Deutschlands Versorger liegen in Sachen KI-Nutzung im internationalen Vergleich "nur" im Mittelfeld. Bislang setzen 13 Prozent der Branchenunternehmen auf künstliche Intelligenz (KI) im großen Maßstab. Damit landet die Bundesrepublik hinter den USA mit 23 Prozent aber immerhin vor den Briten mit acht Prozent. Mit 20 Prozent setzen vor allem Öl- und Gasunternehmen auf intelligente Automatisierung. So die Ergebnisse einer Studie des Capgemini Research Institutes, das 529 Führungskräfte zum Einsatz von KI befragt hat.
Der mittelmäßige Durchdringungsgrad in Unternehmen weltweit könnte auch mit der Einschätzung der Manager bezüglich der Nützlichkeit zusammenhängen. Die Hälfte der Befragten unterschätzen eigene Initiativen zu intelligenten Technologien: Während 44 Prozent der Führungskräfte hierzulande die Kosteneinsparungen zu gering kalkulieren, sind es bei der Verbesserung der Kundenzufriedenheit 46 Prozent und genauso viele Studienteilnehmer schätzen die Auswirkungen der KI auf die Gewinnentwicklung falsch ein.
"Quick-Wins" zu wenig im Fokus
Ein weiterer Grund, warum sich KI-Anwendungen noch nicht flächendeckend durchgesetzt haben, ist die fehlende Konzentration auf "Quick-Wins". Nur 18 Prozent der Manager setzten auf Projekte, die schnelle Erfolge in der Prognose, im Energiehandel oder in der Ertragsoptimierung versprechen. Stattdessen legen mehr als ein Drittel der Energie- und Versorgungsunternehmen ihren Fokus auf Anwendungsfälle, die zwar einfach zu implementieren, aber nur von geringem Nutzen sind.
Hindernisse für die Skalierung von automatisierten Anwendungsfällen finden sich auch in der Finanzierung und Realisierung durch kompetentes Personal. 42 Prozent der deutschen Befragten sehen eine zu geringe Koordination verschiedener Geschäftseinheiten und mangelndes Führungsengagement (39 Prozent) als Hürde, die es bei der Einführung von KI zu nehmen gilt. Auch der Dauerbrenner "Fachkräftemangel" steht für 55 Prozent innovativen Lösungen im Weg.
Profit durch KI insgesamt gestiegen
Insgesamt hat die Akzeptanz gegenüber KI in der Branche allerdings zugenommen. Die Mehrheit der 529 Befragten setzt selbstlernende Modelle bereits in Pilotprojekten um, vor zwei Jahren waren es nur 28 Prozent. Ein Trend der sich lohnen könnte, denn wer auf intelligente Automatisierung setzt, profitiert im Kunden- und Mitarbeitermanagement.
82 Prozent der Unternehmen in Deutschland konnten durch KI ihren Kundenservice durch eine schnelle Reaktionszeit verbessern, auch die eingehenden Kundenkontakte konnten bei 38 Prozent der deutschen Studienteilnehmer gesteigert werden. Und auch die Betriebsabläufe und die Mitarbeiterproduktivität konnten optimiert werden (44 und 26 Prozent). (ls)



