiterer Punkt, der auf der Veranstaltung der Dena sehr deutlich wurde. Intelligente Messsysteme sind die Schlüsseltechnologie sowohl für die Energiewende als auch für die weitere Digitalisierung der gesamten Branche. Insofern gehört dazu auch ein deutlicher Haltungswandel vom „müssen“ hin zum „wollen“ –  trotz aller aktuellen Hindernisse und Unwägbarkeiten. Die Digitalisierung macht keine Pause. Let´s go!
 

Die Fragen stellte Stephanie Gust
 

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