"Die Energieversorgung ist ein zentrales Zukunftsthema für jede Stadt", sagt Bitkom-Smart-City-Experte Sven Wagner.

"Die Energieversorgung ist ein zentrales Zukunftsthema für jede Stadt", sagt Bitkom-Smart-City-Experte Sven Wagner.

Bild: © ZinetroN/AdobeStock

Digitale Technologien spielen bei der Energie- und Wärmeplanung deutscher Großstädte eine immer größere Rolle. Drei Viertel der Kommunen nutzen entsprechende Lösungen bereits, weitere Städte befinden sich in der Einführung oder planen den Einsatz. Das geht aus dem Studienbericht zum Smart City Index 2025 Studienbericht hervor, den der Digitalverband Bitkom veröffentlicht hat. Grundlage des Rankings sind Daten aus 83 Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern.

Dem Bericht zufolge setzen 76 Prozent der Städte digitale Technologien für Energie- und Wärmeplanung ein. Bei 12 Prozent laufen Einführungsprojekte, weitere 7 Prozent planen entsprechende Lösungen. Nur 4 Prozent sehen derzeit keinen Bedarf. "Die Energieversorgung ist ein zentrales Zukunftsthema für jede Stadt", sagt Bitkom-Smart-City-Experte Sven Wagner. Digitale Technologien böten den Verantwortlichen nicht nur effiziente Steuerungsmöglichkeiten, sondern seien inzwischen "ein praktisch unverzichtbares Planungstool".

Datenmodelle für die Wärmeplanung

Der Hintergrund für diese Entwicklung liegt demnach vor allem in der wachsenden Bedeutung der kommunalen Wärmeplanung. Städte müssen künftig genauer analysieren, wie Gebäude beheizt werden, welche Netze entstehen sollen und wo erneuerbare Wärmequellen eingebunden werden können. Dafür entstehen zunehmend digitale Modelle des städtischen Energiesystems.

Viele Kommunen arbeiten laut Bericht mit Geodaten-Systemen, Wärmekatastern oder Simulationstools. Diese Anwendungen helfen zum Beispiel dabei, Wärmenetze zu planen, Energieverbräuche zu analysieren oder Szenarien für eine klimaneutrale Versorgung zu berechnen.

Damit verschiebt sich der Fokus vieler Smart-City-Projekte: Während früher einzelne digitale Anwendungen im Vordergrund standen, gewinnen heute datenbasierte Planungsinstrumente an Bedeutung.

Digitale Zwillinge für Infrastruktur

Ein besonders dynamischer Bereich sind laut Studie digitale Zwillinge. Mehrere Städte nutzen virtuelle Abbilder von Quartieren oder Infrastrukturen, um Planungsentscheidungen zu simulieren. Solche Modelle kombinieren Daten aus Gebäuden, Netzen und Verkehrsstrukturen und ermöglichen Szenarien für Energieverbrauch oder Emissionsentwicklung.

Digitale Zwillinge gelten zunehmend als Werkzeug für langfristige Infrastrukturplanung. Sie können etwa zeigen, wie sich neue Wärmenetze auf den Energiebedarf eines Stadtteils auswirken oder welche Effekte Sanierungsprogramme haben.

Auch für Energieversorger und Netzbetreiber wird dieser Ansatz wichtiger. Viele Unternehmen entwickeln derzeit eigene digitale Netzzwillinge, etwa für Lastsimulationen oder Netzplanung. Die Technologien aus der Stadtplanung und der Energiewirtschaft nähern sich damit zunehmend an.

Datenplattformen als neue Infrastruktur

Neben digitalen Zwillingen identifiziert der Bericht einen zweiten Trend: Städte bauen verstärkt sogenannte Urban Data Platforms auf. Auf diesen Plattformen werden Daten aus verschiedenen Bereichen zusammengeführt, darunter Verkehr, Umwelt, Verwaltung und Energie.

Solche Plattformen dienen als Grundlage für neue digitale Dienste und Analysen. Gleichzeitig entstehen damit zentrale Dateninfrastrukturen für kommunale Planung. Energie- und Verbrauchsdaten spielen dabei eine wichtige Rolle.

Für kommunale Versorger kann diese Entwicklung strategische Bedeutung bekommen. In vielen Städten liefern sie bereits einen Teil der Daten oder betreiben digitale Infrastruktur selbst. Mit dem Aufbau urbaner Datenplattformen könnten sich diese Rollen weiter ausweiten.

Fortschritte auch im Mittelfeld der Städte

Ein weiteres Ergebnis des Berichts: Die größten Fortschritte im Ranking machen nicht unbedingt die Spitzenreiter. Viele Städte im Mittelfeld holen deutlich auf. Förderprogramme von Bund und Ländern sowie neue kommunale Digitalstrategien treiben die Entwicklung voran.

Der Smart City Index selbst basiert auf 13.529 Datenpunkten, die in fünf Themenbereichen ausgewertet werden: Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft und Bildung. Die Kommunen liefern dabei einen Teil der Daten selbst, die anschließend von Bitkom Research überprüft werden.

Im aktuellen Ranking liegt München erneut vorn, gefolgt von Hamburg und Stuttgart.

Viele Projekte noch im Pilotstadium

Trotz der Fortschritte zeigt der Bericht auch Grenzen der Digitalisierung. Zahlreiche Smart-City-Projekte befinden sich noch im Pilotstadium. Viele Vorhaben werden zunächst im Rahmen von Förderprogrammen getestet, bevor eine breitere Umsetzung erfolgt.

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