In der gläsernen Manufaktur in Dresden werden vollelektrische VW hergestellt. Der Hersteller will sich zum Mobilitätsdienstleister wandeln. Hier gibt es auch Berührungspunkte mit der Versorgungswirtschaft.

In der gläsernen Manufaktur in Dresden werden vollelektrische VW hergestellt. Der Hersteller will sich zum Mobilitätsdienstleister wandeln. Hier gibt es auch Berührungspunkte mit der Versorgungswirtschaft.

Bild: © Volkswagen

Inzwischen nutzt jedes vierte Stadtwerk in Deutschland Schleupen.CS, teilte Vorstandsvorsitzender Volker Kruschinski auf der diesjährigen Geschäftsführerkonferenz der IT-Schmiede in Dresden mit. Die Marktdurchdringung bei Meter-2-Cash-Systemen, also Abrechnungs-IT, liege für Strom- und Gasunternehmen inzwischen bei 15,3 Prozent. Damit ist Schleupen zweiter hinter dem Platzhirsch SAP (29,6 Prozent).

Großes Thema ist derzeit die IT-technische Umsetzung der MaKo2020, bei der "sich bei den Formaten eigentlich alles ändert", so Krutschinski. Ihm zufolge wurden dabei die Vorgaben maximal hochgezogen. Dabei habe sich der Gesetzgeber erst mit den Vorgaben beschäftigt und sich erst dann Gedanken gemacht, wie das Problem gelöst werden könne. Eigentlich müsse dieser Prozess aber umgekehrt laufen. Krutschinski kritisiert auch, dass Prozessidentität in dem Bereich Messwertversand zwischen Strom und Gas verloren gehe, nachdem die MaKo2020 nur für die Sparte Strom gilt.

Ärgernis MaKo2020

Eberhard Oehler, Geschäftsführer der Stadtwerke Ettlingen und Vorsitzender des Schleupen-Fachbeirats, kritisierte die unnötigen Kosten, die für die MaKo2020 entstünden. Allein Schleupen habe für das Interimsmodell 4000 Manntage aufgebracht, die neue Lösung bringe den Kommunalversorgern außer viel Aufwand allerdings nichts. Die Stadtwerke Ettlingen Netz gehören dabei zu einem der 15 Versorger, die gegen die Umsetzung der MaKo2020 geklagt hatten, und deren Beschwerde im Eilverfahren vom OLG Düsseldorf abgelehnt wurde.

Die Stadtwerke Ettlingen werden den Prozess nicht weiterverfolgen so Oehler, denn das Hauptverfahren ziehe sich im Gegensatz zum Eilverfahren Jahre hin. Was zu lange dauern würde, um die MaKo2020 noch zu stoppen. Allerdings habe auch das Gericht ein Fragezeichen aufgestellt, weshalb es nun eine Zwischenlösung zwischen Interims- und Zielmodell gebe.

Politische Entscheidungen mangelhaft

Ein weiteres Problem sei, dass Kommunalversorger bei EU-Fördergeldern privaten Unternehmen gegenüber benachteiligt würden und diese etwa beim Fährbetrieb, wie die Stadtwerke Konstanz, nicht erhalten. Den kommunalen Unternehmen werde dabei die Anerkennung als kleine und mittlere Unternehmen verweigert, "da sehe ich Handlungsbedarf", adressierte Oehler an den Vorsitzenden der BDEW-Hauptgeschäftsführung Stefan Kapferer.

Dieser fragte in die Runde der Geschäftsführer, wer mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden sei. Die Hände im Publikum gingen hoch. "Wer von Ihnen war mit der deutschen Energiepolitik im vergangenen Jahr zufrieden?", stellte Kapferer eine weitere Frage. Keine Rückmeldung. "Wir sind in einer schon fast schizophrenen Welt", schloss Kapferer daraus, auf der einen Seite sagen viele, sie seien zufrieden, gleichzeitig lassen gewisse Entscheidungsprozesse im politischen Raum zu wünschen übrig".

Etwa beim Thema Smart MeterGateway, auf deren Zertifizierung die Branche warte. Auch das Thema Sichere Lieferkette (SiLKe) trifft zunehmend auf Unverständnis, kritisierte auch Stadtwerke-Ettlingen-Chef Oehler: "Was bekommen wir denn da? Die Kronjuwelen von Frau Merkel?", kommentierte Oehler die hohen Sicherheitsanforderungen an den Transport der intelligenten Messsysteme. Kapferer musste eingestehen, dass sein Verband derzeit bei dem Thema auf Granit beiße. In der Bundesregierung herrsche derzeit eine erhöhte Angst, dass der Datenschutz beim Smart Meter Gateway nicht ausreiche. "Diese Überhöhung jetzt, die dort herrscht, da kommt niemand ran, das ist weltfremd", so Kapferer.

Volkswagen wird elektrisch

Beim Thema E-Mobilität gibt es Bewegung: Volkswagen will bis Ende dieses Jahres in eine neue Zeitrechnung starten: Ab November wird in Zwickau ein vollelektronisches Modell, der Id.3 produziert. Es soll bereits 15.000 Reservierungen geben. Der Einstiegspreis liege bei unter 30.000 Euro in Deutschland und die Reichweite bei 330 bis 550 Kilometer. Bis 2023 investiert der Autobauer in seine Modelle, die über alle Marken – Audi, Skoda, Seat, VW – hinweg, elektrisiert werden sollen, 30 Mrd. Euro. bis 2028 soll es dann 70 neue E-Modelle geben. Ebenso soll das Produzieren der Fahrzeuge CO2-neutral erfolgen, erklärt Lars Dittert, Chef der VW-Manufaktur Dresden.

Dittert gab überraschend offen zu, dass der Technologiewechsel nicht aus Überzeugung stattfinde, sondern weil man es im Hintergrund drohender CO2-Strafen umsetzen müsse. Der Verbrenner werde dabei sukzessive aus dem Portoflio herausgenommen, bis man gar keine solchen mehr produziere.

Fachkräftemangel – was tun?

Zum Thema Personal und Stadtwerke sprach Sascha Schlichte, Geschäftsführer Drei Grad, von seinen eigenen Erfahrungen, als er als junger Azubi bei einem Kommunalversorger anfing: "Ich habe die Flucht ergriffen, die Strukturen waren zu festgefahren". Es sei egal, ob es sich um Stadtwerke oder um Eon handle, die Attraktivität dieser Unternehmen sei seiner Meinung nach gering.

Ein wesentlicher Anlass, warum sich Kandidaten gegen einen Arbeitgeber entscheiden, seien mangelnde Karriereperspektiven. Auch Homeoffice sei ein wichtiger Punkt. "Je freier das Arbeitszeitmodell, desto attraktiver", so Schlichte. "Work-Life-Balance und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten sind zwei wesentliche Grundlagen der Berufswahl", so sein Rat.

Eine weitere Empfehlung: "Verfallen Sie nicht dem aktuellen Employer-Branding-Wahn!" Was zähle, seien authentisches Handeln, Transparenz und offener sowie ehrlicher Dialog mit den MItarbeitern. "Ermittlen Sie Ihre tatsächlichen Unternehmenswerte und transportieren Sie diese konsequent". Seiner Ansicht nach seien Stadtwerke "local heroes" – "stärken Sie diesen Status konsequent", verdeutlicht Schlichte. (sg)

Update vom 28. Mai 2019: Es wurde nach einem Hinweis der Stadtwerke Ettlingen klargestellt, dass ihr Geschäftsführer Eberhard Oehler dem Fachbeirat der Schleupen AG nicht nur angehört, sondern vorsteht. (geo)

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