"Auf den ersten Blick mag die sichere Lieferkette als ein kompliziertes Konstrukt erscheinen. Doch bei genauerer Betrachtung bekommen wir – auch von den Anwendern – zurückgespielt, dass es prozessual gar nicht so aufwendig ist", sagt Dirk Engel, Leiter Produktmanagement bei Sagemcom Dr. Neuhaus.

"Auf den ersten Blick mag die sichere Lieferkette als ein kompliziertes Konstrukt erscheinen. Doch bei genauerer Betrachtung bekommen wir – auch von den Anwendern – zurückgespielt, dass es prozessual gar nicht so aufwendig ist", sagt Dirk Engel, Leiter Produktmanagement bei Sagemcom Dr. Neuhaus.

Bild: Sagemcom Dr. Neuhaus

Herzlichen Glückwunsch Herr Engel, zum zertifizierten Smart-Meter-Gateway. Wie groß ist die Freude bei Sagemcom Dr. Neuhaus, dass es jetzt endlich geklappt hat und können Sie jetzt wieder die Nächte durchschlafen?

Dirk Engel: Das Team von Sagemcom Dr. Neuhaus ist natürlich überglücklich, dass dieser lange Zertifizierungsprozess mit einem erfolgreichen Abschluss gekrönt wurde. Jedoch hoffen wir nicht, dass die Nächte nun ruhiger werden, sondern jetzt erst die aufregende Zeit des Smart Meter Rollouts losgeht und so richtig Fahrt aufnimmt. Insofern freuen wir uns auf die kommenden spannenden Tage, Wochen und Monate.

Wie haben Sie es geschafft, sich als zweites Unternehmen mit einem Gateway zu zertifizieren? Sprich, im Moment dauert der Prozess ja sehr lange, wo haben Sie punkten bzw. den Prozess beschleunigen können im Gegensatz zur Konkurrenz?

Der Erfolg in der Zertifizierung ist durch viel Fleiß, Ehrgeiz und Beharrlichkeit auf Seiten des SMGw-Herstellers gekennzeichnet. Durch den unermüdlichen Ansporn, das Zertifikat für unser "SiconiaTM SMARTY IQ Gateway" zu erhalten, haben wir diesen steinigen Weg gemeistert.

Was waren die größten Herausforderungen für Sie bei der Zertifizierung, wo hat es gehakt?

Die größte Herausforderung lag für uns in dem Zusammenspiel zwischen BSI und Prüfstelle. Zwar waren die Prüfanforderungen ans Smart Meter Gateway schriftlich formuliert, aber praktisch nicht existent und entwickelten sich erst gemeinsam mit den SMGw-Prüflingen.

Wie stehen Sie zur sicheren Lieferkette? Ist der Prozess bei Ihnen anders als PPC und Theben, die ja bei SiLKe kooperieren? Auf welche Spezifikationen müssen sich die Messstellenbetreiber bei Ihnen einstellen? Wie groß ist hier der Aufwand für MSB allgemein?

Die Mittel, die im Rahmen der sicheren Lieferkette zum Einsatz kommen, sind bei den Häusern Sagemcom Dr. Neuhaus, Theben und PPC identisch. Alle neun beim BSI gelisteten SMGw-Hersteller arbeiten im Rahmen eines FNN-Expertenteams Hand in Hand mit Anwendern an einer Vereinheitlichung der SiLKe über alle beteiligten Unternehmen hinweg. Das vereinfacht unternehmensübergreifend die logistischen Prozesse und birgt keine zusätzlichen Komplikationen bei der Umsetzung sicherheitsrelevanter Prozesse hinsichtlich Verpackung, Lagerung und Transport von SMGw. Denn nur, wenn die Lieferketten unterschiedlicher Hersteller harmonisiert sind, sind sie auch praktikabel und ermöglichen es, die SiLKe möglichst optimal zu gestalten.

Auf den ersten Blick mag die sichere Lieferkette als ein kompliziertes Konstrukt erscheinen. Doch bei genauerer Betrachtung bekommen wir – auch von den Anwendern – zurückgespielt, dass es prozessual gar nicht so aufwendig ist, sondern, dass die Logistikkette ohne größere Aufwendungen umsetzbar ist. Am Ende weicht sie sicherlich etwas von dem aktuellen Standardprozess ab, lässt sich aber mit verhältnismäßig geringem Aufwand in die vorhandenen Prozesse integrieren. Und letztendlich muss man sich vor Augen halten, dass sie zur Integrität des SMGw – ein Gerät, was für den Letztverbraucher sensible Daten überträgt – beiträgt und damit ein erhöhtes Augenmerk verdient hat.

Was kann Ihr zertifiziertes Messsystem, was ist damit schon möglich?

Unser G1-Gateway erfüllt alle gesetzlichen Anforderungen. Dazu zählt die Umsetzung von den Tarifanwendungsfällen TAF 1, 2, 6 und 7, womit ein sowohl eichrechtskonformer als auch BSI-konformer Einsatz möglich ist. Zudem lassen sich über die CLS-Schnittstelle unseres Gateways diverse zukunftsgerichtete Anwendungsszenarien im Rahmen von Steuer-, Regel- und Schalthandlungen  realisieren.

Das G2-Gateway zeichnet sich zwar am Horizont ab, aber bezüglich der Spezifikationslage ist es noch so unscharf, dass es unserer persönlichen Einschätzung nach noch Jahre dauern wird, bis G2-SMGw am Markt verfügbar sein werden. Und bis dahin gilt – der gesetzlichen Einbauverpflichtung nachkommend – der Einsatz von G1-Geräten. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass wir eine nennenswerte Anzahl an SMGw der ersten Generation im Smart Meter Rollout haben werden. Grundsätzlich brauchen Energieversorgungsunternehmen, Netzbetreiber, Messstellenbetreiber und Stadtwerke keine Angst vor dem Einsatz von G1-Gateways haben, da verbaute Geräte einen umfassenden Bestandsschutz haben und dieser von keiner offiziellen Seite infrage gestellt wird. In ferner Zukunft wird diese Generation dann durch G2-Geräte abgelöst, so wie nach dem iPhone 1 das 2, 3, 4 usw. kam. (sg)

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