Bernhard Palm (57) ist seit Anfang des Monats Vorstandsvorsitzender des Elektrizitätswerks Mittelbaden. Seit Juli 2023 ist er im Vorstand des Unternehmens, zuvor war er Geschäftsführer der Netcom BW.

Bernhard Palm (57) ist seit Anfang des Monats Vorstandsvorsitzender des Elektrizitätswerks Mittelbaden. Seit Juli 2023 ist er im Vorstand des Unternehmens, zuvor war er Geschäftsführer der Netcom BW.

Bild: © E-Werk-Mittelbaden

Von Hans-Peter Hoeren

Das Elektrizitätswerk Mittelbaden im Schwarzwald treibt den Erneuerbarenausbau in der Region weiter voran. "Derzeit werden 21 Megawatt an Windenergieanlagen in der Region zugebaut. Die Projektpipeline umfasst weitere rund 30 Windenergieanlagen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Bernhard Palm. Das Versorgungsgebiet des Kommunalversorgers mit Sitz in Lahr sei eine wirtschaftsstarke Region. Deshalb sei der Ausbau der erneuerbaren Energien in der Region von großer Bedeutung. "Die Wirtschaft in der Region hat großes Interesse, sich an regenerativen Projekten des E-Werks Mittelbaden zu beteiligen."

Das aktuelle Portfolio des Unternehmens umfasst 33 Megawatt (MW) an Windenergieanlagen, 6 MW an PV-Anlagen und rund 1 MW an Wasserkraftanlagen.

Wärmewende: Großes ikWK-Projekt mit Burda-Verlag

Der Schwarzwald verfügt über viele windhöffige Standorte, allerdings sei die Anlagenzahl in den Windparks durch die Topografie limitiert. Bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort setzt das E-Werk Mittelbaden vor allem auf Kooperationen vor Ort.

"Die Vorteile der Umsetzung mit regionalen Partnern überwiegen die Nachteile", stellt er klar. Die regionalen Partnerschaften steigerten die Akzeptanz in der Bevölkerung und eröffneten neue Finanzierungsquellen abseits von Private-Equity-Unternehmen und internationalen Großbanken. "Dafür ist die Umsetzung etwas aufwändiger." 

Großes Verbesserungspotenzial in Sachen Energiewende sieht Bernhard Palm vor allem bei den politischen Rahmenbedingungen. "Insbesondere könnte die Bedeutung der Energieerzeugung nahe der Verbrauchsschwerpunkte größer in den Vordergrund der Förderung gestellt werden", verdeutlicht er.

Auch die Wärmewende ist eines der ganz zentralen Themen für den Kommunalversorger aus dem Schwarzwald. Die Partnerschaft mit dem großen Verlagshaus Hubert Burda Media ermöglichte beispielsweise ein Projekt mit iKWK-Förderung in Offenburg. Der regenerative Anteil des Projekts, die Großwärmepumpen, wurden im ehemaligen Farbtanklager der stillgelegten Druckerei eingebaut. Das ermöglicht neben der Wärmeversorgung auch die Lieferung von Kälte an Hubert Burda Media.

"Das Projekt ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Sektorenkopplung, weil das Blockheizkraftwerk bei hohen Strompreisen Strom und Wärme liefert und die Wärmepumpen Wärme und Kälte bei niedrigen Strompreisen produzieren. Damit wird gleichzeitig das Stromnetz entlastet“, erklärt Palm. Der regenerativ erzeugte Strom für die Wärmepumpen komme von einer Windenergieanlage auf der Hornisgrinde, dem höchsten Berg des Nordschwarzwalds

"Hätten uns stärkere finanzielle Entlastung für Großwärmepumpen gewünscht"

Auch bei der Wärmewende sieht der Vorstandsvorsitzende Optimierungspotenzial im regulatorischen Bereich. "Für unsere Großwärmepumpen hätten wir uns eine stärkere finanzielle Entlastung bei den Netzentgelten und Abgaben gewünscht", sagt er. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Wärmepumpen in Zeiten von Stromüberschüssen netzdienlich eingesetzt werden könnten.

Das Geschäftsjahr 2024 hat das E-Werk Mittelbaden mit einem Konzernumsatz von 555 Millionen Euro (2023: 507 Millionen) abgeschlossen. Die Investitionen lagen bei 60 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug rund 17 Millionen Euro. Die Ausschüttung für die Gesellschafter beträgt rund zehn Millionen Euro. Weitere fünf Millionen Euro werden thesauriert, um damit weitere Projekte für die Energie- und Wärmewende in der Region zu realisieren.

Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 440 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 42 Auszubildende. 

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper