Von Jürgen Walk
Seit vielen Jahren produziert im Duisburger Stadtteil Wanheim das Heizkraftwerk III Wärme und Strom für die Stadt. Doch für Block A, der Mitte der 70er Jahre in Betrieb ging, ist nun das Ende abzusehen: Bis zum Ende des Jahrzehnts wollen die Stadtwerke Duisburg die 40-MW-Gasturbine in Rente schicken. Die dadurch fehlende Fernwärme wird am gleichen Standort durch umweltfreundlichere Technologien mit deutlich höherer Kapazität ersetzt. Eine große Rolle dabei spielt auch der Rhein.
"Die Stadt Duisburg und auch wir haben uns ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Die Dekarbonisierung unserer Strom- und Wärmeerzeugung spielt dabei eine entscheidende Rolle und wir investieren in den kommenden Jahren massiv in die Infrastruktur. Die Modernisierung des Energieparks Wanheim ist dabei ein wichtiger Meilenstein der Energiewende vor Ort", ordnet Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Duisburg, die Investition ein. Rund 200 Millionen Euro werden in den kommenden Jahren dafür verbaut.
Energie aus dem Rheinwasser
Drei Technologien sollen die alte Gasturbine ersetzen und die Wärmeversorgung von Duisburg deutlich flexibler machen. Weil der Energiepark direkt am Rhein liegt, errichten die Stadtwerke vier Flusswärmepumpen, die jeweils eine thermische Leistung von 15 MW haben. Die Pumpen entnehmen die Energie aus dem Rheinwasser über große Wärmetauscher und ein Kältemittel. Das abgekühlte Flusswasser wird dann wieder zurück in den Fluss geleitet. Vor allem in den Sommermonaten, in denen die Flüsse oft überhitzt sind, bedeute das auch einen positiven Effekt für das Gewässer, heißt es in Duisburg.
Außerdem wollen die Stadtwerke auf dem Gelände des Energieparks Wanheim ein Gebäude errichten, in dem bis zu 15 Blockheizkraftwerke aufgestellt werden können. Jedes dieser Module hat eine Leistung von 4,5 MW elektrisch und 5,3 MW thermisch, sodass die Anlage insgesamt 67 MW elektrische und 80 MW thermische Leistung liefert. Das Gebäude soll umfassend schallisoliert sein. Die Motoren der Blockheizkraftwerke können künftig statt Erdgas auch Wasserstoff verbrennen, sobald dieser in ausreichenden Mengen verfügbar ist.
Und schließlich wird auch eine Power-to-Heat-Anlage errichtet, die aus Strom Wärme erzeugen kann. Eine zweite folgt in einem späteren Bauabschnitt. Diese beiden Elektro-Kessel haben jeweils eine Leistung von 30 MW, sodass die Gesamtanlage bis zu 60 MW Wärme erzeugen kann. Die Anlagen kommen dann zum Einsatz, wenn überschüssiger regenerativer Strom im Netz vorhanden ist, der nicht benötigt wird. Die Anlage soll künftig zudem am Regelenergiemarkt teilnehmen, um dort Erlöse zu generieren und das Stromnetz zu stabilisieren.
Beginnen sollen die Bauarbeiten Mitte 2026. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist für das Jahr 2029 angepeilt. Der Block B des Heizkraftwerks ist deutlich jünger, geht gerade erst durch die Revision und kann noch einige Jahre in Betrieb bleiben. Die Stadtwerke haben sich das Ziel gesetzt, ihre Fernwärme bis zum Jahr 2035 komplett CO2-neutral zu erzeugen.



