Deutschland hat im ersten Quartal 2026 viel Strom aus Wind- aber auch Solaranlagen ins Ausland exportiert. (Symbolbild)

Deutschland hat im ersten Quartal 2026 viel Strom aus Wind- aber auch Solaranlagen ins Ausland exportiert. (Symbolbild)

Bild: © imacoconut/AdobeStock

Deutschland ist vorerst kein Nettostromimporteur mehr. Im ersten Quartal 2026 haben Versorger 17,9 Terawattstunden (TWh) Strom exportiert und 15,3 TWh importiert, wie die Bundesnetzagentur mitteilt.

Der Netto-Exportüberschuss beläuft sich damit auf 2,6 TWh. "Es ist das erste Quartal seit dem vierten Quartal 2023, in dem ein Nettoexport verzeichnet wurde", so die Bonner Behörde. Im ersten Quartal 2025 hatte der Importüberschuss noch 4 TWh betragen.

Preise in Deutschland stärker gefallen

Als Hauptgrund für die Trendumkehr nannte die Netzagentur die Preisentwicklung: Die Großhandelspreise in Deutschland seien stärker gefallen als in den meisten Nachbarländern. "Somit war es für Stromversorger in diesen Ländern häufiger finanziell sinnvoll, Strom von deutschen Erzeugern einzukaufen."

Umgekehrt habe es für deutsche Stromversorger seltener einen finanziellen Anreiz gegeben, Strom im Ausland einzukaufen.

Österreich größter Abnehmer

Größter Stromabnehmer war Österreich – wie bereits im Vorjahresquartal. Die größten Zuwächse gab es bei den Exporten nach Dänemark und Norwegen. Deutlich weniger Strom wurde hingegen nach Frankreich ausgeführt; hier sanken die Exporte um rund die Hälfte im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Größter Stromlieferant war Dänemark, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich.

Den größten Anteil an den deutschen Stromexporten hatte an Land erzeugter Wind. Insgesamt stammten 57,1 Prozent der Stromexporte aus erneuerbaren Energien. Bei den Stromimporten stieg der Erneuerbare-Anteil auf 50,2 Prozent – Kernenergie machte dabei den größten Anteil eines einzelnen Energieträgers aus.

Kein Dauerzustand

Ob Deutschland dauerhaft zum Nettoexporteur wird, ist offen. Claudia Kemfert, Leiterin der Energieabteilung am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), betonte kürzlich gegenüber der ZFK, dass hinter dem Exportüberschuss kein Politikwechsel stecke: "Das ist ein ganz normaler Markteffekt."

Leonhard Gandhi vom Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) verwies darauf, dass die mittelfristige Entwicklung vor allem davon abhänge, ob der Zubau erneuerbarer Energien mit dem steigenden Stromverbrauch aus E-Mobilität, Wärme und Industrie Schritt halten könne.

Eine ausführliche Einordnung – inklusive der Hintergründe zu CO₂-Bepreisung, Norwegen-Effekt und Länder-Aufschlüsselung – lesen Sie in der ZFK-Analyse "Ist Deutschland zurück als Stromexportnation?" sowie im grafischen Überblick "Deutschland: europäischer Stromhandel in 6 Grafiken".

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