Rüdiger Winkler, Geschäftsführer des Edna Bundesverbands Energiemarkt und Kommunikation

Rüdiger Winkler, Geschäftsführer des Edna Bundesverbands Energiemarkt und Kommunikation

Bild: © Press'n'relations

Die Bundesnetzagentur will die Prozessfristen für die Marktkommuniktion trotz Corona-Krise nicht verschieben. Wie bewerten Sie diese Entscheidung, wie hart trifft das die Branche?
Rüdiger Winkler, Geschäftsführer des Edna Bundesverbands Energiemarkt & Kommunikation: Auf den ersten Blick klingt das hart, aber genauer betrachtet, hat die BNetzA eigentlich gar keine andere Wahl. Diese Entscheidung trifft unsere Branche nicht härter als andere. In der Tat sind die Massen- und Standardprozesse in allen Systemen automatisiert. Die Klärfälle sind hier das Problem und diese werden aufgrund des nicht oder nur eingeschränkt verfügbaren Personals nicht abgearbeitet. Daher erachten wir es als richtig, dass mit etwaigen Strafen großzügiger umgegangen wird. Ein Aussetzen oder Auflockern der Fristen hätte wieder umfangreiche Systemumstellungen zur Folge, die wieder nicht alle gleichzeitig durchführen, zu Fehlern führen und damit die Automatisierungsquote drücken. Dann hätten wir mehr Klärfälle als üblich und das Problem vergrößert.
 
Was würden Sie sich hier vom Regulator wünschen?
Mit der Mitteilung Nummer 10 werden explizit die Prozesse zur Versorgungssicherheit angeführt. Hier würden wir uns eine klare Definition wünschen, welche Prozesse priorisiert zu beachten sind. In den Vorgaben sind ja alle Prozesse sehr sauber benannt. So könnte man beispielsweise festlegen, dass alle Prozesse zum Messwertversand, Prognose etc. für die Versorgungssicherheit wichtig sind, andere Prozesse wie zum Beispiel Stammdatensynchronisation nicht. Dann haben alle eine Orientierung, auf welche Prozesse sie auch bei der Klärung ihr Augenmerk legen können und welche Prozesse man eher später klären kann. Dann kann die BNetzA auch bei der Prüfung ihrerseits transparente Kriterien anlegen.



Darüber hinaus wäre es sinnvoll, wenn neue Prozesse etc. nach hinten verschoben werden. Wir haben keine Probleme mit den Prozessen in Bezug auf die Bilanzkreistreue, allerdings vermute ich, dass der Stammdatenaustausch zum Start nicht reibungsfrei – oder gar nicht – klappen wird und eine Verschiebung um einen Monat etc. keine signifikanten Auswirkungen haben sollte.
 
Wie bewerten Sie grundsätzlich die Corona-Krise im Hinblick auf die Energiedienstleister? Welche Herausforderungen gibt es hier zu bewältigen?

 
Die größte Herausforderung ist sicherlich das Fehlen der Mitarbeiter in den manuellen Prozessen. Gleichzeitig sind aufgrund der Shutdown-Regelungen sicherlich Anpassungen im Energieverbrauch zu erwarten. Die Steuerung der Anlagen, die hier aufgrund dieser noch nicht dagewesenen Situation in vielen Fällen manuell vorgenommen werden muss, da Prognosemodelle so etwas gegebenenfalls nicht hergeben, kann zum Problem werden, da eben genau diese Kollegen fehlen oder unter Quarantäne stehen.
 
Ein Beispiel ist die MaKo 2020 mit der aufwendigen sternförmigen Marktkommunikation und den „neuen“ Marktpartnern, die sich Ihrer Verantwortung und den Folgen noch nicht 100 Prozent bewusst sind. Wenn das vor Corona schon nicht geklappt hat, funktioniert das jetzt erst recht nicht. Die Leidtragenden sind die Verteilungsnetzbetreiber durch falsche oder unvollständige EEG Abrechnung oder Bilanzierung gegenüber den Bilanzkoordinatoren aber auch Übertragungsnetzbetreiber sowie die Lieferanten mit den Prognosen.




Die Fragen stellte Stephanie Gust

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